Facebook-Gruppe

Beschwerden und Berichte: Kritik im Internet am Göttinger Tierheim

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Bemüht an einer passenden Tiervermittlung: Daniela Elbrecht und Tierheimleitung Sabine Kober mit Hündin Tammie, die in einem schlechten körperlichen Zustand unter einer Fußgängerbrücke in Göttingen zurückgelassen wurde.  

Göttingen. Kritik am Göttinger Tierheim formiert sich im Internet. Innerhalb kürzester Zeit kamen in einer Facebook-Gruppe 150 Teilnehmer zusammen.

Lisa Bartols

Ihr Vorwurf: Mitarbeiter seien unfreundlich gegenüber Interessierten und sie würden lieber Tiere im Heim behalten, als sie herauszugeben. Lisa Bartols, Gründerin der Facebook-Gruppe „Tierhelfer Göttingen“ hat eine lange Liste an Beschwerden und Erfahrungsberichten zusammengetragen. Darin ist vom schlechten Zustand der Tiere, der verweigerten Annahme von Futterspenden und schlechten Besuchszeiten die Rede. 

Es sei ihnen jedoch nicht daran gelegen, nur Vorwürfe zu machen, erklärt Lisa Bartols. Man sei gewillt, aktiv zu helfen, um die derzeitigen Umstände zu verbessern. „Wir sammeln momentan noch Vorschläge in der Gruppe,“ erzählt die 15-jährige Schülerin. Möglich seien beispielsweise Gassigänge, Aufräum- oder Putzarbeiten.

„Über solche Angebote freuen wir uns natürlich, aber es ist uns aus Versicherungsgründen nicht erlaubt, jeden in die Zwinger zu lassen“, erklärt Sabine Kober, Leiterin des Tierheims an der Leine. Die Gefahr, dass jemand verletzt werde, sei zu hoch.

An erster Stelle steht das Tier

Die Vorwürfe weist das Ehepaar Kober jedoch klar von sich. Man könne nachvollziehen, dass Menschen unzufrieden seien, wenn sie ein Tier nicht vermittelt bekämen: „Wir werden jedoch keine Freigängerkatze an jemanden vermitteln, der an einer viel befahrenen Straße wohnt oder einen jungen starken Hund an jemanden, der das körperlich nicht schaffen kann“, betont sie. „Immerhin sind wir ein Tierschutzverein. An erster Stelle steht das Tier. Und wenn es nicht passt, handeln wir im Sinne des Tieres und behalten es.“

Ziel sei nun mal eine einmalige Vermittlung. „Wir wollen nicht, dass der Hund oder die Katze zwei Wochen später wieder bei uns landet, weil die neuen Besitzer nicht zurechtkommen.“

Sabine Kober weiß, dass sie und ihr Team nicht immer alle Erwartungen ihrer Kunden erfüllen. „Das ist auch kaum möglich, weil die Menschen mit so hohen Erwartungen zu uns kommen.“ Sie und ihre Mitarbeiter seien nicht pauschal unfreundlich: „Auch wir sind nur Menschen. Auch wir haben schlechte Tage.“ 

Zum Vorwurf der verweigerten Futterannahme sagt Ulf Kober: „Wir nehmen sogar sehr gern und regelmäßig Futterspenden an. Wir können nur nicht alles durcheinander füttern. Das vertragen die Tiere nicht und bekommen Durchfall.“ Rohes Fleisch hingegen würde man aus hygienischen Gründen tatsächlich nicht annehmen: „Trocken- und Nassfutter nehmen wir jedoch dankend an.“

Aus Erfahrung gelernt

Gassigänge habe man früher auch angeboten, erzählt das Ehepaar. Allerdings habe man aus der Erfahrung gelernt: „Bei den öffentlichen Spaziergängen haben sich die Leute um die Tiere gestritten und sich nicht an unsere Vorgaben gehalten.“ So liefen die Hunde ohne Leine, oder wurden kleinen Kindern an die Hand gegeben. Es gab viele Beißereien und Versicherungsschäden. „Das können und wollen wir nicht verantworten“, sagen die Tierheimleiter. „Bei unseren festen Helfern wissen wir, dass sie die Eigenheiten der Tiere kennen und akzeptieren und versichert sind.“ 

