Aufgeheizte Stimmung in der Innenstadt

Bengalos bei Demo gegen Razzien bei G20-Gegnern in Göttingen

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Göttingen. 600 Menschen haben am Samstag am späten Nachmittag unter den Mottos "Unsere Antwort - Widerstand" und "Gegen die politische Verfolgung linker Gruppen" anlässlich der Razzien bei G20-Gegnern demonstriert.

Aktualisiert am 10.12. um 13.30 Uhr -

Hintergrund waren die bundesweiten Wohnungsdurchsuchungen am vergangenen Dienstag, die in mehreren Städten stattfanden, darunter auch zwei in Göttingen. Die von der Antifaschistischen Linken International (A.L.I.) organisierte Demo startete um 16 Uhr am Platz der Synagoge und zog durch mehrere Straßen der Innenstadt. 

Zwei Beamte der Zentralen Polizeidirektion erlitten bei dem Konflikt leichte Verletzungen. Es wurden diverse Ermittlungsverfahren wegen Landfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte sowie Körperverletzung eingeleitet.

Die Polizei sprach in einer Bilanz von 600 Teilnehmern, darunter etwa 50 von außerhalb. Der Demonstrationszug sei von etwa 200 Teilnehmern aus dem "Schwarzen Block" angeführt worden. 

Während des Marsches durch die Innenstadt sowie später auch aus einem Wohnkomplex in der Roten Straße wurden laut immer wieder pyrotechnische Gegenstände, darunter auch sogenannte Bengalos, abgefeuert.

Rangeleien zwischen Polizei und Demonstranten

Die Stimmung war aufgeheizt. So kam es an mehreren Stellen zu Rangeleien zwischen Polizei und den teilweise vermummten Demonstranten. Laut Polizei wurden die Beamten auf der Roten Straße von einer größeren Gruppe Demonstranten von hinten angerannt und angegriffen. Die Beamten ergriffen einen der mutmaßlichen Angreifer und überwältigten ihn. Der Göttinger wurde für die "strafprozessualen Maßnahmen" zur Dienststelle gebracht und von dort wenig später entlassen. "Entgegen zwischenzeitlich aufgekommener Gerüchte beziehungsweise Behauptungen befand sich der Tatverdächtige weder während der Festnahme noch anschließend in bewusstlosen Zustand", heißt es in einer Stellungnahme der Polizei vom Abend. Die Begutachtung des Demonstranten durch eine hinzugezogene Rettungswagenbesatzung habe keine Hinweise auf bei dem Polizeieinsatz erlittene Verletzungen oder eine Bewusstlosigkeit ergeben, so die Polizei weiter.

Zu einem ersten Aufeinandertreffen zwischen Demonstranten und Polizisten kam es in der Goetheallee, als der Demonstrationszug versuchte, von der vorgeschriebenen Route abzuweichen. Einsatzkräfte verhinderten dies, indem sie die Spitze des Zuges stoppten und zurückdrängten, heißt es im Bericht der Polizei.

Aus mehreren Richtungen gibt es scharfe Kritik an den Durchsuchungen am Dienstag. So verurteilt die Grüne Jugend Göttingen diesen massiven Eingriff in die Privatsphäre und Grundrechte der Betroffenen und nennt die Razzien einen "PR-Bluff" der Ermittlungsbehörden. Bei den Ausschreitungen im Sommer im Hamburg während des G20-Gipfels seien keine Göttinger Bürger festgenommen worden, so die Grüne Jugend.

Fake-Depots angelegt

Im Vorfeld der Göttinger Demo hatten einige Autonome drei geheime "Fake-Depots" in der Innenstadt angelegt - als Anspielung auf die angeblichen Depots während des G20-Gipfels in Hamburg. In den Depots waren schwarze Kleidung und Pseudo-Wurfgeschosse untergebracht.

Die Kritik der Demonstranten richtete sich auch gegen die über vier Monate dauernde Untersuchungshaft eines 19-jährigen Italieners, dem bis heute nichts Konkretes vorgeworfen werde, außer die Teilnahme an den Protesten in Hamburg. Weiter forderten die Demo-Teilnehmer die sofortige Freilassung aller Inhaftierten und Rückgabe der sichergestellten Gegenstände.

Die Polizei war am Samstag mit mehreren hundert Beamten im Einsatz. In der Innenstadt kam es zu Verkehrsbehinderungen.

Kritik von linken Gruppen am Polizeieinsatz

Unterdessen gibt es von linken Gruppen scharfe Kritik am Einsatz der Polizei bei der Demonstration am Samstag in Göttingen. 

Aus Sicht der „Basisdemokratische Linke“ kam es während der Demonstration zu mindestens einem „massiven Übergriff seitens der Polizeibeamten“. Ein Ordner, der sich in der Roten Straße deeskalierend und mit erhobenen Armen zwischen Demonstrationszug und Polizei gestellt habe, sei von den eingesetzten Beamten mit „gezielten Schlägen ohnmächtig geprügelt“ worden, schildert die „Basisdemokratische Linke“ das Geschehen. „Herbeieilende Sanitäter wurden durch dieselben Einsatzkräfte von der medizinischen Versorgung abgehalten, selbst nachdem die Person minutenlang regungslos auf dem Boden lag“, so Lena Rademacher, Sprecherin der „Basisdemokratischen Linken“. „Stattdessen nahmen die Beamten den Verletzten fest und brachten ihn zur Polizeiwache an der Groner-Landstraße. „Ausgerechnet bei einer Demo, die sich unter anderem gegen Polizeigewalt richtet, reagieren die Einsatzkräfte überaus brutal“, sagt Rademacher weiter.

Aus Sicht der "Antifaschistischen Linken International" stellt sich das Geschehen vom Samstag so dar: „In der Roten Straße wurde der Demozug unvermittelt von der Polizei gestoppt und die ersten Reihen mit Tritten und Schlägen attackiert. Dabei wurde ein Ordner von Beamten niedergeschlagen, gepackt und in ein Einsatzfahrzeug gezerrt.“ 

Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern

Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern
 © Rampfel/HNA
Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern
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Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern
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Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern
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Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern
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Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern
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Demo in Göttingen gegen Razzien bei G20-Gegnern
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