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Bio-Vielfalt in und neben Feldern: Viele Faktoren beeinflussen Umweltmaßnahmen

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Von: Thomas Kopietz

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Studentinnen auf einem Bioweizenfeld bei Göttingen.
Studien im Feld: Studentinnen auf einem Bioweizenfeld bei Bodensee bei Göttingen. © Sinja Zieger

Wie groß ist der Einfluss von Umweltmaßnahmen und welche Rolle spielt dabei die Umgebung? Dieser Frage widmen sich Wissenschaftler aus Göttingen und Ungarn.

Göttingen – Sind Blühfelder innerhalb oder neben bewirtschafteten Feldern für Wildbienen wertvoller? Dieser Frage und generell der Fragestellung, wie wirksam Agrarumweltmaßnahmen für die biologische Vielfalt sind, widmeten sich Agrarökologen der Uni Göttingen in einer Studie, deren – im wahrsten Sinne des Wortes – Feldforschung auch in Südniedersachsen stattfand.

Beteiligt waren Wissenschaftler des Zentrums für ökologische Forschung im ungarischen Vácrátót. Ergebnis: Je nach Art der Betrachtung sind Biodiversitätsvorteile auf dem Feld (ökologischer Landbau) oder neben dem Feld (Blühstreifen) anders zu beurteilen. Vergleichende Bewertungen von Umweltmaßnahmen könnten deshalb leicht in die Irre führen, so die Wissenschaftler.

Studie zu Bio-Vielfalt: Viele Faktoren beeinflussen Wirkung von Agrarumweltmaßnahmen

In ihrem Beispiel beziehen sich die Autoren auf eine Untersuchung von zehn Agrarlandschaften mit jeweils drei Winterweizenfeldern in der Umgebung von Göttingen: einem ökologischen Feld, einem konventionellen Feld mit Blühstreifen und einem konventionellen Feld ohne Blühstreifen. An den Feldrändern wurde zwei Jahre lang die Häufigkeit von Wildbienen erfasst.

Die Ergebnisse zeigten, dass der Vergleich von Daten auf der Ebene von einfachen linearen Begehungen zu der irreführenden Schlussfolgerung führt, dass Blühstreifen viel mehr Bienen anlocken als Öko-Felder.

Prof. Teja Tscharntke
Prof. Teja Tscharntke von der Universität Göttingen. © Privat

„Allerdings wurde dabei nicht betrachtet, dass Blühstreifen nur etwa fünf Prozent der konventionellen Felder bedecken und insgesamt deutlich weniger Bienen aufweisen als die 95 Prozent Öko-Landbaufläche“, erläutern Professor Teja Tscharntke (Abteilung Agrarökologie der Uni Göttingen) und Dr. Péter Batáry, (Gruppenleiter Zentrum für ökologische Forschung, Vácrátót).

Wissenschaftler aus Göttingen und Ungarn forschen zu biologische Vielfalt, Öko-Landbau und Ertrag

„Kurzum: Der Öko-Landbau, der typischerweise mehr Wildkräuter aufweist als der konventionelle Acker, ist in diesem Szenario bei der Bienenförderung erfolgreicher als der Blühstreifen.“ Berücksichtigt man aber, dass Getreideflächen im Öko-Landbau nur halb so viel Ertrag liefern wie konventioneller Anbau, verkehrt sich die Einschätzung.

Denn der 50-prozentige Weizen-Ertragsverlust auf einer zehn Hektar großen Fläche Öko-Landbau ist gleichwertig mit dem Ertrag von fünf Hektar konventionellem Anbau plus fünf Hektar Blühstreifen, was zu 3,5-mal mehr Bienen führen würde. In diesem Szenario erweist sich der Öko-Landbau als wenig geeignet für eine effektive Wildbienenförderung.

„Diese Daten und Überlegungen zeigen, dass verschiedene Maßstäbe bei der Bewertung von Agrarumweltmaßnahmen berücksichtigt werden sollten. Nur wenn der Flächenanteil der Maßnahmen sowie die Ertragssituation berücksichtigt werden, können wir ein ausgewogenes Verständnis der ökologischen und ökonomischen Wirksamkeit von Umweltmaßnahmen erreichen“, so die Autoren. (Thomas Kopietz)

Die Preise von Diesel und Futter steigen: Der Krieg in der Ukraine hat unmittelbare Auswirkungen auf die Landwirte in Niedersachsen. In Niedersachsen hat Greenpeace in Abwasserproben von Schlachtbetrieben gefährliche Bakterien nachgewiesen.

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