Bilanz nach dem Bahnstreik: Sollingbahn war das Opfer

Eine Sollingbahn am Bahnhof Hardegsen: Während des Streiks der Lokführer wurden die Züge komplett durch Busse ersetzt. Arcbivfoto: Schrader

Göttingen/Northeim. Die privaten Bahnanbieter und verbeamtete Lokführer haben während des Bahnstreiks für Entlastung in Südniedersachsen gesorgt. Aber nicht überall.

Zwischen Northeim und Bodenfelde wurden die Züge komplett durch Busse ersetzt.

Laut Fahrgastverband Pro Bahn rollten die Züge auf den Strecken von Metronom, Cantus und der Nord-West-Bahn ohne Einschränkungen. Deutsche Bahn Regio brachte an Werktagen immerhin 72 Züge und damit deutlich mehr als 50 Prozent des regulären Angebots auf die Schiene. Dafür sorgten die immer noch zahlreich vorhandenen Beamten und mindestens eine Urlaubsunterbrechung eines Lokführers.

Die Sollingbahn zwischen Northeim und Bodenfelde war aus Sicht des Pro Bahn-Regionalvorsitzenden Michael Reinboth das Sorgenkind während des Streiks. Dort wurden sämtliche Züge durch Busse ersetzt. Es sei zwar verständlich, dass man bahnseitig die vorhandenen Ressourcen auf die aufkommensstärkeren Strecken konzentriere, doch sei das völlige Abhängen der Strecke Northeim - Bodenfelde „kein gutes Zeichen für die zukünftige Entwicklung“.

Pro Bahn kritisiert, dass die Busse des Ersatzverkehrs nicht in der elektronischen Fahrplanauskunft enthalten waren. Dadurch wurden die meisten Kunden auf dem Weg zwischen Harz und Ruhr auf die Reisewege über Göttingen oder Kreiensen verwiesen. Von diesen beiden Stationen aus verkehrt die Nord-West-Bahn.

Scharfe Kritik übt Pro Bahn an der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL): „Die Streikenden spielen mit der Zukunft einer ganzen Zweigstrecke. Wir bemühen uns seit Jahren um bessere Anschlüsse und mehr durchgehende Züge und sind durch die GDL-Aktionen gefühlt um mehrere Jahre zurückgeworfen worden“, meint Reinboth, der Streiks auf Zweigstrecken für absolut kontraproduktiv und überdies im Sinne der Streikenden für wirkungslos hält. „Man leistet hier allenfalls späteren Abbestellungen Vorschub und gefährdet damit die eigenen Arbeitsplätze.“

Probleme gab es auch im West-Ost-Verkehr in Richtung Thüringen und Sachsen-Anhalt. Während man nach Erfurt noch mit Einschränkungen über Eichenberg reisen konnte, sah es nach Halle oder Leipzig ganz trüb aus.

Es sei der Deutschen Bahn zum wiederholten Male nicht gelungen, die wichtige Achse zwischen Kassel und Halle über Nordhausen zu bedienen, so Pro Bahn. Am Dienstag und Mittwoch gab es auf dieser Trasse nur ein Angebot mit Bus zwischen Leinefelde und Nordhausen, am Donnerstag und Freitag fuhren dann einige Züge zwischen Nordhausen und Halle. Damit waren weite Teile Mitteldeutschlands nicht oder nur mit erheblichen Umwegen zu erreichen.

Stabiler Zwei-Stunden-Takt während des Streiks

Im Fernverkehr in Südniedersachsen lief es während des Lokführerstreiks laut Fahrgastverband Pro Bahn ziemlich reibungslos.

Hintergrund: Die Bahn schaffte es, auf den Linien zwischen Frankfurt und Hamburg, München und Hamburg sowie zwischen Frankfurt und Berlin während der Streikphase einen festen Zwei-Stunden-Takt anzubieten. Lediglich die IC-Linie zwischen Karlsruhe und Hamburg wurde ein vollständiges Opfer des Streiks.

Mit diesem Angebot konnte der Fernverkehr in Richtung Hamburg, Berlin, Rhein/Main, Bayern oder Rhein/Ruhr einigermaßen bedient werden. Allerdings waren nach Angaben von Pro Bahn am Freitag sowie am Sonntag einige ICE überfüllt. Dadurch mussten Züge zum Teil geräumt werden.

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