Bischof auf Augenhöhe: Heiner Wilmer sprach mit Gläubigen in Göttingen

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Gefragter Gesprächspartner: Bischof Dr. Heiner Wilmer diskutierte nach dem Abend in der Kirche St. Heinrich und Kunigunde in Göttingen-Grone mit Besuchern der Veranstaltung.

Göttingen – Seit Anfang September ist Dr. Heiner Wilmer (57) als neuer Hildesheimer Bischof im Amt. Jetzt kam der Oberhirte der katholischen Christen in Südniedersachsen mit Gläubigen in Göttingen ins Gespräch – ein Check.

Wilmer hat hat sich in seinem ersten Jahr als Bischof vorgenommen, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Dazu gehören auch Besuche mit Dialog-Abenden in den großen Städten des Bistums. 

Locker. Der Bischof nutzte einen Stehtisch, um auf Augenhöhe mit den Fragestellern zu sein, die zu beiden Seiten des Altarraums standen. Zu Beginn gab es braven Applaus.

Was hat der Bischof zu den Strukturen innerhalb der Kirche gesagt?

Wilmer machte deutlich: „Es ist die Zeit vorbei, in denen wir von oben nach unten entscheiden. Das geht nicht mehr.“ Er spricht sich für die aktive Teilhabe der Gläubigen aus.

Wurde das Thema Missbrauch in der Kirche angesprochen?

Natürlich. Das Bistum Hildesheim habe schon vor seinem Amtsantritt wichtige Schritte in diesem Bereich gemacht.

Dechant Wigbert Schwarze (links) hatte Bischof Heiner Wilmer in Göttingen begrüßt.

Und weiter: „Es kann nicht sein, dass der Zirkel des Männerbündischen alles entscheidet.“ Stattdessen brauche die katholische Kirche Experten von außen, die „uns auf die Finger“ gucken.

Was hat das Bistum Hildesheim unternommen, um Missbrauchs-Straftaten aufzuklären?

Bischof Wilmer betonte, dass alle relevanten Akten von Lebenden und Verstorbenen an die Staatsanwaltschaft gegangen sind. Wilmer: „Wir arbeiten da voll umfänglich zusammen und verbergen auch nichts.“ Dies wisse auch die niedersächsische Justizministerin.

Wie will das Bistum zukünftig seine Weiterentwicklung anpacken?

Laut Wilmer können sich alle Seiten auf „Verbindlichkeit“ verlassen. Die Bistumsleitung werde nicht alle zwei bis drei Jahre mit einem neuen Plan ankommen. Außerdem sollen Orte der Glaubenserfahrung geschaffen werden. „Es kann nicht sein, dass wir bei der Verkündung des Glaubens von der Theorie her ansetzen.“

Ging es bei dem Dialog auch um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche?

Selbstverständlich. Mit Nachdruck wurde unter dem Beifall der Anwesenden gefordert, dass Frauen für das Diakonat (eine Stufe unter dem Priesteramt) in der katholischen Kirche zugelassen werden.

Wie äußerte sich Bischof Wilmer dazu?

Aus seiner Sicht könnten getaufte Männer und Frauen deutlich mehr Positionen in der Kirche einnehmen. Er sieht Möglichkeiten für eine angemessene Rolle der Frau.

Sprach mit den Gläubigen: Bischof Dr. Heiner Wilmer

Allerdings brauche es dafür etwas Geduld. Und er wies darauf hin, dass in der griechischen Übersetzung des Römer-Briefs von „Diakonin“ die Rede sei.

Wie geht Wilmer selbst mit der Rolle der Frau um?

Für sich selbst hat Wilmer schon Fakten geschaffen: Bislang war der „Geheimsekretär“ oder persönliche Referent des Bischofs immer ein Priester. Wilmer hat mit Dr. Dagmar Stoltmann-Lukas bewusst eine Frau in diese wichtige Position berufen.

Ging es auch um das Thema Liebesbeziehungen von Priestern?

Ja. Aus Sicht von Wilmer ist Sexualität ein schwieriges Thema in der Kirche. Und er glaubt, dass es gut für die Kirche wäre, wenn bei diesem Thema das Verstecken aufhört und „wir ehrlich miteinander umgehen“ können.

Wie steht Wilmer zum Thema Ökumene?

„Die Zeit ist vorbei, dass wir unter den Christen nicht zusammenhalten“, machte Wilmer vor den Zuhörern deutlich. So setzte er sich persönlich für die Ökumene ein und predigte anlässlich des Reformationstages im vergangenen Jahr im Braunschweiger Dom.

Meldeten sich auch kirchliche Mitarbeiter zu Wort?

Ja. Eine Beschäftigte beklagte, dass viele Stellen oft nur befristet sind. Dabei sei gerade in der „Beziehungsarbeit“ zum Beispiel mit Jugendlichen eine Kontinuität wichtig. Wilmer sagte dazu: „Es ist ein Unding, wenn leitende Leute ständig wechseln.“

Wie war die Stimmung am Ende des Abends?

Wilmer bekam deutlich mehr Applaus als zu Beginn. Viele sprachen ihn im Anschluss an, ließen sich Autogramme geben.

Der Werdegang von Bischof Wilmer

- geboren am 9. April 1961 in Schapen (Emsland)

- August 1980 Eintritt in die Ordensgemeinschaft der Herz-Jesu-Priester

- 1980 bis 1982 Noviziat in Freiburg

- 1985 Ablegung der Ewigen Profess

- 31. Mai 1987 Priesterweihe in Freiburg

- 1987 bis 1993: Studium in Rom und Freiburg

- 1993 bis 1995 Referendar am Windthorst-Gymnasium in Meppen 1995

- 1997 Lehrer für Religion, Geschichte und Politik und sowie Schulseelsorger an der Liebfrauenschule in Vechta

- 1997 bis 1998 Lehrer für Deutsch und Geschichte an der Fordham Preparatory School (Jesuit High School) in New York (Bronx)

- 1998 bis 2007 Schulleiter des Gymnasium Leoninum Handrup

- 2007 bis 2015 Provinzial der Deutschen Ordensprovinz der Herz-Jesu-Priester in Bonn

- 2015 bis 2018 Generaloberer der Herz-Jesu-Priester in Rom 6.4.2018 Ernennung zum 71. Bischof von Hildesheim 

- 1.9.2018 Weihe zum Bischof und Amtseinführung im Bistum Hildesheim

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