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Bestattungen in der Corona-Krise: Abschied ohne Trauerfeier

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Die Corona-Krise bringt die Bestatter in eine schwierige Lage: Martina Rosentreter betreut fast ausschließlich Feuerbestattungen. © Ute Lawrenz

Von den Auswirkungen der Corona-Krise sind auch die Bestatter betroffen. Wir haben uns umgehört.

Von der Corona-Pandemie wird der Kreislauf des Lebens natürlich nicht durchbrochen: Mancher erblickt das Licht der Welt, andere müssen Abschied nehmen – nicht alle sterben an der Erkrankung. Bestatter, die den Verstorbenen auf seinem letzten Weg begleiten, haben es jetzt schwer. Durch die Kontaktbeschränkungen kann eine Beisetzung nicht wie zu normalen Zeiten ausgerichtet werden.

„Für uns ändert sich vor allen Dingen, dass wir keine Trauerfeiern mehr haben“, sagt Martina Rosentreter, Geschäftsführerin von Novis Bestattungen. „Wir haben fast ausschließlich Urnenbestattungen.“ Alles, was nach der Einäscherung komme, werde derzeit „nach hinten geschoben“ oder „schlicht und einfach abgesagt“. Um ältere Verwandte und Freunde zu schützen, würden Bestattungen im kleinen Kreis – erlaubt sind bis zu zehn Menschen – begangen. Am Telefon oder per E-Mail regelt Rosentreter organisatorische Fragen.

Doch nicht nur die Trauerfeiern fehlen. Auch Beratungsgespräche und Bestattungsvorsorge können nicht geleistet werden. Wer wegen einer Unterschrift doch persönlich vorbeikommen müsse, den bittet Rosentreter, alleine zu kommen. Wie viele andere habe sie für ihre sechs Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet.

Auch wenn Göttingen und Niedersachsen derzeit keine „Hotspots“ der Pandemie darstellen, hatte Rosentreter es nicht leicht, die erforderliche Schutzkleidung zu bekommen. Auf Anraten des Gesundheitsamtes wandte sie sich an den Katastrophenschutz – und war erfolgreich. Um einen Toten abzuholen, müssten Bestatter oft in Krankenhäuser. Und dort sei Schutzkleidung geboten.

Bei Corona-Verstorbenen gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen. Denn laut Robert-Koch-Institut ist nicht klar, ob noch Ansteckungsgefahr herrsche. Die Bestatter müssen in Schutzkleidung arbeiten. Der Tote, so beschreibt es der Inhaber von Pfennig Bestattungen Stephan Brüger, werde im Bodypack in den Sarg gelegt. Beides würde desinfiziert, der Sarg müsse besonders gekennzeichnet werden. Mit seinen fünf Mitarbeitern habe er besprochen, dass der Eigenschutz stets im Vordergrund stehe.

„Wir haben insgesamt weniger zu tun “, bestätigt Brüger. Die Aufbahrung der Toten sei nicht möglich. Der letzte Abschied müsse an der Grabstelle erfolgen. Auch die rituellen Waschungen von muslimischen Toten könnten zu Zeiten des Corona-Virus nicht ausgeführt werden.

Der Inhaber des Bestattungsunternehmens hält die Stellung im Büro. Auch im Sinne der Angehörigen führt Brüger dort keine Trauergespräche. In diesen Corona-Zeiten werden alle Informationen per Telefon oder E-Mail weitergegeben. Seine Mitarbeiter seien auf Abruf, um Verstorbene abzuholen.

Um die schwierige Zeit zu überbrücken, hätten die Mitarbeiter sich bereit erklärt, im Wechsel anteilig Urlaub zu nehmen. Ein Team steht für Sterbefälle parat. Denn abgesehen von Corona: „Gestorben wird trotzdem weiter“, sagt Brüger.

Niedersachsens Bestatterhandwerk will Systemrelevanz

In vielen Bundesländern ist das Bestatterhandwerk als systemrelevanter Beruf anerkannt. In Niedersachsen ist das allerdings nicht so. Der Bundesverband Deutscher Bestatter will die bundesweite Anerkennung erreichen. Dafür setzt sich auch Markus Gebauer als Sprecher des Landesverbands Niedersachsen ein.

Hintergrund dieses Anliegens ist, dass Bestattungsunternehmen dann leichter dafür sorgen können, dass sie ausreichend Desinfektionsmittel, Mund-Nasen-Schutz, Schutzbrillen und Einweg-Infektionshandschuhe bekommen. Gebauer sagt, es sei wichtig, dass ein Bestattungsunternehmen ausreichend Schutzkleidung für den Ernstfall vorrätig habe. Denn wenn ein Sterbefall eintrete, könne der Bestatter nicht warten: Wie ein Arzt sei er gezwungen, mit dem Verstorbenen umzugehen.

Sehr positiv sieht es Gebauer, dass viele Kommunen in Niedersachsen die Bestatter mit systemrelevanten Berufen gleichstellten und sie entsprechend unterstützten.

VON UTE LAWRENZ

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