Novelle wird vorbereitet

Bestattungsgesetz: Totenasche muss in Niedersachsen in der Urne bleiben

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Bestattung auf See: Eine Urne aus Muschelkalk wird vom Schiff in die Nordsee hinabgelassen.

Hannover/Göttingen. Das Verstreuen der Asche von Verstorbenen – ob auf dem Friedhof oder im eigenen Garten – bleibt in Niedersachsen auch künftig verboten.

Dafür aber dürfen Teile der sterblichen Überreste ins All geschossen oder zu Diamanten verarbeitet werden. Das sieht die vom rot-grünen Kabinett gebilligte Novelle des Bestattungsgesetzes von Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) vor.

Der Entwurf, der als Lehre aus der Mordserie des Delmenhorster Krankenpflegers Niels H. auch strengere Regeln für die Leichenschau aufstellt, geht nach der Sommerpause in den Landtag.

Das Bundesland Bremen hatte vor zweieinhalb Jahren das Ausbringen von Asche nicht nur auf Friedhöfen, sondern auch auf öffentlichen Flächen und privaten Grundstücken gestattet. Zu einem Boom der neuen Bestattungsform hat die Liberalisierung nicht geführt. Nach Auskunft der zuständigen Umweltbehörde gab es in Bremen 2015 rund 50 Fälle des Verstreuens, 2016 nur noch 34.

Auch Niedersachsen Sozialministerin wollte dem Bedürfnis der Bevölkerung nach neuen Trauerritualen nachkommen und zumindest das Ausbringen von Asche auf dafür eigens vorgesehenen Feldern der Friedhöfe zulassen. Doch die evangelischen und katholischen Kirchen lehnten den ursprünglichen Entwurf als „Angriff auf die Totenruhe“ vehement ab. Das Verstreuen widerspreche dem würdevollen Umgang mit den Verstorbenen. So könne beim Betreten der Streuwiesen Asche an den Schuhsohlen haften bleiben. Außerdem bestehe die Gefahr, dass Asche mit dem Grünschnitt kompostiert und entsorgt werde. Die Kommunalen Spitzenverbände warnten vor Risiken für Gesundheit und Umwelt, wenn mit der Asche auch verbrannter Sonderabfall wie künstliche Gelenke oder Herzschrittmacher unkontrolliert ins Freie gerieten. Ressortchefin Rundt machte einen Rückzieher.

„Um dort zu verglühen“

Bei einem weiteren von den Kirchen heftig kritisierten Punkt gab sie aber nicht klein bei. Die Hinterbliebenen können künftig laut des erweiterten Paragrafen zwölf „eine geringe Menge an Asche zur Verwendung in einer Ampulle, einem Schmuckstück oder dergleichen“ abzweigen. „Damit wird die sogenannte Weltraumbestattung ermöglicht, bei der etwa sechs Gramm Asche Verstorbener in einer Ampulle als Miniatururne in den Weltraum befördert wird, um dort durch die Reibungshitze zu verglühen“, heißt es wörtlich in der Begründung zum Gesetzentwurf.

Diese Form des Totenabschieds mittels amerikanischer oder russischer Raketen wird auch von einigen deutschen Bestattungsfirmen angeboten. Die zusätzlichen Kosten für den Flug ins All betragen einige tausend Euro. Der auf der Erde verbleibende Hauptteil der Asche muss allerdings ganz normal in einer Urne beigesetzt werden.

Von Peter Mlodoch

Verschärfte Regeln für die Seebestattung

Leicht verschärft werden in der Novelle die Vorgaben für Seebestattungen. Mussten bisher schon die dem Meer übergebenen Urnen wasserlöslich und biologisch abbaubar sowie mit Kies oder Sand gegen ein Aufschwimmen geschützt sein, gilt dies künftig auch für Kränze, Gestecke und persönliche Gegenstände, die die sterblichen Überreste ins Wasser begleiten.

Seebestattungen sind in Küstengewässern, also innerhalb der 12-Seemeilen-Zone, gestattet, wenn dadurch weder die Schifffahrt noch Wassersportler beeinträchtigt werden. Anders als Schleswig-Holstein gibt Niedersachsen keinen Mindestabstand zur Küste vor. Im hohen Norden müssen Begräbnisboote dagegen mindestens drei Seemeilen weit hinausfahren. Das aus Filmen bekannte Verstreuen von Asche auf hoher See ist und bleibt jedoch hier wie dort verboten.

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