Alternative zum Studium

Bilanz des Lehrstellenmarktes: Zahl der Ausbildungsverträge erreicht fast das Vor-Krisen-Niveau

Analysierten die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt: (vorn, von links) Tobias Dunkel (Handwerkskammer), Agenturchefin Klaudia Silbermann und Nadia Mohseni (IHK) sowie (hinten, von links) Stefan Pietsch (Handwerk), Mario-Gatzemeier-Marx (Arbeitsagentur), Auszubildende Luisa Schneider und Gabi Hörold (Ausbildung und Arbeit plus).
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Analysierten die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt: (vorn, von links) Tobias Dunkel (Handwerkskammer), Agenturchefin Klaudia Silbermann und Nadia Mohseni (IHK) sowie (hinten, von links) Stefan Pietsch (Handwerk), Mario-Gatzemeier-Marx (Arbeitsagentur), Auszubildende Luisa Schneider und Gabi Hörold (Ausbildung und Arbeit plus).

Das ist eine gute Nachricht: Die Zahl abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Südniedersachsen erreicht nach einem deutlichen Einbruch durch Corona im vergangenen Jahr fast wieder das Vor-Krisen-Niveau.

Göttingen/Northeim – Das wurde bei der Vorstellung der Bilanz des Ausbildungsjahres bei der Arbeitsagentur Göttingen deutlich. Nach Angaben der Handwerkskammer Südniedersachsen-Göttingen wurden in diesem Jahr 1360 Verträge abgeschlossen, nur 18 weniger als 2019. Davon wurden kürzlich 496 Ausbildungsverhältnisse im Landkreis Göttingen (plus neun Prozent im Vergleich zu 2020) und im Landkreis Northeim 237 Lehrverhältnisse (plus 17 Prozent im Vergleich zu 2020) eingetragen.

Ähnlich gut sieht die Bilanz bei der Industrie- und Handelskammer aus: Sie meldet für den Landkreis Göttingen 1535 (2019: 1689) Lehrverhältnisse und für den Landkreis Northeim 382 (2019: 411) Verträge.

Insgesamt standen in diesem Jahr in den beiden Landkreisen 2887 (Vorjahr: 2954) Ausbildungsstellen zur Verfügung, denen 2188 (Vorjahr: 2200) Bewerber gegenüberstanden. Insgesamt 338 Lehrstellen konnten nicht besetzt werden, 120 Bewerber blieben unversorgt – minus 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Oft passen die Berufswünsche nicht zu den angebotenen Stellen“, kommentierte Klaudia Silbermann, Chefin der Göttinger Agentur für Arbeit, die Situation. Deshalb blieben häufig Lehrstellen im Bereich Gastronomie und Einzelhandel unbesetzt. Für viele junge Leute ist laut Silbermann die Erreichbarkeit des Ausbildungsplatzes und der Berufsschule weiter ein Problem. Außerdem gibt es den anhaltenden Trend, eine weiterführende Schulen zu besuchen statt eine Lehre zu absolvieren. Deutlich mehr junge Leute entscheiden sich außerdem für ein Studium.

Beide Kammern gehen davon, dass auch im kommenden Jahr ähnlich viele Ausbildungsstellen in Südniedersachsen angeboten werden können. Die Arbeitsagentur will ihr Beratungsangebot ausweiten. (Bernd Schlegel)

Junge Frauen erobern Männerberuf Maler

Laut Handwerkskammer erobern immer mehr junge Frauen einen Männerberuf. Das gilt für die Ausbildung zum Maler und Lackierer, in dem jetzt mehr als 40 Prozent der Auszubildenden weiblich sind. Ganz oben auf der Berufe-Liste der jungen Männer stehen Kraftfahrzeugmechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima sowie Elektroniker, bei den jungen Frauen sind es Friseurin, Fachverkäuferin für Lebensmittelhandwerk und Bürokauffrau. (bsc)

Neue Chancen nach Studienabbruch

Studierende, die die Ausbildung an der Hochschule an den Nagel hängen, haben auf dem Ausbildungsmarkt gute Chancen. Das wurde bei der Vorstellung der Bilanz zu Thema Lehrstellen deutlich.

Beim Sprung vom Hörsaal in den Arbeitsmarkt kann eine Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) helfen, die in der Regel zehn Monate dauert. Daran teilnehmen können alle Jugendlichen, die die Schulpflicht erfüllt haben, und jünger als 25 Jahre sind. Ferner dürfen sie noch keine Ausbildung abgeschlossen haben.

Den Weg vom Studium in eine Berufsausbildung hat auch Luisa Schneider (24) beschritten. Dazu nutzte sie ein vorgeschaltetes BvB-Angebot beim Träger „Ausbildung und Arbeit plus“ in Göttingen, das von der Arbeitsagentur finanziert wird. In der Uni-Stadt können bis zu 16 Studienabbrecher eine Neuorientierung durchlaufen. Auch andere junge Leute werden an den Standort Göttingen und Osterode unterstützt. Während der zehn Monate können sich die Teilnehmer ausprobieren und Schritte bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung gehen. Außerdem geht es unter anderem um die Thema Zeitmanagement, Rechnungswesen, Qualitätsmanagement und Bewerbungstraining. Zentraler Bestandteil ist zudem ein längeres Praktikum bei einem Unternehmen, berichtet Gabi Hörold von Ausbildung und Arbeit plus“. Luisa Schneider, die inzwischen eine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten durchläuft, hat so ihren Weg gefunden und lobt das BvB-Angebot. „Dort gibt es direkte Ansprechpartner für jeden.“ Gleichzeitig macht sie anderen Studenten Mut, ebenfalls diesen Weg zu gehen.

Über Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme wurden 2020/21 insgesamt 240 junge Leute in den Landkreisen Göttingen und Northeim unterstützt. Die Agentur fördert die Berufsorientierung und Ausbildungsvorbereitung auch in diesem Jahr mit etwa einer Million Euro. Die Teilnehmer der Kurse, die in Northeim, Osterode und Göttingen angeboten werden, erhalten während des Förderzeitraums von neun bis zwölf Monaten finanzielle Unterstützung von der Agentur. Weitere Infos gibt es hier. (Bernd Schlegel)

Kontakt: Agentur für Arbeit Göttingen, Tel. 0800/4 5555 00, E-Mail: goettingen.berufsberatung@arbeitsagentur.de

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