Eine Ausnahme gibt es: Schulpraktikanten. „Deren Hilfe nehmen wir gerne und regelmäßig an und hatten bisher nur gute Erfahrungen.“

Von den Menschen, die zufrieden sind, hofft das Tierheimteam, dass auch diese mehr an die Öffentlichkeit herantreten. Denn: „Es gibt viele Menschen, mit denen wir auch nach einer Vermittlung in Kontakt stehen und die uns regelmäßig Bilder von ihren neuen Gefährten schicken.“

Mehr Informationen zum Tierheim gibt es auf www.tierheim-goe.de

Fragen und Antworten zum Tierheim Göttingen 

Wie viele Tiere vermittelt das Göttinger Tierheim pro Jahr?

150 bis 200 Tiere

Welche Formalitäten sind zu erledigen?

Der neue Besitzer muss einen Übernahmevertrag unterzeichnen, eine je nach Tierart unterschiedliche hohe Schutzgebühr entrichten.

Warum muss man überhaupt etwas bezahlen?

Weil alle Tierheimtiere untersucht, gechipt, entwurmt und kastriert werden.

Muss ein Einkommensnachweis erbracht werden?

Nein. Aber der neue Besitzer muss unterschreiben, dass er in der Lage ist, für das Tier aufzukommen.

Was kostet ein Tierheim-Tier?

Katzen 80 bis 120 Euro

Hunde 180 bis 300 Euro

Warum wird manchmal bei Hunden eine schriftliche Genehmigung des Vermieters verlangt?

Damit die Tierhaltung gesichert ist und das Tier nicht nach kürzester Zeit zurück ins Tierheim kommt, weil der Mietvertrag Tierhaltung untersagt.

Weshalb wird in der Selbstauskunft nach Kindern gefragt?

Da die Vorgeschichte der Tiere oft nicht bekannt ist, oder sie bereits schlechte Erfahrungen mit Menschen gesammelt haben, werden nicht alle Tiere an Familien mit kleinen Kindern vermittelt, um Gefahren zu vermeiden.

Warum müssen Interessenten angeben, welche Tiere sie schon Zuhause haben?

Um nur Tiere zu vermitteln, die mit dem jeweiligen anderem Tier kompatibel sind.

Warum wird nach den Wohnbedingungen gefragt?

Wohngegend, Etage und Wohnungsgröße werden überprüft, damit die Tiere nicht in für sie unpassende Wohnsituationen vermittelt werden.

Was passiert mit den Tieren, die nicht vermittelt werden?

Sie bleiben im Tierheim. Eingeschläfert wird kein Tier. Höchstens aus schweren gesundheitlichen Gründen nach Absprache mit dem Tierarzt und dem Veterinäramt. Bei regelmäßigen Kontrollen durch das Veterinärmat wurde das Göttinger Tierheim nie beanstandet. 

Lob und Kritik der Facebook-Gemeinschaft:

Bianca N. meint: „Ich war vor einem Jahr im Tierheim Göttingen und bin mal wieder extrem sauer dort rausgegangen. Obwohl ich erzählt hatte, dass wir ein Haus auf dem Dorf mit Riesen-Garten haben, ich nur halbtags arbeite, wir zwei Hunde haben und ich schon jahrelang Katzen hatte, wurde mir gesagt, dass keine einzige Katze zu uns passen würde. Extrem merkwürdig.“ 

Udo G. lobt:„Ich kann gegen das Tierheim an der Leine nichts sagen. Wir haben dort immer unsere Tiere hergeholt und kennen daher die Besitzer. Alles nette Menschen die versuchen die Tiere, die dort abgegeben/ ausgesetzt wurden, medizinisch und wohlfühlsam zu versorgen. Man muss sich im Klaren sein wie viele Tiere dort sind und was das für ein Haufen Arbeit ist, da kann nicht immer alles klappen. Das ist als wenn euer Büro voll gewuchert ist mit Aufträgen, die alle überarbeitet werden müssen. Das funktioniert auch nicht alles.“

Martina H. schreibt: „Ich wollte damals eine zweite Katze haben. Und wollte mich nur erkundigen. Als ich dann erwähnte, dass meine nicht kastriert war, wurde in einen sehr schlechten Ton gesagt dass ich erst eine bekommen würde wenn die Katze kastriert ist. So unverschämt der Ton.“


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