Literaturherbst-Nachschlag

Bestseller-Autor Frank Schätzing in Göttingen: „Wir leben in einem Thriller“

Ein Mann sitzt im Scheinwerferlicht auf einer Bühne, im Hintergrund ein Aufsteller mit Göttinger Literaturherbst
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Sprach über seinen neuen Thriller: Autor Frank Schätzing erklärt, wie es zu seinem Buch „Was, wenn wir einfach die Welt retten“ kam.

Verlängerung beim Literaturherbst: Erfolgsautor Frank Schätzing sprach vor rund 450 Zuhörern über sein neues Buch „Was, wenn wir einfach die Welt retten“.

Göttingen – Der Göttinger Literaturherbst ging am Sonntag in die Verlängerung. Zwei Wochen nach dem eigentlichen Festivalende kam Erfolgsautor Frank Schätzing in die Universitätsstadt, um in der mit rund 450 Zuhörern gut gefüllten Sheddachhalle im Sartorius-Quartier über sein neues Buch „Was, wenn wir einfach die Welt retten“ zu reden.

Ursprünglich hatte die Veranstaltung bereits am 31. Oktober im Deutschen Theater stattfinden sollen, musste dann aber aus organisatorischen Gründen verlegt werden. Zunächst einmal wollte Moderator Thomas Böhm von Frank Schätzing wissen, wie es dazu kam, dass er die Arbeit an seinem nächsten Thriller mittendrin unterbrochen hat, um ein Buch über den Klimawandel zu schreiben.

„Die Dringlichkeit“, betonte der 64-Jährige. Durch Corona sei das Thema, dass alle Menschen angehe und mit dem sich jeder einzelne beschäftigen sollte, zu lange in den Hintergrund gerückt. „Wenn wir aber in den nächsten zehn Jahren nicht mit aller Entschlossenheit handeln, verlieren wir jede Kontrolle über die Erderwärmung“, warnte Schätzing. „Dann riskieren wir Kaskadeneffekte, die Teile unseres Planeten unbewohnbar machen könnten.“

Als mögliche Folgen einer Erderwärmung von mehr als zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter nannte der Autor unter anderem das Schmelzen von Gletschern, den Anstieg der Meeresspiegel, die Zunahme von Dürre- und Hitzeperioden, Verwüstungen durch Stürme und Überschwemmungen (wie im Sommer in der Eifel) und einen rapiden Anstieg von Klimaflüchtlingen.

„Dazu kommen die negativen Folgen für die biologische Vielfalt und das Ökosystem“, sagte er. Viele Tier- und Pflanzenarten seien bedroht oder bereits ausgestorben. „Ich könnte jetzt noch mehr gute Laune verbreiten“, meinte Schätzing mit einem Augenzwinkern in Richtung Publikum. „Aber das lasse ich jetzt lieber mal…“

Der Autor, dessen erfolgreichster Thriller „Der Schwarm“ seit Erscheinen 2004 eine Gesamtauflage von rund fünf Millionen Exemplaren erreicht hat und in 27 Sprachen übersetzt wurde, hat sein neues Buch in Form einer Thriller-Fernsehserie geschrieben.

Es erzählt in verschiedenen Episoden was passiert, wenn der Mensch nichts gegen den Klimawandel tut. „Wir leben in einem Thriller, Sie und ich, nicht als Leser und Autor, sondern als Akteure“, begründeter er die Wahl des Formats. „Der Thriller unserer Erde schreibt sich seit Menschengedenken fort bis zu dem Punkt, an dem niemand mehr da ist, um ihn fortzuschreiben“, so Schätzing. Und dieser Punkt könnte schon bald erreicht sein.

„Die gute Nachricht aber ist, dass wir die Herausforderung meistern können“, betonte der gebürtige Rheinländer. Dafür bedürfe es dem Dreiklang von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. „Die Gesellschaft entscheidet, wen sie wählt und was sie kauft“, sagte Schätzing. Die Politik müsse die Weichen für den Systemwechsel stellen und die Wirtschaft grüne Technologien und nachhaltige Wertschöpfungsketten entwickeln und einsetzen.

„Klimarettung kann nur eine Gemeinschaftsaufgabe sein, bei der jedes Individuum seinen Teil beitragen muss“, appellierte er auch an die Anwesenden, das eigene Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Dabei gehe es nicht um Verzicht, sondern um Reduzierung und Maßhalten.

„Wir müssen einfach nur lernen, vernünftiger zu leben“, so Schätzing, „denn wenn wir jetzt alle handeln, bekommen wir und vor allem unsere Kinder und Enkel etwas Wertvolles geschenkt: Eine Zukunft.“ (Per Schröter)

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