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Blindgänger-Entschärfungen: 78 Container schützen S-Arena — strammer Zeitplan für Experten

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Von: Raphael Digiacomo, Stefan Rampfel, Bernd Schlegel

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Am Samstag stehen die Entschärfung von fünf Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg in Göttingen an. Bis 22 Uhr wollen die Sprengmeister ihre Arbeit abschließen.

Göttingen – 78 Übersee-Container sollen die S-Arena in Göttingen bei der Bombenentschärfung an diesem Wochenende schützen. Sie wurden im Laufe der Woche im Bereich zwischen der Sportarena und Leine aufgestellt.

Das wurde am Freitag bei einem Ortstermin bekannt. Etwa die Hälfte der „Stahlkisten“ wurden von der Berufsfeuerwehr mit jeweils 24 Kubikmeter Wasser gefüllt und sollen so die S-Arena, falls Blindgänger vor Ort gesprengt werden müssen, vor Schäden schützen.

Bombenentschärfung in Göttingen: 78 Container, Wassertanks und schweres Bauvlies schützen S-Arena

Insgesamt 78 Überseecontainer schützen die S-Arena in Göttingen.
Insgesamt 78 Überseecontainer schützen die S-Arena in Göttingen: Sie wurden in dieser Woche aufgebaut. Etwa die Hälfte der „Stahlkisten“ ist mit jeweils 24 Kubikmeter Wasser gefüllt. © Stefan Rampfel

Die Fensterfronten der Arena wurden zusätzlich mit schwerem Bauvlies verhängt. Mitten durch die Skateranlage musste außerdem eine Baustraße gelegt werden. „Natürlich werden wir versuchen, ohne Sprengungen auszukommen“, kündigte Marcus Rausch, der als einer von Sprengmeistern vor Ort sein wird, an.

Wie genau die Blindgänger, die in etwa sechs Meter Tiefe liegen, entschärft werden können, entscheidet sich erst, wenn sie freigelegt sind. Sollte es sich um einen gefährlichen „Langzeitzünder“ handeln, so muss gesprengt werden. Bei einem „Aufschlagzünder“ können die Kampfmittelexperten diesen unter Umständen behutsam ausbauen und damit den Blindgänger unschädlich machen.

Pumpen senken Grundwasserspiegel um an Bomben ranzukommen

Zwischen S-Arena und Leine laufen seit Tagen zahlreiche Pumpen, um den Grundwasserspiegel zu senken, damit die Experten an den Bomben problemlos arbeiten können.

Der Materialeinsatz für die Entschärfung ist beachtlich: 56 Wassersäcke, 70 Big-Packs, 100 Kubikmeter Bausand, 100 Sandsäcke, 160 Strohballen (gespendet vom Landvolk) und fünf Holzkonstruktionen des Technischen Hilfswerks wurden am Einsatzort installiert und sollen im Falle einer Sprengung Schutz bieten.

Anwohner danken persönlich für Einsatz: Sprengmeister Thorsten Lüdeke wird zum „Star“

Der Pressetermin im Vorfeld der Bombenentschärfungen war am Freitag gerade vorbei – da rief eine Dame über den Grundstückszaun: „Wo ist Thorsten Lüdeke? Wir wollen Sprengmeister Thorsten Lüdeke sehen!“

Sprengmeister Thorsten Lüdeke unterhielt sich mit seinen „Fans“ Bettina Köhler-Heine (rechts) und Sabine Niekamp.
Gespräch über den Zaun: Sprengmeister Thorsten Lüdeke unterhielt sich mit seinen „Fans“ Bettina Köhler-Heine (rechts) und Sabine Niekamp. © Stefan Rampfel

Sofort stürzte sich der Tross der Medienmacher auf die Dame und ihre Freundin, beide Anwohnerinnen des Narzissenweges, der direkt an den Leineradweg grenzt und nur rund 130 Meter von den Bombenkratern entfernt ist. Etwas verlegen kamen auch Thorsten Lüdeke und sein Kollege Marcus Rausch an den Zaun. „Wir wollten Ihnen ganz herzlich danken“, sagte Bettina Köhler-Heine.

„Sie machen eine großartige Arbeit und riskieren Ihr Leben für uns Anwohner.“ Köhler-Heine hat ihre Freundin Sabine Niekamp mitgebracht, die gegenüber wohnt. Beide haben ihren „Star“, Thorsten Lüdeke, noch nie in Person gesehen. Die beiden Sprengmeister bedankten sich für die herzliche Unterstützung: „So ein Dank kommt an“, sagte Rausch.

Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes wollen Einsatz möglichst noch am Abend beenden

Bereits um 4.30 Uhr beginnt am Samstag der Einsatz. Ab diesem Zeitpunkt wird die Technische Einsatzleitung der Berufsfeuerwehr besetzt sein, die alle Aktivitäten abseits der eigentlichen Entschärfungsaktion koordiniert.

Ab 6 Uhr werden Mitarbeiter der Feuerwehr mit Unterstützung der Polizei im Evakuierungsgebiet von Haus zu Haus gehen. Außerdem werden ein Hubschrauber und mehrere Drohnen, die alle mit Wärmebildkameras ausgestattet sind, aufsteigen und das Areal aus der Luft kontrollieren.

Um 9 Uhr wollen die Bombenexperten mit ihrer Arbeit starten – und möglichst bis 22 Uhr beenden. Weitere Informationen finden Sie hier. (Bernd Schlegel, Raphael Digiacomo, Stefan Rampfel)

Forum Wissen und Alter Botanischer Garten sind geschlossen

Wegen der Kampfmittelräumung an diesem Wochenende bleiben die Gebäude der Universität Göttingen im Bereich von Zentralcampus, Altklinik, Altem Botanischen Garten, Unterer Karspüle und Geiststraße sowie das Forum Wissen und das Historische Gebäude der SUB geschlossen und dürfen nicht betreten werden.

Damit sind auch die Kunstsammlung im Auditorium und die Sammlung der Gipsabgüsse antiker Skulpturen am Nikolausberger Weg 15 am Sonntag, 31. Juli, im Rahmen der Sonntagsspaziergänge nicht geöffnet.

Von der Sperrung nicht betroffen ist hingegen der Nordcampus: Das Geowissenschaftliche Museum an der Goldschmidtstraße ist am Sonntag wie gewohnt von 11 bis 16 Uhr für alle Interessierten geöffnet, so Universität Göttingen. (tko)

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