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Biotech-Unternehmen Evotec will 400 Mitarbeiter einstellen und wünscht erneut einen Anbau

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Von: Thomas Kopietz, Michael Caspar

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Berühmte Namen: Das Biotech-Unternehmen Evotec hat seinen Standort im Science-Park an der Marie-Curie-Straße. Der Gebäudekomplex mit zwei Neubauten der GWG (rechts) bildet den Manfred-Eigen-Campus.
Berühmte Namen: Das Biotech-Unternehmen Evotec hat seinen Standort im Science-Park an der Marie-Curie-Straße. Der Gebäudekomplex mit zwei Neubauten der GWG (rechts) bildet den Manfred-Eigen-Campus. © Thomas Kopietz

Die Mitarbeiterzahl der Biotech-Firma am Standort Göttingen soll sich in den nächsten Jahren verdoppeln, doch die Evotech-Verantwortlichen stehen vor einem großen Problem.

Göttingen – 350 Menschen arbeiten für Evotec in Göttingen am Ort mit dem großen Namen: Manfred-Eigen-Campus. 400 weitere sollen in den nächsten zwei bis drei Jahren hinzukommen – die Mitarbeiterzahl der Hamburger Biotech-Firma wird sich also am dynamischen Standort Göttingen mehr als verdoppeln. Das kündigen die örtlichen Leiter, Dr. Uwe Andag und Thomas Paust, an.

Doch die Evotech-Verantwortlichen stehen vor einem Problem, das auch noch größere der Branche in Göttingen haben: „Es ist nicht einfach, Wissenschaftler, Bio-Informatiker oder Programmierer nach Südniedersachsen zu holen“, sagt Paust. Evotec lässt sich dabei unter anderem von Headhuntern („Kopfjäger“), also ein Personal-Suchender, helfen.

Zufriedene Führungsriege: von links Evotec-Standortleiter Jörg Patzak, Uwe Andag, Michaela Vihs, Thomas Paust sowie Vorstandsvorsitzender Dr. Werner Lanthaler. Das Unternehmen wächst in Mitarbeitern, Gebäuden und Zahlen.
Zufriedene Führungsriege: von links Evotec-Standortleiter Jörg Patzak, Uwe Andag, Michaela Vihs, Thomas Paust sowie Vorstandsvorsitzender Dr. Werner Lanthaler. Das Unternehmen wächst in Mitarbeitern, Gebäuden und Zahlen. © Michael Caspar

Vertreter in mehr als 40 Staaten

Um die neuen Beschäftigten unterzubringen, soll auf dem Manfred-Eigen-Campus an der Marie-Curie-Straße ein 20 000 Quadratmeter großer Erweiterungsbau entstehen. Zum Vergleich: Derzeit arbeiten in Göttingen 350 Menschen auf 1000 Quadratmetern. 100 von ihnen sind in den vergangenen zwei Jahren dazugekommen.

Der Altersdurchschnitt liegt mit 36 Jahren niedrig. Standortleiter Andag schwärmt von dem „innovativen, motivierten und flexiblen Team“ mit Vertretern von mehr als 40 Staaten.

„Ich muss mich angesichts des raschen Wachstums manchmal selbst in den Arm kneifen“, räumt Uwe Andag ein. Als er 2010 vom Göttinger Biotech-Konzern Sartorius zu Evotec wechselte, gab es gerade einmal 25 Kollegen.

„Seit 2015 sind wir jährlich um durchschnittlich 30 Prozent gewachsen“, berichtet Paust. Der Konzern erwirtschaftete 2021 mit 4200 Beschäftigten an 15 Standorten 618 Millionen Euro. 2025 soll es eine Milliarde Euro sein.

Evotec begleitet Arbeit mit potenziellen Wirkstoffen

Die Göttinger überprüfen für die Pharma-Industrie innerhalb kurzer Zeit jeweils eine große Zahl potenzieller Wirkstoffe etwa zur Behandlung von Stoffwechsel- und Infektionskrankheiten, neurologischen Leiden oder von Krebs. Evotec begleitet die Arbeit mit den vielversprechendsten Kandidaten bis in die klinische Entwicklung. Aktuell gibt es Projekte mit mehr als 40 Unternehmen.

Evotec kooperiert zudem mit rund 30 wissenschaftlichen Einrichtungen und zehn Stiftungen, darunter der von Bill und Melinda Gates. Schließlich übernehmen die Göttinger Auftragsarbeiten für mehr als 400 Biotech-Firmen.

Idee stammt von Göttinger Nobelpreisträger

„Ausgangsbasis unserer Arbeit ist eine molekulare Datenbank mit Informationen zu Zehntausenden Patienten“, führt Andag aus. Beim Screening verwendet Evotec Methoden der Bioinformatik und der Künstlichen Intelligenz (KI). Eigene Programmierer schreiben Software zur Datenauswertung. Die grundlegenden Ideen stammen vom Göttinger Nobelpreisträger Manfred Eigen, der die – 2010 von Evotec übernommene – Firma Devolgen gründete.

Eigen, der am damaligen Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie forschte und als Direktor wirkte, starb 2019. Von einem „Universalgenie“ spricht der Evotec-Vorstandsvorsitzende, Dr. Werner Lanthaler, wenn es um Eigen geht.

Die Evotec-Gebäude im Science-Park im Göttinger Westen am Rande des Industriegebiets Grone stellt die städtische Wirtschaftsförderung GWG bereit. 2020 bezog das Unternehmen einen 16 Millionen Euro teuren Anbau. (Michael Caspar und Thomas Kopietz)

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