Rückbau läuft

Bilanz der Impfzentren des Landkreises Göttingen: 150.000 Stiche gegen Corona

Rückbau: In der Sporthalle der Göttinger BBS II war nicht mehr so viel vom Impfzentrum zu sehen.
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Rückbau: In der Sporthalle der Göttinger BBS II war nicht mehr so viel vom Impfzentrum zu sehen.

150.593 Impfungen gegen eine Covid 19-Erkrankung wurden seit Mitte Februar in den beiden Impfzentren des Landkreises Göttingen verabreicht. Damit ist jetzt Schluss.

Landkreis Göttingen – Seit Montag werden die stationären Zentren in der BBS II in Göttingen und in Herzberg zurückgebaut.

„Die Einrichtung der beiden Impfzentren war seinerzeit eine gewaltige Herausforderung für die Kreisverwaltung, aber wir können mit Stolz sagen, dass wir damit sehr erfolgreich waren – auch wenn die Impfkampagne hätte noch erfolgreicher sein können“, zieht Landrat Bernhard Reuter (SPD) eine vorsichtig positive Bilanz. Nachdem der Erlass vom Innenministerium zur Einrichtung von Impfzentren bereits Ende November vergangenen Jahres gekommen sei und die beiden Impfzentren im Landkreis nur drei Wochen später am 15. Dezember einsatzbereit gewesen seien, habe es in der ersten Phase an Impfstoff gemangelt. Während die mobilen Impfteams des Landkreises Anfang Januar in den Alten- und Pflegeheimen ihre Arbeit aufgenommen hätten, habe der Start des Impfbetriebes in den stationären Zentren wegen des Impfstoffmangels erst am 11. Februar erfolgen können.

„In der zweiten Phase brach dann für mich völlig überraschend die Nachfrage nach den Schutzimpfungen ein“, sagt Reuter. Er sei „sehr unzufrieden, dass wir bei einer landkreisweiten Impfquote von aktuell rund 65 Prozent stehen geblieben sind“. Dennoch dankte er allen Beteiligten in den Impfzentren und in der Kreisverwaltung für die „hervorragende Arbeit“, die sowohl bei der Planung als auch im Impfbetrieb verrichtet worden sei. 79.186 Erst- und 70.407 Zweitimpfungen, ein Rekordergebnis von 1805 Impfungen an einem Tag und in Spitzenzeiten 25.000 verabreichte Impfdosen pro Monat sprächen für sich.

„Ab dem 1. Oktober werden wir mit fünf mobilen Impfteams im Landkreis unterwegs sein, die Drittimpfungen für besonders gefährdete Menschen vornehmen werden“, sagt die zuständige Kreisrätin Marlies Dornieden. Erst- und Zweitimpfungen würden weiterhin von Haus-, Fach und Betriebsärzten verabreicht. Die Kosten für den Betrieb der beiden Impfzentren und die mobilen Teams beziffert Dornieden auf rund 4,5 Millionen Euro, die nahezu komplett vom Bund getragen werden. „Allerdings hat es in der Anfangsphase bei der Abrechnung ziemlich geknirscht“, bemängelt Landrat Reuter.

Bald wieder Sport in den Hallen möglich

Nachdem am Samstag die letzten Covid 19-Schutzimpfungen in den Impfzentren des Landkreises in Göttingen und Herzberg verabreicht wurden, wird dort fleißig am Rückbau gearbeitet.

„Unser Ziel ist es, dass die beiden Sporthallen nach den Herbstferien wieder für den Schulbetrieb genutzt werden können“, sagt Patrick Moritz, Fachbereichsleiter Katastrophenschutz beim Landkreis Göttingen.

Wie viel Planung, Arbeit und Einsatz der Betrieb der beiden Zentren erforderte, zeigt ein Blick auf die Zahlen. An insgesamt 184 Öffnungstagen wurde 2208 Stunden lang geimpft. In der Spitze mussten rund 350 Anrufe pro Tag durch Mitarbeiter des Infotelefons bearbeitet werden. Insgesamt 139 Menschen wurden für die stationären Zentren eingestellt, 16 Stellen durch Hilfsorganisationen für mobile Teams besetzt. Nicht weniger als 190 Ärztinnen und Ärzte erklärten ihre Bereitschaft zur Mitwirkung an der Impfkampagne des Landkreises.

„Auch wenn die Impfzentren jetzt geschlossen sind, appellieren ich alle, die sich impfen lassen können, dies auch tatsächlich bei ihrem Hausarzt zu tun“, sagt Landrat Bernhard Reuter. Es gehe schließlich nicht nur um den eigenen Schutz und die eigene Gesundheit, sondern auch um den Schutz anderer. „Die Erfahrung der letzten Monate hat gezeigt, dass es bei der Impfung keinerlei allergische Reaktionen gab und nur eine Handvoll Meldungen wegen unerwarteter Nebenwirkungen erforderlich waren“, betont Dr. Stefan von Blankenburg, der die Impfkampagne des Landkreises begleitet hat. Die üblichen Nebenwirkungen – wenn es denn überhaupt welche gebe – seien nicht schlimmer als bei einer normalen Grippeimpfung.

„Die Covid 19-Schutzimpfung ist aus meiner fachlichen Sicht extrem gut verträglich und daher sollte sich auch wirklich jeder impfen lassen, dem es möglich ist“, so sein Appell. (Per Schröter)

Mehr als 120.000 Menschen wurden auf der Siekhöhe immunisiert

Das Impfzentrum der Stadt Göttingen auf der Siekhöhe schließt Ende des Monats seine Pforten. Dort wurden nach einer Bilanz knapp 120.000 Menschen immunisiert.

80 Prozent der Impflinge erhielten das Vakzin des Herstellers Biotech/Pfizer. Im Einsatz waren 132 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Hinzu kommen mehr als 100 Mediziner, die seit Januar mehr als 10.500 Stunden Impfberatungen in mobilen und stationären Einsätzen geleistet haben. Hinzu kommen das Verwaltungspersonal sowie die Sanitäterinnen und Sanitäter. Die Bundeswehr hat mit einem guten Dutzend Einsatzkräfte unterstützt. (Bernd Schlegel)

Karte: Hier waren die Impfzentren in der Region Göttingen zu finden

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