Auf Anlage werden Hunde für Jagd trainiert

Bekennerschreiben: Radikale Tierschützer legten Feuer und ließen Füchse frei

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Fuchs: Zwei Tiere kamen am Karsamstag in Klein Schneen bei einer Aktion von radikalen Tierschützern frei.

Klein Schneen. Eine Gruppe von radikalen Tierschützern hat sich zur Brandstiftung und zur Freilassung von zwei Füchsen am Karsamstag in Klein Schneen bekannt.

Ein entsprechendes Schreiben ging bei der HNA ein. Bei dem Vorfall am Osterwochenende war der Unterstand eines Hundevereins in Brand gesetzt worden.In der Mail behauptet die Gruppe, dass sie im Juni und Dezember vergangenen Jahres bereits mehrere Füchse aus einer Schliefenanlage in Hildesheim befreit habe.

Radikale Gruppierung 

Dies sei ihr auch am Osterwochenende im Klein Schneen gelungen. Zudem sei das „Gefängnis des Fuchses“ niedergebrannt worden. „Wir fordern, den Betrieb der Schliefenanlage nicht wieder aufzunehmen - die Betreiber müssen sonst auch mit Aktionen in ihrem privaten Umfeld rechnen“, drohen die Schreiber, die mit „alf“ unterzeichnen. Dieses Kürzel steht unter anderem für die „Animal Liberation Front“, eine radikale Gruppierung.

Fuchsbau wird simuliert 

Laut der Aktivisten richten in Klein Schneen Jäger und Hundebesitzer in einer so genannten Schliefenanlage ihre Hunde für die Fuchsjagd ab. Dafür werden die Hunde in ein künstlich angelegtes Gängesystem getrieben, das den Fuchsbau simulieren soll. „Die Hunde lernen so, den Fuchs in die Enge zu treiben und ihn entweder dem Jäger vor die Flinte zu treiben oder ihn im Bau zu töten“, kritisieren die Aktivisten. Diese Abrichtung erfolge an lebenden Füchsen, die eigens für diesen Zweck gefangen oder gezüchtet werden und zwischen den einzelnen Jagdübungen in Zwingern gefangen gehalten werden, so die Gruppe.

Forderung 

In der Nacht vor einer Jagdhundzuchtprüfung habe man dem Fuchs die Gelegenheit zur Flucht gegeben. Anschließend habe man das Gefängnis des Fuchses niedergebrannt und die Schliefenanlage durch Verbrennen und Verkleben einzelner Elemente unbrauchbar gemacht. Eine ähnliche Vorgehensweise habe kürzlich zur Einstellung des Betriebs der Schliefenanlage in Hildesheim geführt. Die Aktivisten fordern den Verein auf, die Anlage zu schließen.

Polizei ermittelt 

Die Polizei ermittelt mit Hochdruck in dem Fall. Die Beamten haben festgestellt, dass bei der Aktion auf dem Gelände in Klein Schneen mehrere Vorhängeschlösser entfernt wurden. Ein Holzbau wurde „mit Brandbeschleuniger“ entzündet. Zurzeit läuft noch die Auswertung von Spuren.

Prüfung des Schreibens 

Das Bekennerschreiben wird derzeit geprüft. Ob hinter der Aktion die „Animal Liberation Front“ steckt, kann laut Polizei noch nicht abschließend gesagt werden. Mit den Verantwortlichen des Geländes hat die Polizei wegen der angedrohten „persönlichen Konsequenzen“ bereits Kontakt aufgenommen. 

"Animal Liberation Front" besteht seit 1976

Die „Animal Liberation Front“ (ALF, deutsch: Tierbefreiungsfront) ist laut Online-Lexikon Wikipedia eine international wirkende, dezentral organisierte Gruppe der militanten Tierbefreiungsbewegung, die in den USA als terroristische Vereinigung angesehen wird.

Ihr Ziel ist es, Tierversuche und Tötung von Tieren zu verhindern. Dies geschieht in erster Linie durch Tierbefreiungen sowie Anschläge auf Laboratorien und Tierfarmen mittels Sabotage, Brandanschlägen und anderen direkten Aktionen.

Die radikale Organisation wurde 1976 von Ronnie Lee, einem englischen Tierrechtsaktivisten, ins Leben gerufen.

Das sagt der Landkreis Göttingen: Anlage ist „tierschutzrechtlich in Ordnung“

„Tierschutzrechtlich ist alles in Ordnung“, sagte Erste Kreisrätin Christel Wemheuer mit Blick auf die Schliefenanlage zum Training der Fuchsjagd in Klein Schneen.

Die Anlage sei genehmigt und werde regelmäßig überprüft. Schon vor drei Jahren habe es eine öffentliche Diskussion darum gegeben. Damals sei die Anlage auch im Umweltausschuss vorgestellt worden. Weiterhin liege inzwischen eine Baugenehmigung vor.

Außerdem habe sie sich selbst ein Bild vor Ort gemacht, sagte Wemheuer.

Sie betont, dass in Klein Schneen handaufgezogene Füchse gehalten werden, die in Gefangenschaft zur Welt gekommen sind. Beim Training haben laut Wemheuer Füchse und Hunde keinen direkten Kontakt miteinander.

Mit Blick auf die Füchse, die befreit wurden, sagt sie: „Die kennen die Freiheit nicht.“

Kreisveterinär Dr. Bernd Sieslack wird deutlicher: „Die Füchse können nicht selbst jagen, weil sie es nicht gelernt haben. Sie wurden handaufgezogen und haben immer vom Menschen Futter bekommen.“ Der Tierarzt geht davon aus, dass die Füchse in Kürze eingehen werden. 

Tierschutzverein: Forderung nach Schließung der Anlage 

Der Tierschutzverein Friedland hatte bereits vor drei Jahren die Schließung der Schliefenanlage gefordert.

Der Verein lehnt die Form der Jagd, die dort trainiert wird, ab, berichtet Vorsitzende Bettina Bruder. Dabei gehe es nicht nur um das Wohl der Füchse, sondern auch um das der Hunde, die dort trainiert wurden. Auch diese seien trotz des Trainings insbesondere bei der Bautenjagd gefährdet. Das Gelände, auf dem das Training in Klein Schneen stattfindet, gehört der Gemeinde. Der Tierschutzverein hatte gefordert, dass der Pachtvertrag nicht verlängert wird. Dieser Wunsch ging aber nicht in Erfüllung. Der Vertrag besteht weiterhin.

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