Gericht hält Attest von Medizinerin für unrichtiges Gesundheitszeugnis

Bewährungsstrafe für Maskenverweigerer

 Von einer Kammer wurde ein 40-Jähriger verurteilt. In dem Gerichtsgebäude ist eine Justitia-Statue zu sehen. Archivfoto: Peter Steffen/dpa
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Amtsgericht Hannover: Von einer Kammer wurde ein 40-Jähriger verurteilt. In dem Gerichtsgebäude ist eine Justitia-Statue zu sehen. Arcgivfoto: Peter Steffen/dpa

Das Amtsgericht Hannover hat einen 40-Jährigen, der in der Corona-Leugner-Bewegung aktiv ist, zu zwei Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt

Duderstadt/Hannover – Ein 40-jähriger Mann aus Thüringen hat jetzt wegen eines vor der Duderstädter Ärztin Carola Javid-Kistel ausgestellten Attests zur Befreiung von der Maskenpflicht Ärger mit der Justiz bekommen. Das Amtsgericht Hannover verurteilte den 40-Jährigen zu einer zweimonatigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Das Gericht habe den 40-Jährigen des Gebrauchs unrichtiger Gesundheitszeugnisse für schuldig befunden, teilte ein Sprecher mit. Aus Bewährungsauflage müsse er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Der 40-Jährige hatte im Februar bei einer Demonstration in Hannover entgegen der behördlichen Auflagen keine Mund-Nasen-Bedeckung getragen. Als ihn Polizisten daraufhin ansprachen und seine Personalien aufnahmen, legte er ein Attest der Duderstädter Ärztin vor. Die 55-jährige Medizinerin engagiert sich seit langem in der Impfgegner-Szene und tritt immer wieder bei Demonstrationen als Rednerin auf, wo sie gegen Schutzimpfungen, die Maskenpflicht und andere Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie agitiert. Unter anderem bezeichnete sie Corona-Schutzimpfungen als „Giftspritzen“ und „größten Völkermord aller Zeiten“.

Auch Javid-Kistel selbst ist bereits ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat sie wegen des Ausstellens unrichtiger Gesundheitszeugnisse angeklagt. Sie wirft der Betreiberin einer Privatarztpraxis für Homöopathie unter anderem vor, zwischen April 2020 und März 2021 insgesamt 16 jeweils gleich lautende Atteste zur Vorlage bei Polizei, Behörden oder Gesundheitsamt ausgestellt zu haben.

Darin werde den jeweiligen Personen bescheinigt, dass diese aufgrund gesundheitlicher Probleme aus ärztlicher Sicht vom Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung befreit seien. Der Anklage zufolge soll die Ärztin gewusst haben, dass sämtliche Personen keine gesundheitlichen Einschränkungen hatten, die eine entsprechende Befreiung von der Maskenpflicht rechtfertigen könnten.

Das Gericht hatte zu der Verhandlung auch die Duderstädter Ärztin als Zeugin geladen. Da der Angeklagte sie nicht von der Schweigepflicht entbunden habe, habe es von ihr auch keine Zeugenaussage gegeben, teilte ein Sprecher mit. Ebenso wie der 40-Jährige sei auch die Medizinerin ohne Mund-Nasen-Bedeckung erschienen.

Der Duderstädter Homöopathin drohen nach eigenen Angaben wegen ihrer Aktivitäten gegen Schutzimpfungen und sonstige Anti-Corona-Maßnahmen auch berufsrechtliche Konsequenzen. Wie sie kürzlich berichtete, wurde sie vom Niedersächsischen Zweckverband zur Approbationserteilung zur Anhörung geladen. (Heidi Niemann)

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