Zwei Beamte sind dienstunfähig

Bilanz nach Randale-Demo in Göttingen: Sieben Polizisten sind verletzt

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Auseinandersetzungen an der Absperrung in Höhe der Stadthalle: Gegendemonstranten und Polizei standen sich direkt gegenüber. Bei gewalttätigen Übergriffen wurden insgesamt sieben Beamten verletzt.

Göttingen. Die Zahl der bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Sonntag an der Stadthalle in Göttingen verletzten Polizisten hat sich auf sieben erhöht.

Die Beamten sind von der massiven Gewalt, die ihnen entgegenschlug, betroffen.

Blessuren am Rücken

Der siebte verletzte Beamte trug nach Polizeiangaben Blessuren am Rücken davon. Alle sieben Verletzten gehören zur fünften Bereitschaftspolizeihundertschaft in Göttingen, die bei der sogenannten Mahnwache des als rechtsextrem geltenden Freundeskreises Thüringen/Niedersachsen und der Gegendemonstration an der Stadthalle im Einsatz war. Zwei Beamte sind so schwer verletzt, dass bis auf weiteres dienstunfähig sind, heißt es in einer Mitteilung.

Zerstörungen

Die „unkontrollierte massive Gewalt linksextremer Demonstranten“ richtete sich aber auch gegen Einsatzfahrzeuge der Polizei. Am Rande der Demonstration zerkratzten Unbekannte zwei Mannschaftswagen, beschmierten einen von ihnen in roter Farbe mit der Parole „ACAB“, traten Scheibenwischer ab, beschädigten die Blaulichter im Kühlergrill und zerstörten ein Rücklicht, so die Polizei. „ACAB“ steht übrigens für „All cops are bastards“ – wörtlich übersetzt „Alle Polizisten sind Bastarde“. Die Höhe des Gesamtschadens steht noch nicht fest.

Auswertung geht weiter

Unterdessen dauert die Auswertung des bei dem Einsatz aufgenommenen Videomaterials an. Eine detaillierte Auflistung über die Anzahl bereits eingeleiteter beziehungsweise noch einzuleitender Ermittlungsverfahren liegt den Beamten deshalb zurzeit immer noch nicht vor.

Betroffener Polizeichef

Thomas Rath

„Sprachlos gemacht haben mich der Hass und die menschenverachtenden Anfeindungen, die den einschreitenden Beamten und Beamtinnen, auch schon deutlich vor ihrem Einsatz innerhalb der Versammlung, entgegengeschlagen sind“ sagt Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion Göttingen. Er war nicht unmittelbar in die Einsatzhierarchie eingebunden und erlebte die Demo als Beobachter. „Diese hochemotionale Aggressivität vieler Kundgebungsteilnehmer, die überwiegend, aber leider nicht nur, dem linksextremen Spektrum zuzuordnen waren, macht mich tief betroffen.“

Provokationen

„Wenn man es der Polizei tatsächlich als Provokation auslegt, dass sie in rechtmäßiger Amtsausübung versucht, wiedererkannte Straftäter festzunehmen und potentielle Depots von Wurfgeschossen auszuheben, ist in meiner Wahrnehmung irgendetwas aus den Fugen geraten“, sagt Rath. Würden dann diese Maßnahmen auch noch gewaltsam und vermummt „im Namen des zivilen Ungehorsams“ seitens der Demonstranten verhindert, so fällt es dem Polizeichef schwer, das „unseren jungen Beamten, die idealistisch und mit anderen Wertmaßstäben aus der Ausbildung gekommen sind, zu erklären“.

Aufgaben der Polizei

Und Thomas Rath weiter: „Aber ich frage mich ernsthaft, wie lange es sich eine Gesellschaft leisten kann, diejenigen, die bei Amok- oder Anschlagsszenarien im wahrsten Sinne des Wortes ihren Kopf für uns alle hinhalten sollen, mit Tomaten, Zwiebeln und Flaschen zu bewerfen, nur weil sie ihrem verfassungsrechtlichen Auftrag nachkommen. Und der sah am Sonntag nun einmal den Schutz und die Trennung beider Versammlungen vor.“

Einsatz wird aufgearbeitet

Göttingens Polizeichef Rath kündigte unterdessen an, dass der Einsatz vom Sonntag selbstkritisch und professionell nachbereitet wird: „Auch Polizisten sind Menschen und machen Fehler. Aber wir wollen daraus lernen.“ Er wünscht sich allerdings auch, dass auch „diejenigen Angehörigen der linken Szene, die ihre persönlichen Ideologien vehement mit Gewalt durchsetzen wollen, dasselbe versuchen“.

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