Nach Einbruch in Göttingen

Bewährungsstrafe für Juwelier-Einbrecher: Zwei Jahre Jugendstrafe für 21-jährigen Einbecker

Ein Einbrecher leuchtet mit einer Taschenlampe durch eine zerbrochene Glasscheibe.
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Nach Einbruch in Göttingen: Zwei Jahre Jugendstrafe für 21-jährigen Einbecker (Symbolbild)

Nach einem Einbruch in ein Göttinger Juwelier-Geschäft stand ein 21-jähriger Einbecker vor Gericht. Nun fiel das Urteil.

EINBECK/GÖTTINGEN – Ein 21-jähriger Mann aus Dassel (Landkreis Northeim) ist am Montag vor dem Amtsgericht Einbeck wegen eines Einbruchs in die Auslage eines Juweliergeschäftes in der Göttinger Fußgängerzone sowie wegen Schwarzfahrens mit der Bahn und aggressiven Verhaltens gegenüber den Kontrolleuren verurteilt worden.

Das Gericht befand den Heranwachsenden des schweren Raubes, des Erschleichens von Leistungen sowie der Beleidigung und Körperverletzung für schuldig: Er erhielt eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Urteil nach Juwelier-Einbruch in Göttingen: Schmuck und Uhren für 216 000 Euro

Der 21-Jährige hatte im Prozess eingeräumt, Ende März 2020 gegen 21.40 Uhr mit einem Bauzaun-Betonfuß die Schaufensterscheibe eines Juweliergeschäfts in der Weender Straße eingeworfen zu haben. Dann hatte er hochwertige Schmuckstücke und Uhren im Wert von 216 000 Euro zusammengerafft und in einem Müllsack verstaut.

Es sei eine Spontantat gewesen, sagte der Angeklagte. Er sei an dem Laden vorbeigekommen und habe gedacht: „Das kannste mal mitnehmen.“ Mehrere Passanten bemerkten den Einbruch und liefen zum Tatort. Es gelang ihnen schließlich, den sich wehrenden 21-Jährigen zu überwältigen und zu fixieren, bis die Polizei eintraf.

Urteil nach Juwelier-Einbruch in Göttingen: Zwei Wochen Jugendarrest und Freispruch

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Vorfall im Zug zwei Wochen Jugendarrest beantragt, im Fall des Einbruchs auf Freispruch plädiert, da die Steuerungsfähigkeit des Angeklagten zur Tatzeit erheblich vermindert gewesen sei.

Da aufgrund seiner Erkrankung weitere erhebliche Straftaten zu erwarten seien, sollte der 21-Jährige in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. Laut Gutachten leide der Angeklagte seit Jahren an einer chronischen schizophrenen Psychose und sei mehrfach in psychiatrischen Kliniken in Behandlung gewesen.

Auch die Polizei hielt sein Verhalten damals für auffällig, sodass der 21-Jährige nach seiner vorläufigen Festnahme in eine psychiatrische Fachklinik kam.

Urteil nach Juwelier-Einbruch in Göttingen: „In der Lage, Verhalten zu kontrollieren“

Der Verteidiger hatte keinen Zweifel, dass sein Mandant psychisch krank ist. Es sei aber nicht zweifelsfrei festzustellen, dass dieser die Straftaten aufgrund seiner Erkrankung begangen habe. Bei dem Einbruch in das Juweliergeschäft sei er gezielt vorgegangen, dies spreche gegen eine verminderte Steuerungsfähigkeit. So sei auch die Gefährlichkeitsprognose nicht begründet.

Ebenso wie der Verteidiger sei auch das Gericht „nicht ganz davon überzeugt, dass der Sachverständige die Situation des Angeklagten richtig bewertet hat“, sagte Amtsgerichtsdirektor Thomas Döhrel. Der 21-Jährige habe bei der Tat in Göttingen alles organisiert, was er brauchte. „Wer so überlegt vorgeht, ist in der Lage, sein Verhalten zu kontrollieren.“

Urteil nach Juwelier-Einbruch in Göttingen: Psychotherapie als Bewährungsauflage

Im Übrigen halte man eine Unterbringung nicht für zielführend, stattdessen nehme das Gericht den Angeklagten in die Verantwortung. Als Bewährungsauflage soll der 21-Jährige, der in einer geschlossenen Einrichtung betreut wird, an einer stationären Psychotherapie teilnehmen, die er nicht eigenmächtig beenden dürfe. Sollte er gegen die Auflagen verstoßen, „geht er in den Bau.“ (Heidi Niemann)

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