1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Göttinger Baudezernent Look: Sparsamer Umgang mit dem Gut Boden

Erstellt:

Von: Bernd Schlegel

Kommentare

Göttingen aus der Vogelperspektive: Das Gut Boden ist in der Uni-Stadt denkbar knapp. Trotzdem will die Bauverwaltung Akzente setzen. Luftbild: Stefan Rampfel
Göttingen aus der Vogelperspektive: Das Gut Boden ist in der Uni-Stadt denkbar knapp. Trotzdem will die Bauverwaltung Akzente setzen. Luftbild: Stefan Rampfel © Stefan Rampfel

Der Boden ist in Göttingen ein knappes Gut. Trotzdem will Bau- und Umweltdezernent Frithjof Look wichtige Akzente setzen.

Göttingen – Das Gut Boden ist in Göttingen knapp. Trotzdem will der neue Stadtbaurat Frithjof Look Akzente setzen. Dabei steht das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt seiner Überlegungen. Wir sprachen mit ihm darüber.

Geht der Stadt Göttingen irgendwann der Baugrund aus?

Nein. Wir müssen aber mit dem Gut Boden sparsam und sorgsam umgehen. Das ist auch der Grund, warum wir uns neben einer behutsamen Außenentwicklung vor allem um eine nachhaltige Entwicklung der innerstädtischen Quartiere bemühen. Beispiele sind die Grüne Mitte Ebertal, die Sanierungsgebiete in der Innenstadt, das Sartorius-Quartier oder der Bereich westlich des Maschmühlenwegs. Wir müssen es erreichen, durch Innenentwicklung mit Grund und Boden schonender umzugehen, um möglichst neue Flächen nicht zu bebauen.

Was tut die Stadt, um Firmen und Investoren geeigneten Baugrund für Gewerbeansiedlung und fürs Wohnen zur Verfügung zu stellen?

Wir berücksichtigen die Bedarfe und versuchen maßvoll, neue Flächen zu entwickeln. Maßgaben sind die Ortsverträglichkeit und eine möglichst umweltschonende Umsetzung. Außerdem wird es darum gehen, Bestandsimmobilien weiterzuentwickeln. Eine Idee dabei ist, zukünftig bestehende Gewerbeimmobilien in die Höhe zu bauen, weil die Fläche gerade in Gewerbegebieten knapp ist. Dabei arbeitet die Verwaltung vertrauensvoll mit der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen zusammen, die im engen Austausch mit den Gewerbetreibenden und Investoren steht.

Einzelne Firmen hat die Stadt schon an andere Standorte (Area 3) verwiesen. Führt das nicht zu einer Schwächung der Stadt?

Wir wollen als Region Südniedersachsen interessant sein. Gerade unter der Prämisse, dass wir nur eine maßvolle Entwicklung im Außenbereich haben wollen, müssen wir schauen, wie Firmen sich an ihrem Standort auch weiterentwickeln können. Das kann bedeuten, dass sie an andere Standorte in der Region gehen oder in Göttingen mehr in die Höhe bauen müssen.

Wie sieht es bei Flächen für Wohnbebauung aus?

Die Stadt Göttingen entwickelt wieder mehr Projekte selbst, dazu gehört der Lange Reekesweg in Grone oder der Bereich Lieth in Nikolausberg. Bei der konkreten Umsetzung arbeitet die Stadt natürlich oft eng mit der Städtischen Wohnungsbau GmbH oder auch privaten Investoren zusammen. Bei allen Projekten muss auch der soziale Wohnungsbau mit einer nun flexibleren Quote im Mittelpunkt stehen.

Was ist mit dem Thema Sozialer Wohnraum?

Wir überarbeiten gerade das Wohnraumversorgungskonzept. So können wir sehen, in welchen Wohnformen verstärkt Bedarf besteht. Wichtig ist und bleibt, dass bei jedem neuen Bebauungsplan sozialer Wohnraum mitgedacht und mitentwickelt wird. Aber auch die Wohnraumagentur sorgt für soziale und suffizientere Wohnformen.

Warum ist neuer Wohnraum so teuer?

Das hat unter anderem mit den gestiegenen Baukosten zu tun. Eine Kaltmiete von sechs Euro ist mit Blick auf die teuren Baustoffe, die hohen Lohnkosten und die gestiegenen Zinsen kaum noch wirtschaftlich. Mit unserer eigenen Förderrichtlinie wollen wir als Stadt auch weiterhin dafür sorgen, dass günstiger Wohnraum geschaffen werden kann.

