Experte: "Es bleibt ein Nischengeschäft"

Bio-Landwirtschaft in Südniedersachsen: Ackern in der Nische

Willkommen beim Bioland-Verband: Landesgeschäftsführer Harald Gabriel (links) überreichte das Betriebsschild an Lothar Goldmann (Zweiter von links) und seine Lebensgefährtin Bernadette Bode. Es gratulierte Jörge Penk, Gruppenvertreter der Bioland-Regionalgruppe Göttingen. Foto: Schlegel

Göttingen. Bio-Landwirtschaft bleibt in Südniedersachsen ein Nischengeschäft. Wer sich dafür entschieden hat, muss seinen ganz eigenen Weg finden.

Aus Sicht von Achim Hübner, Geschäftsführer des Landvolk-Kreisverbandes Göttingen, hat Bio gerade im Bereich der Universitäts-Stadt mit ihren anspruchsvollen Kunden gute Aussichten.

In der Praxis stellt sich die Situation allerdings deutlich schwieriger dar, macht der Landwirtschafts-Experte deutlich. Er geht davon aus, dass es voraussichtlich eine deutliche Professionalisierung geben wird. Außerdem wird aus seiner Sicht die Zahl der Betriebe eher sinken.

„Insgesamt bleibt es wie bisher ein Nischengeschäft, sonst verliert es auch an Exklusivität“, sagt Hübner.

Im Landkreis Göttingen wirtschafteten im vergangenen Jahr 64 von 964 Betrieben biologisch - also etwa jeder 15. Im Landkreis Northeim sind 41 von 1077 Betrieben biologisch orientiert, also etwa jeder 25. Bundesweit hat sich etwa jeder 20. landwirtschaftliche Betrieb für den biologischen Anbau entschieden.

Laut Hübner gibt es in Südniedersachsen alle Formen der Bio-Landwirtschaft. Vertreten sind unter anderem die hohen Standards, zum Beispiel von Bioland und Demeter. Sie leiden aus Sicht von Hübner unter dem weniger anspruchsvollen EU-Bio-Siegel.

Bio-Landwirtschaft ist aus Sicht von Hübner trotz anderslautender Meldungen in den Medien und trotz erheblicher Förderung ein anspruchsvolles Geschäftsfeld, das „ohne eigene Direktvermarktung kaum geht“. Hübner: „Die veröffentlichte Meinung der Menschen findet sich nicht so sehr im Kaufverhalten wieder.“

Betrieb in Seeburg: Bio aus Überzeugung 

Aus Überzeugung haben sich Lothar Goldmann und seine Lebensgefährtin Bernadette Bode aus Seeburg für die ökologische Landwirtschaft entscheiden. Jetzt bewirtschaften sie den 500. Bioland-Betrieb in Niedersachsen.

Seit 15 Jahren wird in dem Betrieb, in dem auch schon die beiden Kinder Florian (17) und Theresa (10) mitarbeiten, biologisch angebaut. Nun folgte der Beitritt in den Verband. Hintergrund: Am neuen Betriebsstandort etwa einen Kilometer vom Ort entfernt sind die Möglichkeiten optimal, die strengen Bioland-Auflagen zu erfüllen. So haben die Kühe einen neuen Freilaufstall bekommen, der viel Platz bietet. Im Laufe des Jahres will auch die Familie dorthin umziehen.

1988 hatte Lothar Goldmann den Seeburger Betrieb von seinem Vater übernommen. Ab 1995 lief der Vollerwerb an, fünf Jahre später begann der ökologische Anbau.

Bewirtschaftet wird eine Fläche von 90 Hektar - 60 Hektar Acker und 30 Hektar Grünland. Die Vermarktung von Weizen, Hafer und Roggen erfolgt über den Großhandel. Der Raps wird an eine Ölmühle ist Ostwestfalen geliefert, die daraus hochwertige Produkte herstellt. Außerdem leben 17 Mutterkühe auf dem Hof. Über einen Schlachter soll das Fleisch vermarktet werden.

„Die Einstellung zum Bio muss stimmen“, rät Goldmann Landwirten, die über eine Umstellung auf ökologischen Landbau nachdenken. Der Landwirt setzt sich auch in anderer Funktion aktiv für Natur- und Umweltschutzbelange ein - als Mitglied im Seeburger Gemeinderat.

Harald Gabriel, Landesgeschäftsführer im Bioland-Verband, macht deutlich: „Damit man bei einer Umstellung auf ökologischen Landbau keine Fehler macht, ist Beratung ganz wichtig.“ So muss man beachten, dass bei einer Umstellung beispielsweise erst ab der dritten Ernte das Getreide als Bio-Produkt gilt.

