Ausverkaufte Lokhalle

„Bekloppter werden“: Mario Barth tritt zwei Mal in Göttingen auf

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Hat sein Publikum im Griff: Mario Barth in der Göttinger Lokhalle.

Göttingen. 4200 Zuschauer am Samstag, 4200 Zuschauer voraussichtlich heute in der Lokhalle bei Mario Barth. Mehr hat ein Comedian in Göttingen in 24 Stunden noch nie angelockt.

Die Besucher erlebten lockere, unpolitische Unterhaltung - sympathisch und professionell präsentiert von Mario Barth in dem Programm „Männer sind sexy, aber bekloppt". Vor futuristischem Bühnenbild mit Männerspielzeug Düsenjet erhebt sich Barth in einer Nebelwolke aus dem Boden. Dann folgt während zwei Stunden das, was Wikipedia trefflich beschreibt: „Mario Barth ist ein deutscher Komiker, der sich in seinem Programm hauptsächlich mit den Beziehungen zwischen Männern und Frauen beschäftigt.“ Aber warum kommen 8400 Leute in die Lokhalle? Nun, weil Barth Geschichten aus dem Leben erzählt. Begebenheiten, wie sie viele in der Halle schon einmal so oder ähnlich erlebt haben. Das kommt authentisch rüber. Ebenso wie der prahlende Kerl, der von tollen Taten erzählt, und die Freundin, die all das mit einem „Warum“ hinterfragt.

Dem zwölfjährigen Benjamin im Publikum rät er folgerichtig: „Behalte Deinen besten Freund, der ist wichtiger“. Dennoch: Ohne die Frau gäbe es weniger jener Gags, die schon seit 16 Jahren auf der Bühne funktionieren.

Der 43-Jährige erzählt in der Ich-Form. Soll heißen: Ich erlebe das. Ich bin zu Hause der liebenswerte Depp, sie ist das Gehirn. „The Brain“ nennt Mario seine Freundin, die, „wie alle Frauen manchmal morgens aufwacht und auf Krawall gebürstet ist. Dann geben Frauen nicht nach, obwohl sie wissen, dass sie sich getäuscht haben.“ Das gipfelt beim Zoobesuch darin, dass für die Freundin Nashorn und Nilpferd dasselbe Tier sind.

Nach der Pause wird es schlüpfriger: Mario hat mit Freunden „Fifty Shades of Grey“ gelesen, jeder ein Kapitel, nachdem die Frauen das Buch zuvor verschlungen hatten. Der Plan, sich so zu verhalten wie die Kerle im Buch, scheitert - zwangsläufig. Fazit Barth: „Nur weil Frauen das im Buch geil finden, heißt das zu Hause noch gar nix!“ Darüber lachen Frauen und Männer im Saal. Laut.

Mario Barth gelingt dies auch mit banalen Weisheiten wie „Frauen glauben, wir Männer sind blöd“. Am Ende ist Barth der Ratgeber für den Mann: „Wir müssen positiv bekloppter werden, mehr Scheiß machen - auch in der Beziehung. Und wir haben einen Vorteil: Frauen schämen sich mehr für ihre Männer“.

Richtig stark ist Mario Barth dann, wenn er Grimassen schneidet und die Pointen immer wieder hinauszögert, so wie das Rückenkraulen bei seiner Freundin. Diese Geschichten eines Normalos mit Berliner Dialekt sind letztlich der Grund des Erfolges bei den Fans. „Ich habe die besten“, sagt Barth.

Und die meisten, nicht nur in der Lokhalle. Er ist Comedian-Besucher-Weltrekordler: Im Juli 2008 lockte er an zwei Tagen 116 498 Zuschauer in sein Wohnzimmer, das Berliner Olympiastadion.

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