Die wichtigsten Fragen und Antworten

Nach Stellenabbau: Betriebsrat sieht Göttinger Zeiss-Werk in Gefahr

Sorge um die Zukunft des Zeiss-Standorts Göttingen bei Betriebsrat und Gewerkschaft: (von links) Reinhard Dickehuth, Markus Neumann, Torsten Dreyer, Axel Freerk und Martina Ditzell. Foto: Schlegel

Göttingen. Mehrere hundert Beschäftigte sollen bei der Zeiss Mikroscopie in Göttingen gehen. Der Betriebsrat sieht den gesamten Standort in Gefahr – dazu Fragen und Antworten.

Wie viele Arbeitsplätze sind in Gefahr?

Derzeit hat Zeiss am Standort Göttingen etwa 650 Beschäftigte. Am Ende des Prozesses von etwa zwei Jahren sollen 240 Mitarbeiter übrig bleiben. Etwa 100 Mitarbeiter verlassen das Unternehmen freiwillig über Abfindungen und Vorruhestandsregelungen. Weitere 100 Beschäftigte arbeiten an anderen Standorten, wurden bislang aber Göttingen zugerechnet. Aktuell stehen also mehr als 200 Stellen auf dem Spiel.

Was bedeuten die Pläne ganz konkret?

Derzeit werden in Göttingen komplette Mikroskop-Systeme gebaut. Wenn es nach der Geschäftsleitung geht, soll künftig nur noch eine Komponenten-Fertigung übrig bleiben. Die verbleibenden Mitarbeiter sollen dazu in eine andere Firma des Konzerns überführt werden.

Welche Bereiche sollen in Göttingen wegfallen?

In der Uni-Stadt wird es keine Entwicklungabteilung, derzeit 80 Mitarbeiter, geben. Zusätzlich fallen der Vertrieb, das Controlling, der Service und die Endmontage weg.

Wenn diese Pläne umgesetzt werden: Was bedeutet das für die Zukunft des Standorts Göttingen?

Der Betriebsrat sorgt sich um den dauerhaften Bestand des Standorts Göttingen. Die Mitglieder befürchten, dass auch die letzten Arbeiten an andere Standorte, zum Beispiel nach China, verlagert werden und Göttingen schließlich aufgegeben wird.

Was sind die Stärken des Zeiss-Standorts Göttingen?

Aus Sicht des Betriebsrates arbeiten Entwicklung und Mikroskop-Produktion Hand in Hand. Dadurch können beispielsweise Kundenwünsche gut umgesetzt werden.

Wann sind die Pläne bekannt geworden?

Ende vergangener Woche wurden Mitarbeiter und Betriebsrat über die Pläne von der Geschäftsleitung informiert. „Wir haben mit schmerzlichen Einschnitten gerechnet, aber nicht mit einem solchen Kahlschlag“, sagt Betriebsratsvorsitzender Torsten Dreyer. Kündigungen gibt es bislang noch nicht.

Wie ist die Stimmung bei den Mitarbeitern von Zeiss?

Die Stimmung ist sehr angespannt. Sie sind laut Gewerkschaft IG Metall enttäuscht und frustriert. „Am liebsten würde sie sofort die Brocken hinschmeißen“, sagt Martina Ditzell von der IG Metall Südniedersachsen. Derzeit sind aber Arbeitsniederlegungen nicht vorgesehen. Stattdessen soll es Verhandlungen mit der Geschäftsleitung geben.

Welche Kritik hat der Betriebsrat an der Geschäftsleitung?

Aus Ansicht des Betriebsrates wurde letztmals vor mehr als zehn Jahren in größerem Umfang im Göttinger Werk investiert. „Massive Managementfehler sollen nun auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen werden“, so Betriebsratschef Torsten Dreyer.

Was wollen Betriebsrat und Mitarbeiter von Zeiss jetzt unternehmen?

Neben den Gesprächen und Verhandlungen mit der Geschäftsleitung sind ganz konkrete Maßnahmen geplant. So werden die Zeiss-Mitarbeiter am Freitag, 2. Oktober, in der Zeit von 15 bis 18 Uhr am Göttinger Gänseliesel auf ihre Situation aufmerksam machen und bei dieser Gelegenheit Unterschriften sammeln. Danach soll es jeweils samstags weitere Aktionen dieser Art geben.

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