Die Bioland-Betriebe sind auch regional gut untereinander vernetzt. Jörge Penk vertritt insgesamt 33 Betriebe in den Landkreisen Göttingen und Northeim und Osterode. Er bewirtschaftet einen Legehennenbetrieb in Großenrode und hofft, dass noch mehr Landwirte sich für den ökologischen Anbau entscheiden. Dabei hebt er die guten Strukturen des Bioland-Verbandes, zu dem insgesamt 6000 Betriebe gehören, hervor. So gibt es beispielsweise fertiges Verpackungsmaterial. Außerdem bekommen die Mitgliedsbetriebe vielfältige Beratungsangebote. (bsc)

Kontakt: Bioland Niedersachsen/Bremen, Bahnhofstraße 15 27374 Visselhövede, Tel. 0 42 62/9 59 00.

Die Siegel: Bio ist nicht gleich Bio

Bio-Siegel sind Güte- und Prüfsiegel, mit denen Erzeugnise aus ökologischem Landbau gekennzeichnet sind. Die Genehmigung zur Verwendung eines Siegels wird vom Herausgeber festgelegt und ist an die Einhaltung gewisser Standards und Auflagen geknüpft.

Die Einhaltung der Kritirien durch den Erzeuger soll laut Online-Lexikon Wikipedia durch eine Dokumentationspflicht sowie regelmäßige Entnahme und Untersuchung von Proben gewährleistet werden. Überwacht wird die Einhaltung der Bestimmungen für alle Bio-Produkte in der Europäischen Union durch die jeweilige Öko-Kontrollstelle, bei der Verwendung eines Verbandssiegels, zum Beispiel Bioland, zusätzlich durch den jeweiligen Anbauverband. Wir stellen die bekanntesten Siegel, die auf dem Markt vertreten sind, mit den wichtigsten Unterschieden gegenüber - darunter das 2010 eingeführte EU-Bio-Siegel. (bsc)

EU-Bio-Siegel 

Zusammensetzung der Produkte: 95 Prozent der Zutaten aus ökologischer Herkunft.

verbotene Zusatzstoffe: Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe etc.

Zusatzstoffe: von über 300 (bei konventionelle Landwirtschaft) sind 47 erlaubt.

Schweinehaltung: maximal 14 Mastschweine pro Hektar und Jahr

Kuhhaltung: maximal zwei Milchkühe pro Hektar und Jahr

Hühnerhaltung: maximal 230 Legehennen und 580 Masthühner je Hektar und Jahr

Futterzukauf: erlaubt

synthetische Pflanzenschutzmittel: verboten

Bewirtschaftung: gleichzeitig konventioneller und ökologischer Landbau in einem Betrieb möglich. (bsc)

Bioland 

Zusammensetzung der Produkte: 100 Prozent der Zutaten aus ökologischer Herkunft.

verbotene Zusatzstoffe: Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe etc.

Zusatzstoffe: nur 22 erlaubt, Nitritpökelsalz nicht erlaubt.

Schweinehaltung: maximal 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr

Kuhhaltung: maximal zwei Milchkühe pro Hektar und Jahr

Hühnerhaltung: maximal 140 Legehennen und 280 Masthühner je Hektar und Jahr

Futterzukauf: erlaubt, aber maximal 50 Prozent

synthetische Pflanzenschutzmittel: verboten

Bewirtschaftung: Ökologische Bewirtschaftung aller Betriebsteile vorgeschrieben. (bsc) Quelle: Wikipedia

Demeter 

Zusammensetzung der Produkte: 100 Prozent der Zutaten aus ökologischer Herkunft.

verbotene Zusatzstoffe: Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe etc.

Zusatzstoffe: nur 13 Zusatzstoffe erlaubt, für jedes Lebensmittel expliziert erlaubte Zusatzstoffe

Schweinehaltung: maximal 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr

Kuhhaltung: maximal zwei Milchkühe pro Hektar und Jahr, Enthornung nicht zulässig

Hühnerhaltung: maximal 140 Legehennen und 280 Masthühner je Hektar und Jahr

Futterzukauf: erlaubt, aber maximal 50 Prozent

synthetische Pflanzenschutzmittel: verboten

Bewirtschaftung: ausschließlich biologisch-dynamisch. (bsc)

Naturland 

Zusammensetzung der Produkte: 95 Prozent Öko, fünf Prozent erlaubt, wenn Ökoherkunft nicht verfügbar.

verbotene Zusatzstoffe: Geschmacksverstärker, künstliche Aromen und Farbstoffe etc.

Zusatzstoffe: 21 Zusatzstoffe zulässig, Nitritpökelsalz begrenzt.

Schweinehaltung: maximal 10 Mastschweine pro Hektar und Jahr

Kuhhaltung: maximal zwei Milchkühe pro Hektar und Jahr

Hühnerhaltung: maximal 140 Legehennen und 280 Masthühner je Hektar und Jahr

Futterzukauf: erlaubt, aber maximal 50 Prozent

synthetische Pflanzenschutzmittel: verboten

Bewirtschaftung: Gesamtbetriebsumstellung vorgeschrieben.

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