Bewährungsstrafen für Geldboten der „Nigeria Connection“

Göttingen. Zwei Mitglieder der so genannten „Nigeria Connection“ haben sich am Dienstag vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten müssen.

Das Gericht verurteilte die zwei Angeklagten wegen insgesamt sieben Betrugsfällen zu Freiheitsstrafen von sieben und 19 Monaten, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Die Staatsanwaltschaft hatte die 40 und 44 Jahre alten Männer angeklagt, dem bandenmäßig organisierten Betrüger-Netzwerk geholfen zu haben, deutschen Internet-Nutzern teilweise hohe Geldbeträge abzuluchsen. Als Bewährungsauflage müssen die beiden Männer, die insgesamt rund 15.000 Euro kassiert hatten, 900 beziehungsweise 1800 Euro zahlen.

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Die Ermittler waren den Angeklagten auf die Spur gekommen, nachdem sich eine Frau aus Göttingen an die Polizei gewandt hatte. Die damals 59-Jährige war im Frühjahr 2012 über ein Internet-Forum von einem Mann kontaktiert worden, der sich als kanadischer General ausgab. Die Frau verliebte sich in die Internet-Bekanntschaft. Bei ihren regelmäßigen Skype-Telefonaten erzählte ihr der Mann von einem humanitären Projekt in Afghanistan, für das ihm der US-Geheimdienst drei Millionen Dollar zur Verfügung gestellt habe. Da die Scheine mit Farbe markiert seien, könne er das Geld jedoch nicht in Umlauf bringen. Nur mit teuren Spezialchemikalien lasse sich das Geld säubern.

Ohne ihren vermeintlichen Verehrer je getroffen zu haben, transferierte die Göttingerin mehrfach hohe Summen auf Auslandskonten und reiste nach Berlin und Dublin, wo sie „Adjutanten“ des angeblichen Generals weitere Geldbeträge übergab. Nachdem sie über 230.000 Euro gezahlt hatte, wurde sie misstrauisch. Bei einer weiteren Geldübergabe am Frankfurter Flughafen nahm die Polizei den 40-jährigen Angeklagten fest. Dieser hatte als Bote fungieren sollen. Den Auftrag dazu hatte ihm der 44-jährige Mitangeklagte erteilt, der wiederum von Hintermännern in Ghana instruiert worden war.

Im Zuge der Ermittlungen stießen die Fahnder auf vier weitere Geschädigte.

Zwei von ihnen waren ebenfalls auf die „Love Scam“ genannte Betrugsmasche hereingefallen. Einem ostfriesischen Geschäftsmann hatten die Internet-Betrüger vorgegaukelt, sich mit zwei Millionen US-Dollar an dessen Start-Up-Unternehmen beteiligen zu wollen. Damit der Geldtransfer stattfinden könne, müsse er eine Gebühr zahlen. Einer anderen Frau wurden fünf Millionen Dollar in Aussicht gestellt, wenn sie zuvor die hierfür fälligen Auslagen erstatte.

Nach Ansicht des Gerichts fungierten die beiden Angeklagten innerhalb des hoch professionell organisierten Netzwerks als „Läufer“. Die Drahtzieher und Abkassierer säßen irgendwo in Afrika. Das Betrugssystem baue jedoch darauf auf, „dass es diese Läufer gibt, die diese Taten zur Vollendung bringen“, sagte Richter Ehsan Kangarani. Daher seien die Angeklagten als Mittäter einzustufen. Die als Zeugen vernommenen Opfer zeigten sich allesamt fassungslos, dass sie auf die Betrügereien hereingefallen waren. (pid)

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Schlegel

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