Mit Bauschaum und Folie: Restaurateure verpackten Mumien

Göttingen. Zwei Mumien aus dem Göttinger Institut für Zoologie und Anthropologie wurden am Montag aus ihren Vitrinen genommen. Für eine Untersuchung im Computer-Tomografen (CT) in Hildesheim wurden eine Mumie aus Peru und eine sogenannte vorspanische Guanchen-Mumie von den Kanarischen Inseln transportbereit gemacht.

Das Besondere: Mit dem wissenschaftlichen Blick unter die Haut wollen Forscher aus Göttingen und Hildesheim mehr über die Mumifizierungstechnik der noch weitestgehend unbekannten Bevölkerungsgruppe der Guanchen herausfinden. Die konservierte Leiche ist das einzige Exemplar in Deutschland. Weltweit wurden bislang nur etwa 40 solcher Mumien gefunden.

Diplomrestaurator Jens Klocke muss bei seiner Arbeit sehr vorsichtig vorgehen. Der Freiberufler aus Hildesheim wirkt auf den ersten Blick wie ein Handwerker. An seinen Händen trägt er feine Venylhandschuhe und über seinen Mund eine Feinstaubmaske. Über die Transportkiste inmitten des Ausstellungsraumes im Zoologischen Institut breiten er und die Restauratorin Madlen Alsen mehrere Schichten an Folien aus. Jede Ecke der Kiste wird mit Panzerband abgeklebt, denn alles scharfkantige kann ihre Arbeit zunichte machen. Dann geht es an die erste von zwei Mumien: Die Guanchen-Mumie liegt in einer Vitrine. Ihr Körper soll mit einem CT untersucht werden. Das muss Klocke bedenken, als er die Mumie transportbereit macht.

„Der Röhrendurchmesser eines CT ist etwa 70 Zentimeter groß, und da die Mumie mit einer Unterlage in das Gerät geschoben wird, haben wir sie auf eine etwa 60 Zentimeter breite gelegt“, erklärt Klocke, während er Holzspachtel vorsichtig unter die Mumie schiebt, um eine stabile Unterlage unter sie zu platzieren. Damit heben er und seine Kollegin die Mumie in eine kleine Kiste und umwickeln sie mit Folie.

Schließlich holt Klocke Bauschaum-Dosen aus seiner Tasche und grinst: „Das erwartet niemand, wenn er an meine Arbeit denkt!“ Alle Hohlräume zwischen der Mumie und der Kiste werden mit Schaum ausgefüllt. Die soll verhindern, dass die konservierte Leiche auf der Fahrt ins etwa 100 Kilometer entfernte Hildesheim beschädigt wird.

Während sich der Schaum ausdehnt, heben die Restaurateure die Guanchen-Mumie mitsamt Kiste in eine weitere Transportbox aus Holz. Wieder wird jeder Hohlraum mit Verpackungsfolie und Stoffen gepolstert. „Omas alte Leinen“, verrät Klocke. Einfach und funktional funktioniere ein Transport am besten, findet der Restaurator. Deswegen bekommt jedes Ausstellungsstück eine individuelle Transportbox, die auch das „Auspacken“ am Ziel erleichtern soll.

Zum Schluss zückt Klocke einen Akkubohrer und befestigt einen Deckel mit vier Schrauben an der Kiste. Gut gesichert kann die Reise nun beginnen.

www.uni-goettingen.de

Mumien auf Reise

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