Außenstehende haben oft den Eindruck, dass sich die Entscheidungen über Bauprojekte zu lange hinziehen. Stimmt das so?

Das ist ein falscher Eindruck. Viele Verhandlungen brauchen ihre Zeit. Das gilt auch für die Bürgerbeteiligung, die uns als Stadtverwaltung wichtig ist. Viele Planungsschritte sind nicht immer für jeden sichtbar. Aber es geht voran. Wenn es um den konkreten Bauantrag geht, ist die Bauaufsicht der Stadt Göttingen eine der schnellsten in Niedersachsen. Im Durchschnitt braucht es nur 30 Arbeitstage vom Bauantrag bis zur Genehmigung.

Regelmäßig gibt es Anfragen und Anregungen aus dem Rat. Bindet das zu viel Kraft und Kapazität in der Bauverwaltung?

Es ist das legitime Recht des Rates, Anfragen und Anträge zu stellen. Das ist Teil des politischen Gestaltungsspielraums. Von daher liegt es in der Natur der Sache, dass viele Anträge vom Rat und den Ausschüssen kommen. Aber das führt natürlich zu einer zusätzlichen Arbeitsbelastung bei den Mitarbeitenden in der Stadtverwaltung. Dadurch fehlt auch Zeit bei anderen Projekten. Allein das Team der Verkehrsplanung hat 2022 etwa 70 Anfragen beantwortet.

Die Bauverwaltung war ein Sorgenkind, weil die Führung vor Ihrem Amtsantritt oft nicht präsent war. Was hat sich seit Ihrem Amtsantritt getan?

Ich möchte dafür sorgen, dass die Mitarbeiter wieder mehr selbst entscheiden können und entschlussfreudiger werden. In vielen Bereichen der Bauverwaltung funktioniert das auch gut. Probleme gab es im Bereich des Hochbaus (Anm. der Red.: Disziplinarverfahren gegen eine Mitarbeiterin), aber ich habe das Vertrauen, dass dort die Rückstände langsam abgearbeitet werden.

Welche (besonderen) baulichen Akzente wird es in den kommenden Jahren in Göttingen geben?

Zunächst will ich die Hochbau-Prioritätenliste abarbeiten. Dazu gehören die Erweiterungen und Anbauten an Schulen und Kitas sowie die Sanierungsprojekte Otfried-Müller-Haus, Deutsches Theater und städtisches Museum. Bei diesen drei Projekten haben wir uns als Verwaltung externe Unterstützung geholt, um die zukünftigen Bedarfe der Nutzer dieser Gebäude zu klären und offene Fragen frühzeitig anzusprechen, damit eine verlässliche Kostenschätzung überhaupt möglich ist.

Was sind weitere wichtige Projekte?

Die Grüne Mitte Ebertal ist ein Beispiel für eine gelungene Wohnbauentwicklung. Im nächsten Jahr soll ein Wettbewerb für die Umgestaltung des Waageplatzes in der Innenstadt starten. Außerdem steht die Erweiterung des Radwege- und Fahrradstraßennetzes im Fokus. Ich freue mich, dass wir bei der Planung der Umgestaltung des Cheltenhamparks ein großes Stück vorangekommen sind. Es ist ein Auftakt, unsere Park- und Grünanlagen den geänderten klimatischen Bedingungen anzupassen und den Göttingern und ihren Gästen Naherholung zu bieten.

Wie wird sich die Stadt Göttingen innerhalb der nächsten zehn Jahre verändern?

Die Stadt verändert sich schon, wenn man den Ausbau der Fernwärme sowie der regenerativen Energien anschaut. Das Thema Nachhaltigkeit und Klimaneutralität wird alle Projekte in den nächsten Jahren noch mehr als bisher durchziehen. (Bernd Schlegel9

Frithjof Look ist neuer Bau- und Umweltdezernent in Göttingen
Frithjof Look ist neuer Bau- und Umweltdezernent in Göttingen © Patrick Pollmeier/nh

Zur Person: Frithjof Look

Frithjof Look (35) ist seit Anfang September 2022 Bau- und Umweltdezernent der Stadt Göttingen. Look wurde in Bergen auf Rügen geboren und studierte Stadtplanung in Hamburg. Nach dem Referendariat führten ihn seine ersten Stationen nach Einbeck, Wuppertal und Melle. Er wohnt in Göttingen. (bsc)

Auch interessant

Kommentare