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Stromberg-Star Prashant Jaiswal aus Göttingen: „Die Zeit heilt alle Wunden“

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Von: Melanie Zimmermann

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Verliert auch in schwierigen Zeiten nur selten sein einnehmendes Lächeln: Der Göttinger Prashant Jaiswal bleibt trotz des Vorfalls im April und seiner Hauterkrankung positiv gestimmt.
Verliert auch in schwierigen Zeiten nur selten sein einnehmendes Lächeln: Der Göttinger Prashant Jaiswal bleibt trotz des Vorfalls im April und seiner Hauterkrankung positiv gestimmt. © Melanie Zimmermann

Prashant Jaiswal ist als Schauspieler weit über Göttingen hinaus bekannt. Nun wurde der ehemalige Stromberg-Star bei einem Casting Opfer von Diskriminierung.

Göttingen – Er gehört zu den wohl bekanntesten Bürgern Göttingens: Prashant Jaiswal. Der gebürtige Inder dürfte vielen Fernseh-Zuschauern weit über die Stadtgrenzen Göttingens hinaus ein Begriff sein: Der 47-Jährige spielte an der Seite prominenter Schauspieler in diversen TV- und Filmproduktionen mit. Zuletzt ist es stiller um den sympathischen Inder geworden. In einem Gespräch mit der HNA erzählt er, warum.

Ob als Versicherungs-Sachbearbeiter an der Seite von Christoph Maria Herbst in „Stromberg“, als „King of Bollywood“ in „Alarm für Cobra 11“ oder als indischer Koch Sharif in der Frosta-Werbung – die Filmografie von Prahsant Jaiswal kann sich sehen lassen.

Stromberg-Star Prashant Jaiswal aus Göttingen: Der bekannte Inder im deutschen TV

Insgesamt spielte er bis heute in 90 Filmproduktionen mit – und ist in der Uni-Stadt und der Region durchaus so etwas wie ein Promi. „Ich glaube sogar, das ich der bekannteste Inder Deutschlands bin“, sagt er selbstbewusst und lacht. Und doch ist ruhiger um ihn geworden. Nun rückte Jaiswal durch einen Beitrag in dem Sozialen Netzwerk Facebook wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Mit den Großen der Filmbranche: Prashant Jaiswal mit Schauspieler Til Schweiger.
Mit den Großen der Filmbranche: Prashant Jaiswal mit Schauspieler Til Schweiger. © Privat

Der Anlass war jedoch ein unschöner: „Liebe Freunde und Fans, in den vielen Jahren, in denen ich in Deutschland lebe, habe ich nie so etwas wie Diskriminierung und Verletzung eventuell aufgrund meiner indischen Herkunft erfahren“, beginnt er seinen Beitrag. Das änderte sich Anfang April.

Schauspieler Prashant Jaiswal Opfer von Diskriminierung bei Casting in Baunatal

Bei einem Casting in Baunatal kam es zu einem Vorfall, der „mir immer noch weh tut“, sagt Jaiswal im Gespräch mit der HNA-Redaktion. Eine Casting-Mitarbeiterin habe ihn – nach dem Vorspielen einer Szene – mit den Worten „Verstehst du mein Deutsch etwa nicht? Hörst du mir zu?“ des Raumes verwiesen. Jaiswal war geschockt. Und zutiefst verletzt.

Damit aber noch nicht genug. Nachdem sie den Göttinger angeschrien hatte, drohte sie ihm außerdem damit, ihn aus der Kartei der Agentur werfen zu lassen. Dank zweier netter Mitarbeiterinnen der Agentur sei das nicht passiert, erzählt Jaiswal. Er komme aus einer gebildeten indischen Familie und es sei für ihn selbstverständlich, sich respektvoll gegenüber Frauen zu verhalten, erklärt der Göttinger.

„Ich kann nicht erkennen, was dazu geführt hat, dass sie sich so verhielt.“ Schockiert habe ihn auch, dass er von keinem der Anwesenden Unterstützung bekommen habe. Etwas Vergleichbares habe Jaiswal, der nach eigenen Angaben bereits an mehreren hundert Castings in Deutschland teilgenommen hat, noch nicht erlebt.

