Gewerkschaft Verdi

Beschäftigte im Öffentlichen Dienst streiken in Göttingen

Empört über das Angebot der Arbeitgeber: Die Streikenden am Mittwochmorgen am Groner Tor. FOTO: MICHAEL CASPAR
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Empört über das Angebot der Arbeitgeber: Die Streikenden am Mittwochmorgen am Groner Tor.

Forstarbeiter aus Hann. Münden, Sparkassen-Beschäftigte aus Northeim, Göttinger Kollegen aus der Verwaltung: 300 Angestellte des Öffentlichen Dienstes versammelten sich am Mittwochmorgen (21. 10. 2020) zu einem Warnstreik am Groner Tor.

Göttingen – Beschäftigte im Öffentlichen Dienst streiken in Göttingen. Am Donnerstag (22. 10. 2020) setzt die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern in der dritten Runde fort.

„Stürme und der Borkenkäfer haben für 700 Hektar Schadholz in Hann. Mündens 2800 Hektar großem Stadtwald gesorgt“, berichtete Waldarbeiter Olaf Splitt vom städtischen Betrieb Stadtwald. Die neun Kollegen arbeiteten „in Volllast“. Bei seinem Dienstantritt 1987 hätten die gleiche Arbeit noch 27 Beschäftigte gemacht. Angesichts dieser Belastung sei das Angebot der öffentlichen Arbeitgeber, jeweils ein Prozent mehr Lohn in 2021 und 2022 und 1,5 Prozent in 2023, eine „Sauerei“.

„Ein Prozent mehr Geld im Jahr deckt gerade mal die Teuerungsrate“, ärgerte sich Ruth Kiefer, die Leiterin des Göttinger KEI-Kindergartens (Kindergarten in Eigeninitiative). Sie und ihre Kollegen werden ebenfalls nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes bezahlt.

Von einem „Witz“ der Arbeitgeber sprach Brigitte Stamm von den Göttinger Entsorgungsbetrieben. Sie und ihre Kollegen hätten auch während des Lockdowns dafür gesorgt, dass der Müll ordnungsgemäß abgefahren wurde und die Abwässer abfließen konnten. Es sei nur fair, diese „essenziellen Tätigkeiten“ auch gerecht zu entlohnen.

„Das Angebot der Arbeitgeber sieht eine Neueinstufung unserer Tätigkeiten vor, was am Ende wohl zu sinkenden Löhnen führen wird“, empörte sich Thomas Hartel vom Jugendamt Göttingen. „Schon jetzt hat es die Stadt schwer, junge Kollegen zu halten“, ergänzt seine Kollegin Elke Jung. Diese wechselten auf besser bezahlte Stellen bei freien Trägern. Ihre Arbeit zum Schutz der Kinder sei ohnehin nicht leicht. Oft würden sie angefeindet.

Die Sparkassen-Beschäftigten treibt neben der Neueinstufung von Tätigkeiten vor allem die von den Arbeitgebern angestrebte Abschmelzung der Sparkassen-Sonderzahlung um. „Das vorliegende Angebot bringt für uns eine Verschlechterung“, erklärte die Göttinger Sparkassen-Mitarbeiterin Christina Landrock. Im Vergleich zu anderen Kollegen aus dem Öffentlichen Dienst verdienten sie nicht schlecht. Kollegen in Banken erhielten mehr Geld, deren Jobs seien allerdings weniger sicher.

„Geld ist in den öffentlichen Kassen genug vorhanden, es muss nur anders verteilt werden“, forderte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Diana Hennig. Einbrechende Steuereinnahmen und coronabedingt höhere Ausgaben seien kein Argument, die eigenen Mitarbeiter „schlecht“ zu bezahlen. Im Gegenteil: Höhere Löhne würden die Wirtschaft ankurbeln und so wieder zu mehr Steuereinnahmen führen. Michael Caspar

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