Insekten-Programm treibt Landwirte um

Bauern befürchten massive Einschränkung von Pflanzenschutzmitteln

Eine Hummel auf einer Blüte
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Eine Hummel auf einer Blüte: Insekten sollen durch das neue Bundesprogramm besser geschützt werden. Doch das Projekt steht im Widerspruch zu einem Vertrag, der im Mai 2020 in NIedersachsen geschlossen wurde.

In dieser Woche soll im Bundestag das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ verabschiedet werden. Landwirte in Südniedersachsen befürchten, dass dadurch der Einsatz von Pflanzenschutzmittel in vielen Gebieten massiv eingeschränkt wird.

Göttingen/Northeim – Wie drängend das Problem ist, zeigt folgende Zahl: Allein im Bereich Göttingen wären etwa 9000 Hektar Ackerfläche von der Regelung betroffen, rechnet Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Göttingen, vor. Das entspricht fast der Fläche der Stadt Duderstadt.

Die Landvolk-Kreisverbände Göttingen und Northeim-Einbeck weisen auf das Problem hin, das viele ihrer Mitglieder betrifft: Weitgehende Verbote von Pflanzenschutzmitteln sind in dem Aktionsprogramm unter anderem im Bereich von FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern sowie bei bestimmten Biotopen vorgesehen.

Achim Hübner, Geschäftsführer Landvolk Kreisverband Göttingen.

Hübner macht deutlich: „Eine normale Landwirtschaft, wie sie auf 95 Prozent der Flächen stattfindet, wird mit diesen Regelungen nicht möglich sein.“ Eine ganze Reihe von Betrieben wird aus seiner Sicht in so erheblichem Umfang betroffen sein, dass ein „weiteres Wirtschaften insgesamt nicht mehr darstellbar“ ist. Hübner bringt seine Befürchtungen auf den Punkt: „Mit Marienkäfern allein wird die Blattlausbekämpfung schwierig.“

Nach Angaben von Hübner und seinem Northeimer Kollegen Gerhard Rudolph steht die geplante Regelung ganz im Gegensatz zum sogenannten „Niedersächsischen Weg“. Dabei hatten sich Natur- und Umweltschutzverbände, Landvolk, Landesregierung und Landwirtschaftskammer Ende Mai 2020 auf einen Vertrag geeinigt, der bundesweit einmalig. Er verpflichtet alle Beteiligten zu großen Anstrengungen bei Natur- und Artenschutz, bei Biodiversität und beim Umgang mit der Landschaft. Mit der Vereinbarung habe man gezeigt, dass die Landwirtschaft für einen „kooperativen Naturschutz“ eintritt, so Hübner. Das Landvolk befürchtet nun, dass dieser Vertrag durch die mögliche Neuregelung aus Berlin vor dem Aus steht.

Gerhard Rudolph, Geschäftsführer Landvolk Kreisverband Northeim-Einbeck.

Viele Landwirte wollen protestieren

Viele Landwirte wollen in dieser Woche mit ihren Treckern im Vorfeld der Entscheidung am 11. Februar im Bundestag protestieren. Demonstrationen dazu sind in Berlin, Bonn, Gießen und München geplant. Außerdem wollen die Verbände der Landwirte alle Einflussmöglichkeiten nutzen. Landvolk-Geschäftsführer Hübner sagt mit Blick auf das Aktionsprogramm des Bundes: „Da muss erheblich nachgearbeitet werden.“ (Bernd Schlegel)

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