Raus aus dem Rampenlicht: Prashant Jaiswal fernab von Kino und Fernsehen

Eine offizielle Entschuldigung gab es seitens der Agentur bisher nicht. Von Rassismus-Vorwürfen spricht Jaiswal in diesem Zusammenhang nur sehr zurückhaltend. „Ich muss aufpassen, was ich sage. Schließlich möchte ich auch weiterhin in der Branche arbeiten“, sagt er. Das war zuletzt nicht so einfach für ihn.

In den vergangenen Jahren meinte es das Schicksal nicht immer gut mit dem stets blendend gelaunten Göttinger, der sein Lächeln in der Öffentlichkeit nie wirklich verliert, auch wenn es in ihm durchaus anders aussieht.

Im Team von Bernd Stromberg: Der Göttinger zusammen mit Schauspieler Christopf Maria Herbst.
Im Team von Bernd Stromberg: Der Göttinger zusammen mit Schauspieler Christopf Maria Herbst. © privat

Beruflich wie privat hätte einiges besser laufen können: Finanzielle Schwierigkeiten, wenig Job-Angebote, eine Scheidung 2015, die anhaltende Suche nach der großen Liebe und das Vermissen seiner geliebten Tochter, die er aktuell nur sehr selten sieht. Auch seine Gesundheit spielte nicht immer zu einhundert Prozent mit.

Mehr als nur Klischee-Inder: Prashant Jaiswal auf der Suche nach Charakter-Rollen

„Ich hatte Probleme mit Gelenkschmerzen, doch seit einer Reha und der seitdem weiteren Betreuung durch das Rehazentrum Rainer Junge helfen“, so der 47-Jährige, der am liebsten morgen wieder vor der Kamera stehen würde. Wie sehr er an der Schauspielerei hängt, wird deutlich, wenn er mit leuchtenden Augen in Erinnerungen von seinen bisherigen Engagements spricht.

Dabei wird aber auch deutlich: Der 47-Jährige kann und möchte mehr als die Rolle des Klischee-Inders. Er möchte ernsthafte Rollen spielen, in denen Charakter gefragt ist. Seit vergangenem Jahr leidet Jaiswal allerdings unter der Weißfleckenkrankheit (Vitiligo), hervorgerufen vermutlich durch einen starken Sonnenbrand.

Für einen Schauspieler ist das Aussehen sein Kapital.

Prashant Jaiswal

„Wer mich von früher kennt und mich dann zu einem Casting einlädt, erschreckt sich natürlich erstmal“, sagt Jaiswal und zeigt auf seine deutlich erkennbaren hellen Flecken im Gesicht. Zwar könne man diese mit entsprechendem Make-Up komplett abdecken, ein Manko sei die Erkrankung für ihn dennoch. „Für einen Schauspieler ist das Aussehen sein Kapital“, sagt er.

Zwischen Schauspielerei und Ehrenamt: Fernseh-Star Prashant Jaiswal bleibt positiv

Er sei durchaus auch eitel, habe sich bereits zweimal erfolgreich einer Haartransplantation unterzogen. Eine dritte hingegen blieb zuletzt erfolglos. Er akzeptiere, dass er nun so aussehe, schließlich habe er in der Vergangenheit gelernt, dass an dem in Deutschland gern gesagten Sprichwort „Die Zeit heilt alle Wunden“ etwas dran ist.

Und auch die Unterstützung seiner indischen Familie und seiner deutschen Freunde sei in schwierigen Situationen immer eine wichtige Stütze für ihn und sehr wichtig, betont Jaiswal. Nicht zuletzt deshalb lege er auch auf ehrenamtliche Arbeit sehr großen Wert. „Es gibt für mich kein besseres Gefühl, als auch anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt Jaiswal.

Ob Spenden für das Göttinger Elternhaus für das krebskranke Kind oder auf anderen Benefiz-Veranstaltungen zugunsten erkrankter Menschen: Dafür schlüpfe er dann auch gern in die Rolle des Klischee-Inders und zeige sein bekanntes und typisches Prashant-Lächeln. Weitere Infos gibt es hier. (Melanie Zimmermann)

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