Erfolg mit Mix-Getränken

Barkeeper Robin Lühert aus Göttingen: Schwarzwälder-Kirsch im Cocktail-Glas

Barkeeper aus Leidenschaft: Robin Lühert mixt Drinks im „Esprit“ in Göttingen. Er wurde Zweiter beim internationalen Barmixer-Wettbewerb. Lühert machte einst die Ausbildung im Flux-Bio-Hotel in Hann.Münden.
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Barkeeper aus Leidenschaft: Robin Lühert mixt Drinks im „Esprit“ in Göttingen. Er wurde Zweiter beim internationalen Barmixer-Wettbewerb. Lühert machte einst die Ausbildung im Flux-Bio-Hotel in Hann.Münden.

Einer der besten Barkeeper Deutschlands arbeitet im „Esprit“ in Göttingen. Wir haben Robin Lühert besucht. Und dabei verriet er das Rezept für den Drink „D.A.CH“.

Göttingen - Harry´s Bar nahe der Piazza San Marco ist nicht riesig. Aber sie ist klassisch eingerichtet und legendär. Hier erfand Guiseppe Cipriani das „Carpaccio“ und den Cocktail „Bellini“. Harry´s Bar ist teuer und Treff für Stars. Aber sie ist, besonders in den für Venedig touristenarmen Wintermonaten, auch für „Normalos“ ein Tipp und Erlebnis – und sei es, um dem Bartender bei der so spielerisch-leicht aussehenden Arbeit zuzuschauen.

Faszination Bar. Das Göttinger „Esprit“ mit Harry´s Bar zu vergleichen, wäre vermessen, auch wenn es ein ähnlich klares Interieur aufweist. Und einen Spitzen-Bartender hat das Göttinger Café, das abends zur Bar wird, ebenfalls: Robin Lühert. Der 32-Jährige hat jüngst einen großen Erfolg „ermixt“, wurde Zweiter bei der in der Szene angesehenen GSA-Competition. GSA steht für Germany-Switzerland-Austria. Aus diesen Ländern kommen die Top-Bartender zusammen, mixen um die Wette und schauen genau hin, „was die anderen so draufhaben und in die Gläser bringen“, sagt Lühert, der seinen Drink in Anlehnung an die drei Länder „D.A.CH“ taufte. Im September ging es also ins 5-Sterne-Hotel Schloss Elmau. Robin war dort der „Rookie“, im Sport werden so Neulinge in ihrer ersten Profi-Saison betitelt. „Rookie“ nannten ihn die Veranstalter des Fachorgans „Mixology“, die den Wettstreit in der Pandemie mit nur wenigen Teilnehmer und Juroren vor Ort organisiert hatten. „Deshalb war es sehr intensiv, auch das Miteinander“, schildert Lühert, der mit Respekt, aber locker und selbstbewusst ins Luxus-Hotel nahe Garmisch-Partenkirchen einzog – ganz so, wie er als Typ ist. Folgerichtig bilanzierte die Jury: „Er überzeugte durch Lockerheit und Souveränität.“ Diese Faktoren werden neben dem Handwerklichen mitbewertet. Denn Ausstrahlung und Stil, aber auch die Wirkung des Bartenders spielen eine wichtige Rolle, im Wettbewerb wie im Alltag in der Bar. So im Esprit, wo Robin Lühert im blütenweißen Hemd mit geschwungenem, schlichtem „Esprit“-Schriftzug hinter dem klassisch gestalteten Tresen und vor dem fein bestückten Getränkeregal samt Spiegel steht. Er ist eine imposante Erscheinung: freundlich, gut gelaunt, dabei seriös – und von kräftiger Statur. Für Letztere sorgt er selbst mit dem Hobby „Ins-Studio-Gehen“. „Kompakt“ nennt das sein Chef, Robert Vogel, schmunzelnd und erntet einen leicht spöttischen Blick von Lühert. „Er ist ein guter Typ, ein absoluter Glücksfall“, sagt Vogel, der sein „Esprit“ nicht nur betreibt, sondern lebt. Schon bei Robins Vorstellungsgespräch merkte Vogel, dass „der Junge Potenzial hat“.

Hingucker: Robin Lühert hat in der Göttinger Bar „Esprit“ seine erfolgreiche Kreation „D.A.CH“ auf den Tresen gezaubert.

