Vordere Plätze im bundesweiten Vergleich

Bilanz: Jobcenter im Landkreis Göttingen brachte 3588 Menschen in Arbeit

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Stellten die Zahlen der Göttinger Einrichtung vor: Jobcenter-Leiterin Gabriele Bock und Kreisrat Marcel Riethig.  

Göttingen. Das Jobcenter für den Landkreis Göttingen hat bei einem bundesweiten Vergleich vier vordere Plätze und einen Rang im Mittelfeld belegt.

Diese Leistungsbilanz präsentierten Göttingens Kreisrat Marcel Riethig und Jobcenter-Leitern Gabriele Bock bei der Vorstellung der Zahlen für 2016, bei der sie erstmals die zusammengefassten Daten für die fusionierten Altkreise Göttingen und Osterode präsentierten.

Grundlage der Rangliste ist ein bundesweiter Vergleich zwischen 44 Gebieten, die eine ähnlich ländliche Struktur wie der neue Landkreis Göttingen aufweisen. Aus Niedersachsen sind dies beispielsweise Hildesheim, Celle und Stade. Spitzenplätze hat Göttingen in folgenden Bereichen belegt:

• Die Zahl erwerbsfähiger Leistungsbezieher ist um 0,8 Prozent auf rund 18 000 Menschen gesunken. Das bedeutet Platz eins.

• Die Nachhaltigkeit bei der Integration in Arbeitsverhältnissen liegt bei 71,2 Prozent. Das heißt, dass fast Dreiviertel aller neu in Arbeit stehenden Menschen auch nach zwölf Monaten sich noch im Beschäftigungsverhältnis befinden – das bedeutet ebenfalls Rang eins. Riethig: „Ein sehr guter Wert.“

• Platz zwei belegt das Jobcenter beim Anstieg der Hilfen für den Lebensunterhalt, die nur leicht um 2,2 Prozent gestiegen sind.

• Die Zahl der Langzeitleistungsbezieher (mehr als 21 Monate) sank um 3,8 Prozent auf rund 9800 Menschen. Das bedeutet Platz vier.

• Die Quote der Integration in Arbeit lag bei 23,7 Prozent. Das bedeutet, dass das Göttinger Jobcenter 3588 Menschen in Arbeit vermittelt hat. Damit ist die Arbeitslosigkeit nach dem Hartz-IV-Gesetz (SGB II) um rund 0,2 Prozent gesunken.

Mit einer Zuständigkeit für fast 21 000 Menschen ist das Jobcenter nach eigenen Angaben die größte Arbeitsverwaltung in der Region Südniedersachsen.

Kürzungen machen Job-Center zu schaffen

Die Leistungen des Jobcenters für den Landkreis Göttingen können sich aus Sicht von Kreisrat Marcel Riethig und Jobcenter-Leiterin Gabriele Bock sehen lassen. Sie erwarten aber neue Probleme.

So sollen die Bundeszuschüsse für Vermittlungsprojekte in Arbeit im kommenden Jahr um rund zehn Prozent auf 6,3 Millionen Euro gekürzt werden. Riethig: „Diese Kürzungen sind nicht nach nachvollziehbar.“

Thema Flüchtlinge

Riethig macht seine Kritik daran fest, dass rund 1000 Flüchtlinge in die Zuständigkeit des Jobcenters übergehen werden. Für sie müssten Maßnahmen angeboten werden, die vom Führerschein bis zur beruflichen Qualifizierung reichen.

Der Kreisrat sagte, rund ein Drittel der Flüchtlinge stamme aus Syrien. Bei ihnen sei eine Vorbildung vorhanden. Sorgen bereiten ihm insbesondere die Menschen aus Eritrea (rund zehn Prozent der Flüchtlinge), weil sie in der Regel Analphabeten seien.

Bislang, so Riethig, sei die Herausforderung gut gemeistert worden. Die überwiegende Zahl der insgesamt 3400 Flüchtlinge in Stadt und Landkreis Göttingen befänden sich in Maßnahmen oder besuchten die Schule.

53 Flüchtlinge seien bereits in Arbeitsstellen vermittelt worden. Riethig: „Das ist ein guter Wert.“

Als weitere Herausforderung nannte der Kreisrat die Integration von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt. „Die überwiegende Zahl möchte etwas tun.“ Doch gebe es Probleme, wie beispielsweise die Gewöhnung an eine Tagesstruktur, Einschränkungen oder fehlende Qualifikationen. Riethig: „Wir müssen fördern und fordern.“

Riethig forderte bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, stärker auf die kommunale Verantwortung zu setzen. „Bei uns hat jede Akte ein Gesicht.“ Dabei baut der Kreisrat unter anderem auf die Netzwerke des Landkreises in Schulen und in die Wirtschaft. Arbeitslosigkeit dürfe am besten gar nicht erst entstehen. Gabriele Bock: „Wir müssen die Wege zu den Arbeitgebern ebnen und dürfen nicht jemand beim ersten Scheitern fallen lassen.“

Intensive Betreuung

Wie eine Betreuung aussehen kann, um beispielsweise Hartz-IV nicht zu „vererben“, zeige das Familienmanagement des Altkreises Osterode. Dabei wird darauf gesetzt, dass ein Mitarbeiter des Jobcenters für nur 25 Familien zuständig ist, um durch eine lange und intensive Betreuung diesen Kreislauf zu durchbrechen. Riethig: „Davon kann der neue Landkreis Göttingen lernen.“

Etat von mehr als 170 Millionen Euro

Das Jobcenter des Landkreises Göttingen mit seinen Standorten Stadt Göttingen, Göttingen-Land, Hann. Münden, Duderstadt, Osterode und zukünftig in Bad Lauterberg beschäftigt rund 400 Mitarbeiter.

Inklusive der Transferleistungen bewegt es einen Etat von mehr als 170 Millionen Euro.

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