Prozess um tödliche Attacke

Bissiger Bullterrier versperrte Göttinger  Wohnung des Opfers

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Göttingen. Im Prozess um eine tödliche Messerattacke in der Innenstadt von Göttingen hat das Landgericht am Donnerstag den Polizisten als Zeugen gehört, der damals die Ermittlungen geführt hatte.

Er kenne den 38-jährigen Angeklagten bereits von seiner früheren Tätigkeit im Drogenkommissariat her, sagte der Ermittler. Der 38-Jährige muss sich in dem Verfahren wegen Totschlags verantworten. Laut Anklage soll er im August vergangenen Jahres einem 44-jährigen im Verlauf eines Streits vor einer griechischen Gaststätte ein Messer in den Bauch gestochen haben. Der Schwerverletzte war kurz darauf in einer Apotheke zusammengebrochen und verstorben. Zuvor hatte er noch gegenüber Mitarbeitern der Apotheke den Namen des Angeklagten genannt, der damit als dringend tatverdächtig galt.

Die Fahnder spürten den 38-Jährigen in einer psychiatrischen Klinik auf, wo er sich im Rahmen einer Drogenersatztherapie seine Medikamente abholte. Am Tatabend hatte er sich dort aufnehmen lassen. Mit Zustimmung des behandelnden Arztes, den der 38-Jährige zuvor von seiner Schweigepflicht entbunden hatte, habe man den Tatverdächtigen dann zur Dienststelle mitgenommen, sagte der Polizist. Als sie ihn mit dem Tatvorwurf konfrontierten, habe der 38-Jährige gesagt, dass doch jemand vor dem griechischen Lokal den Vorfall gesehen haben müsse. Die Ermittler hatten ihm gegenüber den genauen Tatort allerdings gar nicht erwähnt.

Die Polizei nahm im Zuge ihrer Ermittlungen auch das Appartement des Opfers in einem Wohnkomplex an der Groner Landstraße unter die Lupe. Allerdings hatten sie zunächst Probleme, dort hineinzukommen: In der Wohnung habe sich ein Hund befunden, der sehr aggressiv und bissig gewesen sei, sagte der Polizist. Selbst erfahrenen Tierfängern der Feuerwehr sei es nicht gelungen, den Staffordshire Bullterrier einzufangen.

Schließlich habe man einen anderen Hausbewohner hinzugeholt, der bereits mehrfach den Hund des 44-Jährigen betreut hatte. Die Ermittler stellten dann fest, dass in der Wohnung eine Kamera installiert war, mit der auch Gespräche aufgenommen wurden. Außerdem fanden sie Heroin, Streckmittel und andere Drogenutensilien. Zeugen bestätigten, dass der 44-Jährige mit Heroin gedealt hatte. Einige hätten ihn als cholerischen Typ bezeichnet, der sich als „kleiner König im Bunker“ aufgespielt habe. Wegen seines bissigen Hundes hätten viele Bewohner Angst vor ihm gehabt.

Wenige Tage nach der Festnahme des 38-Jährigen meldete sich bei der Polizei der Anwalt einer Hausbewohnerin und teilte mit, dass seine Mandantin etwas zum möglichen Hintergrund der Tat sagen könnte.Die 43-Jährige berichtete dann, dass der Angeklagte sie zwei Wochen vor der Tat zweimal bedroht habe. Zunächst habe er sie gezwungen, ihm 200 Euro auszuhändigen. Später habe er sie mit einem Rohr angegriffen und mehrere hundert Euro aus ihrer Wohnung entwendet. Sie habe dann dem 44-Jährigen von diesen Vorfällen erzählt, und dieser habe gesagt, dass er sie beschützen werde.

Bald darauf soll der Angeklagte zum 44-Jährigen haben: „Misch dich nicht in Geschichten ein. Ich habe es dir gesagt, ich stech‘ dich ab.“ Der Prozess wird Ende März fortgesetzt. (pid)

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