37-Jähriger hatte Studentin nachgestellt

Amtsgericht Göttingen verhängt Bewährungsstrafe für massives Stalking

Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen
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Der Eingang zum Amtsgericht Göttingen: Hier wurde der 37-Jährige verurteilt. (Archivbild)

Weil er eine 29-jährige Studentin eineinhalb Jahre lang massiv gestalkt hat, hat das Amtsgericht Göttingen einen 37-jährigen Mann aus Göttingen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt.

Göttingen – Das Gericht setzte die Strafe unter diversen Auflagen zur Bewährung aus. Der Angeklagte habe sich in zahlreichen Fällen der Nachstellung und des Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz schuldig gemacht, befand das Gericht. Der 37-Jährige, der ursprünglich aus Halle stammt und dort auch mehrere Jahre im Stadtrat gesessen hatte, muss der Studentin ein Schmerzensgeld von 3500 Euro plus Zinsen zahlen sowie für alle weiteren Schäden aufkommen, die durch die Nachstellungen verursacht sind.

Die 29-Jährige ist durch das fortgesetzte Stalking psychisch so schwer beeinträchtigt, dass sie sich in Therapie befindet und bislang nicht wie geplant ihr zweites Staatsexamen machen konnte.

Der Angeklagte hatte zu Beginn des Prozesses im Oktober alle Vorwürfe vehement abgestritten und sich als Opfer einer Verleumdungskampagne dargestellt. Die 29-Jährige sei „durchtrieben“ und veranstalte in „machiavellistischer“ Manier eine Hetzjagd auf ihn. Erst ganz zum Schluss kamen neue Töne.

Offenbar hatte ein kurzzeitiger Aufenthalt im Gefängnis Wirkung gezeigt: Weil der 37-Jährige am vorherigen Prozesstag unentschuldigt der Verhandlung ferngeblieben war, hatte das Amtsgericht ihn am vergangenen Wochenende in Haft nehmen lassen. Während seines fünftägigen Aufenthalts in der JVA Rosdorf schrieb er der Richterin einen Brief, in dem er einräumte, die Frau gestalkt zu haben.

Für die Richterin stand auch so „ohne jeglichen Zweifel“ fest, dass der 37-Jährige sämtliche angeklagten Taten im Zeitraum zwischen Dezember 2018 und Mai 2020 begangen habe. Alle Zeugen hätten die Vorwürfe bestätigt, alle Zeugen seien glaubhaft gewesen. Nicht nur die Dauer der Nachstellungen sei gravierend, sondern auch die „unfassbare Intensität“. Der Angeklagte habe „auf allen Kanälen“ der 29-Jährigen nachgestellt und alle Möglichkeiten genutzt, um ihr aufzulauern. Er habe an ihrer Tür geklingelt und durch die Gegensprechanlage geschrien, habe sich vor ihrem Fenster aufgehalten und sie in der Stadt und mit dem Auto verfolgt. Er habe sich auf das Garagendach eines Nachbarhauses gelegt und sei eine Feuerleiter hochgeklettert. Auch ihre Eltern und ihr Lebensgefährte seien von den massiven Nachstellungen betroffen gewesen. Der Angeklagte habe sich auch von diversen richterlichen Beschlüssen nicht beeindrucken lassen und einfach immer weitergemacht.

Die Richterin hatte den Eindruck, dass der 37-Jährige eine Entwicklung durchgemacht habe. Sie setzte die Dauer der Bewährungszeit auf drei Jahre fest. Dem 37-Jährigen ist untersagt, sich der 29-Jährigen, ihrer Wohnung und der Wohnung ihrer Eltern auf weniger als 50 Meter zu nähern. Er darf sich nicht mit ihr in Verbindung setzen und keine Treffen herbeiführen. Außerdem bekam er die Weisung, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen und regelmäßig die Teilnahme nachzuweisen. Da alle Beteiligten auf Rechtsmittel verzichteten, ist das Urteil rechtskräftig. (Heidi Niemann)

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