Deutsches Primatenzentrum Göttingen

Bei Springaffen geht der Papa in Elternzeit - Göttinger Forscher beobachten Paarverhalten

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Vater und Sohn: Rote Springaffen im Amazonasregenwald.

Der Lebensentwurf der Roten Springaffen mutet modern an: Denn nicht das Weibchen, sondern das Männchen kümmert sich um den Nachwuchs.

Göttingen – Forscher des Deutschen Primaten-Zentrums (DPZ) in Göttingen belegten die „Männer-Service-Hypothese“, indem sie das Paarverhalten der Roten Springaffen zweimal sieben Monate lang im peruanischen Amazonasregenwald beobachteten.

Springaffen leben in kleinen Familiengruppen oder als Paar

Weniger als ein Zehntel aller Tiere lebt in Paarbeziehungen. Die Springaffen gehören dazu. Sie leben in kleinen Familiengruppen oder als Paar zusammen. Paarbeziehungen sind laut derDPZ-Forscher bei Tieren schwer zu bestimmen. Die Frage sei, ob sich die Tiere lediglich ein Territorium teilen oder eine langfristige, auf gegenseitigen Kontakt beruhende, Beziehung haben.

Springaffen bleiben viele Jahre zusammen

Die Roten Springaffen bleiben viele Jahre zusammen und sind Beispiel für das Paarleben von Säugetieren. Bei den Springaffen kümmern sich die Männchen intensiv um den Nachwuchs, tragen die Kleinen herum und übergeben sie der Mutter nur zum Säugen. Sie spielen mit den Jungen und teilen ihr Futter.

Göttinger Forscher beobachteten Paarleben

Um dieses Verhalten genauer zu untersuchen, haben Verhaltensbiologen des Deutschen Primatenzentrums sieben Springaffen von morgens bis abends beobachtet. Die Forscher wollten wissen, welchen Beitrag Männchen und Weibchen in der Beziehung leisten und welche Vorteile das Paarleben für beide hat.

„Wir haben beobachtet, dass die Weibchen sich insbesondere nach der Geburt eines Jungtiers verstärkt um die Beziehungspflege kümmern, also aktiv die Nähe ihres Partners suchen und bei ihm Fellpflege betreiben“, sagt Sofya Dolotovskaya, Doktorandin am DPZ und Erstautorin der Studie. Die Männchen hätten sich verstärkt in Auseinandersetzungen mit Eindringlingen eingebracht.

"Männchen-Service-Hypothese": Männchen erbringt nützliche Dienstleistungen

„Dieses Verhalten entspricht der ‚Männchen-Service-Hypothese‘, die besagt, dass Weibchen sich vor allem um die Nähe zum Partner kümmern, während dieser nützliche Dienstleistungen erbringt, wie Verteidigung gegen Eindringlinge oder Aufzucht der Jungtiere“, sagt Eckhard W. Heymann, Leiter der DPZ-Forschungsstation Estación Biológica Quebrada Blanco in Peru. 

Weitere Untersuchungen, ob Springaffen monogram leben

„Unsere Ergebnisse untermauern die Hypothese, dass der Einsatz der Männchen für die Jungenaufzucht ein wichtiger Faktor für die Aufrechterhaltung von Paarbeziehungen ist.“ Weitere Untersuchungen sollen zeigen, ob die Roten Springaffen monogam zusammen leben. 

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