Stadthalle Göttingen

Begeisterter Applaus im Stuhlkreis für Sebastian Puffpaff

+
Kabarett in der Stadthalle Göttingen. Sebastian Puffpaff begeisterte mit poltischem Kabarett. Foto: Lawrenz

Göttingen. Eine begeisterte Stadthalle ließ der Kabarettist Sebastian Puffpaff am Samstag in Göttingen zurück.

Einen Stuhlkreis hat Sebastian Puffpaff im Solo-Programm „Auf Anfang“ am Samstag in der Göttinger Stadthalle angesagt. Aus dem Sinnieren über persönliche Befindlichkeiten wird ein gesellschaftskritischer Rundumschlag. Das Publikum folgt jedem Winkelzug begeistert.

Fast wahllos scheint die Themenauswahl zu Beginn. „Wenn Sie kein Feindbild haben, machen sie die Nachrichten an“, kommt der Kabarettist in Anzug und Krawatte dem typisch deutschen Zwang entgegen, sich immer aufregen zu müssen.

So ärgert sich Puffpaff schon darüber, wenn es einfach glatt läuft: In seinem Wohnort sei der Ausländer integriert, der Nazi-Nachbar habe eine Frau aus Thailand und sogar sein Nutella-Brot beim Frühstück sei ihm zwar aus der Hand gerutscht, aber auf die Brotseite gefallen.

Puffpaff zieht über führerlose Fahrräder her und regt sich auf über fast schon unglaubliche Preise für Kobe-Rind oder Büffel-Mozzarella. Auf die Frauenquote reagiert der Entertainer, indem er Frauen die Tür zuhalte. Wenn die Frau es dann schaffe, die Tür zu öffnen, sei das die wahre Emanzipation. Damit ältere Menschen sich nicht ausgeschlossen fühlten, sollten sie bei Massenschlägereien mitmachen, dann sei auch der Pflegenotstand schnell behoben, weiß Puffpaff eine Lösung für fast jedes Problem. Für sein „elitäres Publikum“ in der Stadthalle hat er auch eine Antwort auf die Frage, warum so viele Deutsche Haustiere halten: „Neben einem Haustier ist jeder intelligent.“

Kurz vor Ende wird das muntere Gealber plötzlich ernster. Was zunächst einfach wahllos daher gesagt schien, bekommt eine tiefgreifende Bedeutung. „Es gibt Menschen ,aus Ländern‘ – Ausländer eben“, beschreibt Puffpaff den simplen Tatbestand, dass auch Deutsche anderswo zu Ausländern werden. Wichtiger, als sich lange damit zu befassen, ist ihm deshalb die Chancengleichheit durch Bildung: „Alle Kinder sollten gleiche Chancen haben.“

Eindringlich appelliert er an das Publikum, im Wahljahr tatsächlich auch das Wahlrecht wahrzunehmen. Zwar betont er, dass er niemandem die Entscheidung für die Richtung abnehme: „Wenn mich einer was fragt, lauf‘ ich weg.“ Doch beim Blick in Richtung rechter Szene wird seine Ablehnung deutlich.

Was Sebastian Puffpaff gelingt, spricht für sein Format: Wie im Stuhlkreis bezieht er das Publikum mit ein. Statt in dem begeisterten Applaus auf Rufe nach Zugabe zu warten, legt er von sich aus einen drauf. Es gelingt ihm aus einem bunten Fächer von Themen immer wieder auf Linie zu kommen. Sein Mittel gegen Burnout für ein besseres Leben: Wie im Komödienfilm „Men in black“ alles „blitzdingsen“ auf Anfang, sich auch als Mensch einfach mal „resetten“. Am Ende steht der Star zum Anfassen für Selfies bereit. (zul)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.