Bioenergiedorf Jühnde: Mit High-Tech in die Zukunft

+
Pionier beim Einsatz neuer Techniken: Eckhard Fangmeier, Vorstand der Bioenergiedorf-Genossenschaft in Jühnde, steht vor dem Gärsubstratlager. Künftig soll die Bioenergieanlage bedarfsorientierter gesteuert werden.

Jühnde. Jühnder Bürger investieren eine Million Euro in neue Technik und Steuerungssysteme für die Anlagen in ihrem Bioenergiedorf. Die Energieproduktion soll effektiver werden.

Vor zehn Jahren machte Jühnde bundesweit Furore: Als erstes Dorf in Deutschland stellte der 750-Einwohner-Ort seine Energieversorgung komplett auf erneuerbare Energien um. Seit September 2005 beziehen die in einer Genossenschaft zusammengeschlossenen Jühnder Strom und Wärme ausschließlich aus Biomasse. Jetzt wollen die Bioenergie-Pioniere erneut eine Vorreiterrolle übernehmen: Die Bürger investieren rund eine Millionen Euro in neue Anlagen und Steuerungstechniken.

Projekt Bioenergie 2.0

„Bioenergie 2.0“ heißt das Projekt, das eine effizientere, und bedarfsgerechtere Energieerzeugung ermöglichen soll (wir berichteten). „Wir machen damit einen weiteren großen Sprung nach vorne“, sagt Eckhard Fangmeier, Vorstandsmitglied und Sprecher der Bioenergiedorf Jühnde e.G.. Derzeit ruht die Energieversorgung auf drei Säulen: Örtliche Landwirte liefern Acker- und Grünlandpflanzen, die im Fermenter der Biogasanlage zusammen mit der Gülle aus den Rinder- und Schweineställen zum Biogas Methan vergoren werden.

Das Methan wird im benachbarten Blockheizkraftwerk verbrannt und zu Strom umgewandelt. Die Abwärme, die dabei entsteht, wird in das eigens gebaute örtliche Nahwärmenetz eingespeist und heizt die angeschlossenen Häuser.

Um den größeren Wärmebedarf im Winter decken zu können, wird in einer Holzhackschnitzelanlage Restholz aus den umliegenden Wäldern verbrannt.

Das Bioenergiedorf ist auch wirtschaftlich eine Erfolgsgeschichte. 2013 konnte die Genossenschaft erstmals eine Dividende an seine insgesamt 192 Mitglieder ausschütten. „Wir schreiben schwarze Zahlen, wollen unsere Ertragslage aber weiter verbessern“, sagt Fangmeier. Da in einigen Jahre die festen Einspeisevergütungen für Strom aus erneuerbaren Energien wegfallen werden, suchen die Jühnder nach Wegen, wie sie auch ohne diese Vergünstigungen finanziell gut über die Runden kommen können. (pid)

Produktion soll effizienter Werden

Um sowohl die Energieausbeute als auch die Ertragslage zu optimieren, wird die Bioenergie-Anlage am Ortsrand um zwei Wärmespeicher, zwei zusätzliche Blockheizkraftwerke sowie eine so genannte ORC-Komponente (Organic Rankine Cycle) erweitert.

„Mit diesem Verfahren können wir auch die Abwärme nutzen, die bei der Stromerzeugung anfällt, und daraus weiteren Strom gewinnen“, erläutert Eckhard Fangmeier, Vorstandsmitglied und Sprecher der Bioenergiedorf Jühnde. „Damit können wir den Wirkungsgrad deutlich erhöhen.“

Dank der zusätzlichen Blockheizkraftwerke kann die Anlage so viel Wärme produzieren, dass im Winter keine Holzhackschnitzel mehr „zugefüttert“ werden müssen. „Wir passen unsere Wärmeproduktion dem Bedarf an - im Sommer produzieren wir wenig, im Winter viel Wärme“, sagt Fangmeier.

Als weitere Komponente soll zudem eine Solaranlage installiert werden, um auch die Energie der Sonne nutzen zu können.

Auch die Biogasanlage soll effizienter werden. Eine so genannte Ultraschalldesintegrationsanlage sorgt künftig dafür, dass die Bakterien die organischen Stoffe besser aufschließen und abbauen können. Vor allem aber soll die Anlage flexibler werden und mal mehr und mal weniger Energie produzieren - je nachdem, wie groß gerade der Bedarf ist. „Wir wollen zum Beispiel zu den Tageszeiten, zu denen der Strom besonders teuer ist, möglichst viel Strom erzeugen“, erklärt Fangmeier.

Eine eigens für die Jühnder Genossenschaft entwickelte Spezial-Software soll die Bioenergieanlage so steuern, dass auch aktuelle Wetterbedingungen berücksichtigt werden. „So können wir auch auf die starken Schwankungen bei der Stromerzeugung aus Windkraft und Sonnenenergie reagieren“, sagt Fangmeier. „Wir produzieren den Strom genau dann, wenn er auch gebraucht wird.“

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.