Betrug mit getürkten Unfällen? Kickboxer in Göttingen auf Anklagebank

Das Landgericht in Göttingen: Hier begann am Mittwoch der Prozess gegen den früheren „Big Brother“-Kandidaten. Foto: dpa

Göttingen. Ein ehemaliger Teilnehmer der Fernsehserie „Big-Brother“, der derzeit wegen der Erpressung eines Lotto-Millionärs im Gefängnis sitzt, muss sich seit Mittwoch erneut vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Der mehrfach vorbestrafte 33-jährige Kickboxer soll eine Serie von Verkehrsunfällen fingiert haben, um anschließend Geld von den Versicherungen zu kassieren. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in insgesamt zehn Anklagen gewerbsmäßigen Betrug, versuchten Betrug, gefährliche Körperverletzung, Vortäuschen einer Straftat und Anstiftung zum gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor.

Ein 32-jähriger Mitangeklagter, der auch schon an der Erpressung beteiligt gewesen war, muss sich wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, gefährlicher Körperverletzung und Beihilfe zum Betrug verantworten.

Der Kickboxer hat bereits häufiger auf der Anklagebank Platz genommen. Der vorige Prozess um die Erpressung des Lottogewinners hatte sich 16 Monate lang hingezogen. Der Angeklagte hatte damals diverse Zeugen aufgeboten, die ihm ein Alibi ausstellen sollten. Das Landgericht Göttingen hielt die vermeintlich entlastenden Aussagen jedoch für wenig verlässlich.

Die Richter sahen es vielmehr als erwiesen an, dass der frühere „Big Brother“-Kandidat im Herbst 2011 einem Mann aus dem Eichsfeld, der kurz zuvor 1,7 Millionen Euro im Lotto gewonnen hatte, mit der Androhung von Gewalt 425 000 Euro abgepresst hatte. Der 33-Jährige erhielt dafür eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und neun Monaten, der Mitangeklagte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Beide Angeklagte legten Revision gegen das Urteil ein, die der Bundesgerichtshof jedoch als unbegründet verwarf.

Die jetzt angeklagten Taten sollen sich vor der räuberischen Erpressung abgespielt haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Kickboxer mit den getürkten Unfällen eine dauerhafte Einnahmequelle verschaffen wollte.

Insgesamt soll er rund 40 000 Euro zu Unrecht von den Versicherungen kassiert haben. Bei einem inszenierten Unfall, an dem der Mitangeklagte beteiligt gewesen sein soll, erlitt die damalige Freundin des 33-Jährigen mehrere Verletzungen. Neben den Betrugsdelikten wirft die Anklage dem Kickboxer auch eine Gewalttat vor. Er soll gemeinsam mit einem Bruder vor einem Hotel in Göttingen einen Mann mit einem Holzknüppel zusammengeschlagen und anschließend auf das am Boden liegende Opfer eingetreten haben.

Verfahrensverkürzung

Zu Beginn des Prozesses verständigten sich die Verfahrensbeteiligten auf eine verfahrensverkürzende Absprache. Die Kammer stellte dem Hauptangeklagten im Fall eines Geständnisses einen Strafrahmen in Aussicht, durch den sich seine Haftstrafe um vier bis zehn Monate verlängern würde. Der Mitangeklagte könnte auf eine Bewährungsstrafe hoffen. (pid)

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