Bewertungssystem aus Norwegen

Was ein Kreis über Entwicklungsdefizite bei Kindern aussagt

Wollen ein Bewertungssystem zur Kindesentwicklung bekannter machen: Dorothea und Rüdiger Freiboth aus Göttingen. Foto: Bernd Schlegel

Göttingen. Die Göttinger Logopädin Dorothea Freiboth möchte ein System aus Norwegen bekannter machen: Danach werden Kinder vor der Einschulung bewertet.

Kinder sollen bis zur Einschulung in ihrer Entwicklung einen bestimmten Stand erreicht haben, um dann fit für den Start zum Lernen in der Schule zu sein. Fragen und Antworten zu dem System.

 Was ist das für ein Beobachtungssystem?

!In einzelnen Zeiträumen im Vorschulalter sollen Mädchen und Jungen bestimmte Fähigkeiten entwickeln. So sollen Kinder Teile von Liedern und Reimen wiedergeben können. Alle Fortschritte dieser Art in der Entwicklung sollen alle sechs Monate in Krippe und Kindergarten in ein rundes Diagramm eingetragen werden. Es gibt am Ende einen guten Überblick darüber, welche Fortschritte das Kind gemacht hat. „Es ist eine ordnende Hilfe, die einen Austausch über die Entwicklung des einzelnen Kindes ermöglicht“, sagt Dorothea Freiboth, selbstständige Logopädin aus Göttingen.

 Welche Vorteile bietet das Beobachtungssystem?

!Jede Fähigkeit, die ein Kind erworben hat, füllt eine weitere Fläche im „Beobachtungskreis“. Je voller der Kreis wird, desto weiter ist die Entwicklung. Bestehen Lücken und damit Entwicklungsrückstände, so können diese leicht erkannt werden. Dann ist frühzeitige Unterstützung möglich. Dazu eine Zahl: Von 100 Mädchen und Jungen wird im Schnitt bei vier eine Lese- und Rechtsschreibstörung (LRS) diagnostiziert. Die Dunkelziffer ist allerdings deutlich höher.

 Welche Chancen bietet das Beobachtungssystem?

!Möglicher Förderbedarf kann noch vor dem Start in die Grundschule festgestellt werden. Damit kann die notwendige Unterstützung früh beginnen. Betroffene Mädchen und Jungen haben so mehr Chancen. Eltern können angebotene Hilfen dadurch leichter annehmen.

 Gibt es Kindereinrichtungen, die bereits mit dem System arbeiten?

!Ja, in Göttingen nutzen seit mehr als einem Jahr das Montessori-Kinderhaus im Ostviertel sowie die St. Thomas-Kindertagesstätte auf dem Leineberg das System. Mehr als 200 Kinder und ihre Familien sind in beiden Einrichtungen damit bereits begleitet worden.

 Welcher Aufwand ist für die Beobachtung eigentlich notwendig?

!Der ist mit etwa 15 Minuten pro Kind und Halbjahr denkbar gering. Die abgefragten Fähigkeiten tauchen ohnehin in der täglichen Arbeit im Kindergarten immer wieder auf. Der ausgefüllte Bogen ist die Grundlage für das Elterngespräch.

 Was sagen die Eltern zu den Beobachtungsbögen?

!Viele Eltern finden ihr Kind in den Bögen gut wieder, so die Erfahrung von Dorothea Freiboth. Außerdem wird mit den Themen sozial-emotionale Entwicklung, Spiel, Wohlbefinden, Alltagsaktivitäten, Wahrnehmung/Motorik sowie Sprache ein breites Spektrum der Entwicklung abgebildet.

 Was kostet der Bogen pro Kind?

!Pro Kind wird während der gesamten Laufbahn in der Kindereinrichtung ein Bogen benötigt, der sich nach und nach füllen soll. Die Kosten liegen bei knapp zwei Euro pro Bogen. Außerdem gibt es Begleitmaterial dazu. Weiterhin können die Bögen auf Wunsch demnächst auch digital am Computer oder am Tablet per App ausgefüllt werden.

 Wie wird das Thema Sprache abgedeckt?

!Ohnehin gibt es im Beobachtungsbogen einen Schwerpunkt zur Sprache. Zusätzlich wurde inzwischen ein weiterer Bogen ausschließlich zum Thema Sprachentwicklung erdacht. Dieser ist übrigens auch für mehrsprachige Kinder geeignet. Außerdem sollen die Bögen in weitere Sprachen übersetzt werden. Das Begleitbuch wird derzeit gedruckt.

 Welche Vorteile ergeben sich für den Übergang in die Schule?

!„Entwicklungsstörungen können bereits ganz früh und nicht erst in der Schule erkannt werden. Das erleichtert den Übergang. Es ist wichtig, einen Förderbedarf möglichst früh zu entdecken“, macht Lehrer Rüdiger Freiboth deutlich, der an der IGS Geismar unterrichtet.

Kontakt: Freiboth Verlag, Dorothea Freiboth, Pächterstraße 7, 37075 Göttingen, Tel. 05 51/20 53 48 25, E-Mail: info@freibothverlag.de

www.freibothverlag.de

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