Berufsverbot ist Thema einer Ausstellung im Rathaus

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Das Neue Rathaus in Göttingen: Hier wird die Schau zu Berufsverboten am Dienstag eröffnet.

Göttingen. Die Berufsverbote in der Bundesrepublik Deutschland sind ab Dienstag, 9. August, Thema einer Ausstellung im Neuen Rathaus in Göttingen.

„Das Thema wird in dieser Form zum ersten Mal in Deutschland dargestellt“, teilten die Veranstalter mit. Die Ausstellung sei von Betroffenen erstellt worden und werde unter anderem vom Deutschen Gewerkschaftsbund, dem Ver.di-Bildungswerk und der Rosa Luxemburg-Stiftung unterstützt.

Um Mitglieder der Deutschen Kommunistischen Partei und anderer sozialistischer Organisationen aus dem Öffentlichen Dienst fernzuhalten, hatte die Konferenz der Ministerpräsidenten der Bundesländer unter Vorsitz des damaligen Bundeskanzlers Willy Brandt (SPD) am 28. Januar 1972 den sogenannten Radikalenerlass verabschiedet. In der Folge wurden etwa 3,5 Millionen Personen politisch überprüft. Der Verfassungsschutz meldete den Einstellungsbehörden zwischen 25 000 und 35 000 „verdächtige“ Bewerberinnen und Bewerber. Mehr als 10 000 Berufsverbotsverfahren wurden eingeleitet, 2250 Bewerber nicht eingestellt und 256 Beamte entlassen.

Erst Ende der 1980er Jahre zogen sozialdemokratisch geführte Landesregierungen die Konsequenz aus dem von Brandt selbst eingeräumten „Irrtum“ und schafften die entsprechenden Erlasse in ihren Ländern ab.

Einige der früher abgewiesenen Anwärterinnen und Anwärter und zum Teil sogar aus dem Beamtenverhältnis Entlassenen wurden doch noch übernommen, meist im Angestelltenverhältnis.

Die Ausstellung thematisiere das gesellschaftliche Klima der damaligen Zeit, heißt es in der Einladung. Zudem werde auf die historischen Vorbilder und die Konsequenzen dieser Politik der Einschüchterung verwiesen.

Die Schau wird bis zum 9. September im Ratssaal und Foyer des Neuen Rathauses gezeigt. Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) wird die Ausstellung am Dienstag, 9. August, um 15 Uhr eröffnen. (epd/bsc)

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