1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Betten-Heller verlässt nach fast 100 Jahren die Göttinger City

Erstellt:

Von: Thomas Kopietz

Kommentare

Ausverkauf: Susanne Heller verlässt mit ihrem Fachgeschäft Betten-Heller die Innenstadt. In ihrem Haus am Göttinger Kornmarkt wird „Espresso-House“ einziehen. Betten-Heller gibt es weiter an der Geismar Landstraße.
Ausverkauf: Susanne Heller verlässt mit ihrem Fachgeschäft Betten-Heller die Innenstadt. In ihrem Haus am Göttinger Kornmarkt wird „Espresso-House“ einziehen. Betten-Heller gibt es weiter an der Geismar Landstraße. © Thomas Kopietz

Nach fast 100 Jahren verlässt Betten-Heller die Göttinger City. Im bestehenden Geschäft an der Geismar Landstraße geht es weiter.

Göttingen – 97 Jahre gehört das Fachgeschäft Betten-Heller zum Bild der Göttinger Innenstadt. Knapp vor dem 100-jährigen Standortbestehen wird es zwar dort, aber nicht gänzlich verschwinden. Denn Inhaberin und Geschäftsführerin Susanne Heller hat sich entschieden, im bestehenden Geschäft an der innenstadtnahen Geismar Landstraße 16 fortzuführen – wenn auch mit einem konzentrierteren Schwerpunkt und Angebot.

Im zweigeschossigen Ladenlokal am Kornmarkt wird ein Lokal einziehen – das Kaffeehaus einer skandinavischen Kette.

Schöne Nachnutzung für das Gebäude

Susanne Heller ist froh, dass am Kornmarkt eine so „schöne“ Nachnutzung für das eigene Haus, gefunden wurde. Zuvor hat bereits der Abverkauf der Waren zunächst an Stammkunden begonnen, der am Donnerstag, 12. Januar, für die Allgemeinheit mit Rabatten lockt.

Die Schließung des Geschäfts am Kornmarkt geschieht nicht aus wirtschaftlichen Zwängen heraus. Es habe immer schwarze Zahlen geschrieben, betont Heller. Vielmehr hätten ihre Erfahrungen und die Entwicklungen der Branche gezeigt, dass „die Zukunft des Bettenfachhandels in der fachkundigen Beratung von Bettsystemen liegt“. Damit hebe man sich deutlich vom reinen Verkauf von Materialien wie Decken, Bezügen und Zubehör ab. „All das kann man heute überall, auch in Discountern kaufen“, sagt Heller.

Standort an Geismar Landstraße wird umgebaut

Verzichten müssen Kunden darauf am Standort Geismar Landstraße, er übrigens umgebaut wird, aber nicht, das Angebot wird verkleinert, aber bleibt so unter anderem mit Bettwäsche und Heimdecken vorhanden. „Wir sind Spezialisten für gesunden Schlaf und rückengesundes Liegen, für ergonomische Bettensysteme, das wissen unsere Kunden, auch, dass wir individuell auf Wünsche und Ansprüche eingehen“, beschreibt Susanne Heller. „Damit heben wir uns von Mitbewerbern auf der Grünen Wiese und im Internet-Handel deutlich ab.“ Auf dieses Alleinstellungsmerkmal setzt man nun noch stärker.

Für ihr Unternehmen sieht Susanne Heller dadurch zukünftig eine Möglichkeit der Bestandssicherung und Fortentwicklung. „Ich habe mir das intensiv überlegt.“ Die Corona-Pandemie und besonders der erste Lockdown gaben Heller dazu die Gelegenheit. Apropos Pandemie: Durch diese sei man gut gekommen, sagt Heller: „Weil wir Alternativen wie Schaufensterverkauf und Lieferung angeboten habe, aber auch, weil uns die Kunden treu geblieben sind.“

Susanne Heller: Richtiger Schritt

Nun ist Heller überzeugt, dass die Konzentration auf die Geismar Landstraße 16 der richtige Schritt ist. Auch, weil die Bedingungen gut sind: „Es gibt große, ebenerdige Ladenflächen und wir sind gut erreichbar, mit Parkplätzen direkt vor der Tür.“

Derweil gilt für den Traditionsladen am Kornmarkt: „Alles muss raus. Totalausverkauf“, wie riesig auf roten Schildern in den Schaufenstern zu lesen ist. Und das, sowie die Chance zur Schnäppchenjagd, lockte bereits vor dem Abverkauf stetig Neugierige an. Zunächst kommen, wie gesagt, die Stammkunden zum Zuge. Danach werden vom Bett über Matratzen, Decken und Kissen, Bettwäsche und Frottierwaren alles deutlich reduziert zu bekommen sein.

Innenstadt hat „ganz großes Potenzial“

Von den fünf Mitarbeiterinnen werden drei mit an die Geismar Landstraße gehen, von zwei musste sich Heller trennen, was „eine schwere Entscheidung war“, wie Susanne Heller sagt, die dann auch ihre geliebte Innenstadt verlässt, für die sich s auch als Pro-City-Vorsitzende seit vielen Jahren engagiert und vehement einsetzt, immer wieder Gespräche, auch mit politischen Verantwortlichen geführt hat. Das wird sie weiter tun, denn die Göttinger Innenstadt hat für Heller ein „ganz großes Potenzial“.

Dies würde leider nicht von allen, auch politischen Entscheidungsträgern so gesehen. So würde von Politikern oft Unterstützung zugesichert, dann aber passiere danach zu wenig. „Dann hat Ideologie Vorrang.“ Damit die City weiter lebt und beliebt ist, gibt es für Susanne Heller nur eine Maßgabe: „Die Erreichbarkeit der Innenstadt muss sehr gut und gesichert sein.“ Dafür müsse es zuerst Konzepte und Angebote geben. Erst dann könne man über den Abbau von Parkplätzen reden.

Umbau im Sommer

Das künftige „Espresso--House“ jedenfalls wird nach dem Umbau im Sommer zu einer attraktiven Innenstadt beitragen, ist Susanne Heller überzeugt. In Schweden – Stammsitz ist Stockholm –, Norwegen, Dänemark und Finnland hat sich das „Espresso-House“-Konzept durchgesetzt. In Göttingen ebenfalls, wo es im Bahnhof ein beliebter Treff ist. (Thomas Kopietz)

Auch interessant

Kommentare