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Göttinger Professor Steffen Rust: Bäume helfen gegen die Folgen des Klimawandels

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Von: Michael Caspar

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Professor Steffen Rust lehrt an der HAWK Arboristik, Baumpflege.
Bäume kühlen, sorgen für frische Luft und schützen gegen Wind: Professor Steffen Rust lehrt an der HAWK Arboristik, Baumpflege. © Michael Caspar

Städte sollten Bäume pflanzen, um sich gegen Folgen des Klimawandels zu wappnen. Das rät der Göttinger Professor Steffen Rust von der HAWK.

Göttingen – Städte sollten Bäume pflanzen, um sich gegen die Folgen des Klimawandels zu wappnen, rät der Göttinger Professor Steffen Rust von der der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst.

Bäume halten die Innenstädte kühl bei steigenden Temperaturen

Mit steigenden Durchschnittstemperaturen heizen sich Städte in den kommenden Jahrzehnten immer mehr auf, warnt Rust, der Arboristik (Baumpflege) lehrt. Die Zahl der Tropennächte, in denen die Temperaturen nicht unter 20 Grad Celsius sinken, steigt. Damit legt die Zahl der Hitzetoten unter alten und geschwächten Menschen zu.

Das Problem lässt sich durch „eine beherzte Begrünung der Städte“ in den Griff bekommen, betont der Hochschullehrer. Die Bäume können sich aufgrund der Erwärmung sogar besser entwickeln, sofern sie ausreichend Wasser finden.

Rust kennt die Argumente der Gegner. Viele schimpfen noch über die Verschattung, ziehen helle Zimmer und ein Sonnenbad auf dem Balkon vor. Sie kritisieren zudem, dass Bäume die Sicht auf markante Gebäude nehmen, das Pflaster in die Höhe drücken oder durch Laubwurf Arbeit verursachen.

Rust setzt weitere Vorteile von Bäumen dagegen. Sie binden Staub und sorgen für frische Luft. Sie bremsen den Wind. Die Gefahr, dass Menschen durch herabstürzende Äste oder umfallende Bäume getötet zu werden, hält der Professor für „überschätzt“. Das Risiko sei um ein Vielfaches geringer, als bei einem Verkehrsunfall zu sterben.

„Um vorzubeugen, erfassen Stadtverwaltungen alle Bäume im öffentlichen Raum in Katastern und kontrollieren sie regelmäßig auf ihre Verkehrssicherheit“, führt Rust aus. Wenn Bäume Schäden aufweisen, dann sind diese oft durch den Menschen verursacht worden, stellt der Wissenschaftler klar. Viele Bäume werden in jungen Jahren nicht geschnitten.

Später müssen dann große Äste entnommen werden. Die dabei entstehenden Wunden sind Einfallstor für Baumkrankheiten. Das gilt auch für Verletzungen, die Autos beim Zusammenstoß mit einem Baum verursachen.

„Auf Baustellen wird der gesetzlich vorgeschriebene Baumschutz oft nicht beachtet“, kritisiert der Professor. Die grünen Riesen werden nicht ausreichend mit Absperrgittern geschützt. Schwere Baufahrzeuge zerquetschen die Wurzeln, die insbesondere unter der Krone in einer Tiefe von bis zu 50 Zentimetern liegen.

Über sie decken selbst Tiefwurzler einen großen Teil ihres Wasserbedarfs. Der verdichtete Boden erschwert zudem den Gasaustausch unter der Erde. Den Bäumen fehlt dadurch die Luft zum Atmen. All das macht sie anfälliger gegen Krankheiten und Insekten.

„Viele Stadtverwaltungen unternehmen mittlerweile Anstrengungen, um die Bewässerung der Bäume sicherzustellen“, lobt der Professor. Eine Möglichkeit: An den Bäumen werden spezielle Säcke angebracht, die regelmäßig befüllt werden. So versickert das Wasser langsamer im Boden. Die Städte streichen zudem die Stämme häufig weiß an, da intensive Sonnenstrahlung die Rinde schädigt. (Michael Caspar)

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