Oberwaltungsgericht

Beschwerde abgewiesen: Medizinstudentin hat keinen Anspruch auf weitere Wiederholungsprüfung

Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg wies die Beschwerde der Göttinger Medizinstudentin ab.
+
Das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg wies die Beschwerde der Göttinger Medizinstudentin ab. (Symbolbild)

Wer erst mehrere Wochen nach einer Klausur die Annullierung der Prüfung beantragt, weil man wegen eines „Blackouts“ prüfungsunfähig gewesen sei, hat keinen Anspruch auf einen erneuten Versuch. Das hat das Oberverwaltungsgericht Lüneburg (OVG) entschieden.

Göttingen/Lüneburg – Es wies damit die Beschwerde einer Medizinstudentin gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Göttingen zurück.

Die Studentin hatte zweimal eine Wiederholungsprüfung nicht bestanden und wollte die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) per einstweiliger Anordnung dazu verpflichten, sie zu einer Wiederholungsprüfung zuzulassen.

Laut Gericht hat die Studentin eine krankheitsbedingte Prüfungsunfähigkeit nicht glaubhaft gemacht. Zudem könne man von einem Prüfling erwarten, dass er seine Prüfungsunfähigkeit unverzüglich anzeige. Da die Studentin dies erst sehr viel später getan habe, sei der nachträglich erklärte Rücktritt von der Prüfung nicht wirksam (AZ 2 ME 121/21).

Die Medizinstudentin hatte im Sommersemester 2020 an dem nachweispflichtigen Kurs Mikroskopische Anatomie teilgenommen. Nachdem sie weder die mündliche Prüfung noch die erste Wiederholungsprüfung bestanden hatte, nahm sie Ende Januar an der zweiten schriftlichen Wiederholungsprüfung teil. Dreieinhalb Wochen später ging bei der UMG ein undatiertes Schreiben der Studentin ein, die gegenüber dem Studiendekanat beantragte, den letzten Prüfungsversuch aufgrund einer „persönlichen Härte“ und eines „Blackouts“ während der Prüfung zu annullieren. Sie hatte angegeben, dass sie während der Prüfung das Gefühl gehabt habe, unter dem Mundschutz keine Luft mehr zu bekommen. Dazu legte sie eine ärztliche Bescheinigung vor, die drei Tage nach der Prüfung ausgestellt worden war. Die Studentin war auch diesmal durchgefallen. Ihr Antrag, die Prüfung wiederholen zu dürfen, wurde abgelehnt.

Also erhob sie Klage vor dem Verwaltungsgericht Göttingen, mit dem Ziel, erneut zur Prüfung zugelassen zu werden – ohne Erfolg. Das Gericht stellte fest: Sie habe keinen weiteren Wiederholungsversuch. Das vorgelegte Attest sei nicht geeignet.

Die Studentin legte im Beschwerdeverfahren noch eine ergänzende ärztliche Stellungnahme vor. Der OVG-Senat verwies aber darauf, dass Prüfungsstress und Examensängste im Allgemeinen zum Risikobereich eines Prüflings gehören. Die mit einer Prüfungssituation typischerweise verbundenen Anspannungen und Belastungen seien von den Prüflingen hinzunehmen und nicht als prüfungsrelevantes Defizit der persönlichen Leistungsfähigkeit zu bewerten.

Das OVG verwies zudem darauf, dass das dreieinhalb Wochen später eingegangene Schreiben nicht als unverzüglicher Rücktritt zu werten sei. Die Studentin hätte schon während der Prüfung ihre Prüfungsunfähigkeit erkennen können und hätte diese entweder abbrechen oder aber am Ende der Prüfung einen Vorbehalt erklären müssen – allerspätestens aber am Tag der Konsultation eines Arztes. Der Beschluss ist unanfechtbar. (Heidi Niemann)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.