Göttingen: Betriebe bilden weniger aus

Unternehmen in Göttingen planen mit fast einem Viertel weniger Ausbildungsplätzen

Wenn es nach den Unternehmen geht, sollen die Berufsschulen digitaler werden. Dazu gehören auch mobile Endgeräte wie Tablets.
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Wenn es nach den Unternehmen geht, sollen die Berufsschulen digitaler werden. Dazu gehören auch mobile Endgeräte wie Tablets.

Die ausbildenden Unternehmen in Niedersachsen planen mit 23 Prozent weniger Ausbildungsplätzen als im Vorjahr, so die Ausbildungs-Umfrage 2020 der Industrie und Handelskammer Niedersachsen (IHK).

  • Knapp 2000 Unternehmen wurden befragt
  • Etwa drei Viertel der Unternehmen gaben an, dass die Ausbildung im Betrieb weitgehend normal laufe
  • Distanzlernen werde nach der Corona-Pandemie wesentlicher Bestandteil modernen Unterrichts bleiben

Göttingen – „Ich gehe davon aus, dass das auch in Südniedersachsen so ist“, sagt Maria Eiselt, IHK-Referentin in Göttingen.

IHK in Göttingen: Knapp 2000 Unternehmen wurden befragt

Als Gründe nennen die knapp 2000 befragten niedersächsischen Unternehmen die Corona-Pandemie, weniger Absolventen von Haupt- und Realschulen sowie das Fehlen des halben Abiturjahrgangs durch den Wechsel von G8 auf G9.

Hinzu kämen wirtschaftliche Veränderungen der Automobil- und deren Zuliefererindustrie, der Einbruch der Mineralölindustrie, die erfolglose Suche nach Auszubildenden in den Vorjahren und die hohe Neigung von Abiturienten zum Studieren.

IHK in Göttingen: Unternehmensorientierte Dienste und das Gastgewerbe hätten schwächere Übernahmequoten

Die Übernahmeperspektiven seien jedoch weiterhin gut. Wie schon bei der vorherigen Umfrage im Jahr 2016 gäben 60 Prozent der Unternehmen an, alle Auszubildenden übernehmen zu wollen. Damit setzten sie auf Fachkräftesicherung im eigenen Betrieb. Dies gelte besonders für die Banken- und Versicherungsbranche (80 Prozent) und die IT-Branche (70 Prozent).

Unternehmensorientierte Dienste (48 Prozent) und das Gastgewerbe (38 Prozent) hätten hingegen schwächere Übernahmequoten. Bei Letzterer sieht auch Eiselt für Südniedersachsen Probleme. „Besonders Gastronomiebetriebe sind noch unsicher und wollen abwarten, ob es einen zweiten Lockdown gibt“, sagt die IHK-Referentin.

IHK in Göttingen: Etwa drei Viertel der Unternehmen gaben an, dass die Ausbildung im Betrieb weitgehend normal laufe

In den meisten Unternehmen in Südniedersachsen habe sich der Alltag der Auszubildenden wieder entspannt. „Sie müssen nur noch in wenigen Betrieben von zu Hause arbeiten“, sagt Eiselt. Das bestätigt auch die Umfrage.

Maria Eiselt, IHK-Referentin in Göttingen.

Etwa drei Viertel der Unternehmen gaben an, dass die Ausbildung im Betrieb weitgehend normal laufe. Nur ein Drittel nutze teilweise oder vollständig mobiles Arbeiten oder Homeoffice. Einige Betriebe verzichteten jedoch auf geplante Abteilungswechsel, da eine Einarbeitung unter Corona-Regeln nicht möglich sei.

IHK in Göttingen: Distanzlernen werde nach der Corona-Pandemie wesentlicher Bestandteil modernen Unterrichts bleiben

Niedersächsische Unternehmen fordern eine stärkere Digitalisierung der Berufsschulen. Das geht aus der Ausbildungsumfrage der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) hervor. „Wir müssen unsere Berufsschulen wappnen“, sagt Volker Linde, Sprecher Berufliche Bildung der IHKN laut Mitteilung.

Distanzlernen werde auch nach der Corona-Pandemie wesentlicher Bestandteil modernen Unterrichts bleiben. „Diese Lernform kann dazu beitragen, die Berufsschulen in den Regionen zu stärken und Ausbildungsgänge attraktiver zu machen“, sagt Linde.

IHK in Göttingen: Die Digitalisierung funktioniere bei Schulen in Göttingen unterschiedlich gut

Laut Umfrage erwarteten die Unternehmen, dass in den Schulen Lernplattformen (71 Prozent) und Blended-Learning-Konzepte – die Präsenzunterricht mit digitalem Unterricht verbinden –(63 Prozent) etabliert werden. Darüber hinaus wünschten sie sich einen stärkeren E-Mail-Kontakt zwischen Lehrern und Ausbildern (50 Prozent).

Die Digitalisierung funktioniere in Göttingen unterschiedlich. „Bei manchen Berufsschulen klappt es gut, andere haben Probleme“, sagt Maria Eiselt, Referentin der Industrie- und Handelskammer in Göttingen. Die Probleme seien fehlende Plattformen und Endgeräte. „Es ist aber wichtig, weil das auch immer mehr zum Standard in den Betrieben und im Leben wird“, sagt sie.

IHK in Göttingen: Bei der Personalsuche habe fast jedes fünfte Unternehmen auf ein Kennenlernen durch Videointerviews oder Telefonate gesetzt

Das zeigt sich zum Beispiel beim mobilen Arbeiten. Über 30 Prozent der antwortenden Betriebe setzten darauf. Bei der Personalsuche habe fast jedes fünfte Unternehmen auf ein Kennenlernen durch Videointerviews oder Telefonate gesetzt. Die aktuelle Situation durch die Corona-Pandemie habe den Ausbildungsalltag hingegen bei den meisten Auszubildenden nicht verändert.

Bei 77 Prozent laufe die Ausbildung normal weiter. 33 Prozent befänden sich gelegentlich im Homeoffice oder arbeiteten mobil. Drei Prozent seien von Kurzarbeit betroffen, 40 Prozent davon im Gastgewerbe. Zwei Prozent setzten ihre Ausbildung in Teilzeit fort. Ein Prozent der Auszubildenden sei derzeit in einem anderen Betrieb tätig. Gekündigt worden seien nur 0,3 Prozent. (Fabian Becker)

Es gibt noch Ausbildungsplätze

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres gibt es unbesetzte Ausbildungsplätze in Niedersachsen. Wie die Industrie- und Handelskammer (IHK) mitteilt, hätten sich durch Corona in vielen Betrieben Bewerbungsprozesse verzögert und seien ins Stocken geraten. Es gebe mehr freie Plätze als unvermittelte Bewerber. Maria Eiselt, IHK-Referentin in Göttingen, sagt: „Es gibt viele offene Stellen.“ Für einen Aktionstag zum Schuljahresende hätten 60 Betriebe 100 Stellen gemeldet. 

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