Heute kommen die Esprit-Stammgäste am Abend, auch wegen Robin Lühert und Jan Pawliczek, dem zweiten im formidablen Duo der Bar. Alle Wünsche bei der Bestückung des Flaschenregals erfüllt der Chef dem Top-Bartender dennoch nicht. „Ich brauche das und das“, fordert Lühert. „Es gibt nur das“, sagt Vogel, dem dieses Miteinander Spaß macht.

Freude, die hat Robin Lühert bei seiner Arbeit zweifelsohne. Der Beruf ist für ihn Berufung und Hobby. Wenn die Schicht um 18 Uhr beginnt, ist Robin oft ein Stündchen früher da, tummelt sich im Café. Traumberuf Barkeeper? „Klar! Es ist mein Traumberuf“, sagt er mit Nachdruck. „Ich möchte nichts anderes machen – aber mich stetig verbessern.“

Der Wettkampf in Bayern hat all das bestätigt, auch wenn er knapp hinter dem arrivierten Tobias Lindner aus der Stuttgarter Szene-Bar „Jigger&Spoon“ landete. Der stellte mit seinem „Goldenen Apfel“ einen überragenden Drink auf den Tresen: optisch wie geschmacklich, dazu kam ein „souveräner Gesamtauftritt“, so die Jury.

Gemixt wurde in der Königsklasse, dem Short-Drink. Im Gegensatz zum Long-Drink verzeihen diese konzentrierten Drinks mit weniger Flüssigkeit keine Fehler. „Da kannst Du nicht mehr viel korrigieren“, sagt Robin Lühert. Die Kluft zwischen Spitzenklasse und Kreisklasse ist eng. „Man ist schon sehr angespannt. Wie gesagt, Short-Drink-Mixen ist die Champions League.“

Umso bedeutender ist die Qualität der Zutaten. Hochwertige Brände und Liköre sind ein Muss. Erst recht, wenn man – wie Lühert – eine Schwarzwälder-Kirsch-Torte in einen Drink zaubern will. Ein kaum vorstellbares Unterfangen, das er bewältigt – auch dank regionaler Produkte. Der Göttinger verwendet den Klassiker aus der nahen Nörten-Hardenberger Brennerei: Dreikorn. Dazu kommen der regionale Schwarzwald Maraschino sowie ein „Mozart Dark Chocolate“-Sahnelikör. Robin Lühert ist die flüssige „Schwarzwälder“ traumhaft gelungen.

Gesamtkunstwerk: Die Drinks „Game Changer“ und „D.A.CH“, benannt nach den Kfz-Länderkennzeichen für Deutschland, Österreich und Schweiz.

Die Teilnahme am GSA soll deshalb nicht die letzte gewesen sein. „Ich will unbedingt wieder mitmachen“, sagt er. Robin, der Rookie, will weiter lernen von den Großen in der Barmixer-Szene. Den Juroren hat sein „D.A.CH“ geschmeckt, sie waren beeindruckt, der Auftritt mache „Lust auf mehr“.

„Harry´s Bar“ möchte Robin Lühert unbedingt einmal besuchen, denn auch dort gibt es etwas abzuschauen. Dass er dort arbeiten könnte, wäre sicher ein Traum. Aber der bodenständige Göttinger will bleiben. Sein Chef hört das nur zu gerne. (Thomas Kopietz)

Das Rezept für den Drink „D.A.CH“

4 cl Hardenberg Dreikorn (Region Südniedersachsen)

3 cl Burschik’s Dry Vermouth (aus Österreich)

1 cl Humbel Hochstamm Kirsch (aus der Schweiz)

1 cl Mozart Dark Chocolate (Salzburg/Österreich)

1 cl Schwarzwald Maraschino

Alle Zutaten in ein Rührglas geben. Das Rührglas mit Eiswürfeln auffüllen und 20 Sekunden lang kalt rühren, dann in das vorgekühlte Glas abseihen.

Einen Lieblingsdrink kann Lühert nicht nennen: Gern genommener Feierabend-Absacker ist für ihn der

Horses Neck: „Simpel aber hochwertig – Longdrinkglas mit Eis füllen, Rye oder Cognac, 2 Dash Angostura und mit Ginger Ale auffüllen.“ (tko)

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