Göttingen

Baby wird von Auto erfasst und stirbt: Urteil für Fahrer steht fest

Unfallort am Ortsrand von Kerstlingerode bei Göttingen
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Der Unfallort: Er ist ganz dicht hinter dem Ortsausgang von Kerstlingerode in Richtung Bischhausen zu finden.

Weil er in betrunkenem Zustand ein sechs Wochen altes Baby und einen Hund totgefahren hat, hat sich jetzt ein 27 Jahre alter Autofahrer vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen.

  • Ein Baby starb im vergangenen Jahr bei einem tragischen Unfall bei Göttingen.
  • Der Fahrer war bei dem Unfall betrunken und abgelenkt.
  • Das Amtsgericht Göttingen verurteilte den Fahrer zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Göttingen - Das Gericht verurteilte den gelernten Garten- und Landschaftsbauer wegen fahrlässiger Tötung und Straßenverkehrsgefährdung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Als Bewährungsauflage muss der Angeklagte in den nächsten drei Jahren monatlich 200 Euro an die Eltern des getöteten Säuglings zahlen und drei Gesprächstermine bei einer Alkohol- und Suchtberatungsstelle wahrnehmen. Außerdem ordnete das Gericht die Einziehung seines Führerscheins an.

Prozess in Göttingen: Alkoholtest ergab mindestens 1,2 Promille

Der verhängnisvolle Unfall ereignete sich vor fast genau einem Jahr auf der Landesstraße zwischen Kerstlingerode und Bischhausen. Der Angeklagte hatte sich an jenem Abend, obwohl er bereits zehn bis zwölf Flaschen Bier getrunken hatte, ans Steuer eines Pkw gesetzt, um ins Nachbardorf zu fahren. Ein späterer Alkoholtest ergab, dass er mindestens 1,2 Promille intus hatte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er nicht nur betrunken, sondern auch abgelenkt gewesen war. Statt auf die Straße hatte er auf sein Smartphone geblickt, mit dem er Musik abspielte. Dadurch habe er nicht oder zu spät gesehen, dass ihm am äußersten Fahrbahnrand eine Nachbarin mit einem Kinderwagen und zwei angeleinten Hunden entgegenkam. Kurz hinter dem Ortsausgang kollidierte der Pkw frontal mit dem Kinderwagen. Das sechs Wochen alte Baby erlitt ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und verstarb am folgenden Tag im Göttinger Uni-Klinikum.

Prozess in Göttingen: Mutter machte „Hunderunde“

Die 36-jährige Mutter des Säuglings hatte an jenem Abend wie so oft ihre übliche „Hunde-Runde“ gemacht. Als sie dem kleinen Mädchen im Kinderwagen gerade die „Loreley“ vorsang, um es zum Schlafen zu bringen, sei das Auto ihres Nachbarn frontal auf sie zugekommen. „Ich dachte, der macht sich einen Spaß und macht im letzten Moment einen Schlenker.“ Sie habe noch gesehen, dass der Fahrer nach unten blickte, dann habe es einen Knall gegeben.

Als sie wieder zu sich kam, hörte sie die Wehlaute der verletzten Hunde. Dann habe sie den Kinderwagen auf der Böschung liegen sehen. „Ich habe gedacht, sie ist tot.“ Doch als sie das Kind hochnahm, habe es einen ganz tiefen Atemzug gemacht.

Prozess in Göttingen: Baby starb in Klinik

Das Baby kam ins Göttinger Uni-Klinikum. Anfangs machten die Ärzte der Mutter noch Hoffnung, doch am nächsten Tag wurden die Prognosen immer schlechter. Schließlich sei ihr klar geworden: „Wir müssen sie frei lassen.“ Die 37-Jährige ist Krankenschwester, sie hat schon viele Menschen sterben sehen. Jetzt musste sie ihr Baby in ihren Armen sterben lassen: „Das starke Mädchen mit dem Löwenherzen hat noch eine Stunde lang gekämpft.“

Auch der Vater des Kindes arbeitet in der Krankenpflege. Beide Eltern sind durch das Geschehene psychisch so beeinträchtigt, dass sie ihren Beruf noch nicht wieder ausüben können. (Von Heidi Niemann)

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