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Blindgänger in Göttingen: Vertiefte Suche an zwei Punkten notwendig

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Von: Bernd Schlegel

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14 Verdachtspunkte: Das Gelände an der Leine in der Göttinger Weststadt mit der S-Arena (unten rechts) aus der Luft. Die Sondierung wird sechs bis acht Wochen dauern.
14 Verdachtspunkte: Das Gelände an der Leine in der Göttinger Weststadt mit der S-Arena (unten rechts) aus der Luft. Die Sondierung wird insgesamt sechs bis acht Wochen dauern. (Archivbild) © Archiv/Stefan Rampfel/nh

Drei von 14 Blindgänger-Verdachtspunkten nahmen Kampfmittelexperten in der ersten Untersuchungswoche am östlichen Ufer der Leine im Bereich westlich des Schützenplatzes in Göttingen unter die Lupe.

Göttingen – Ergebnis: Bei einem Punkt kann Entwarnung gegeben werden. Dort liegen keine Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Bei den beiden anderen Punkten sind vertiefte Erkundungen notwendig, um einen möglichen Verdacht endgültig auszuschließen.

Anfang vergangener Woche hatte das Projekt begonnen (wir berichteten). Die Arbeiten sind deshalb so aufwendig, da je Verdachtspunkt bis zu 60 einzelne Bohrungen notwendig sind.

Insgesamt werden in der Weststadt seit Mitte Oktober 80 Verdachtspunkte untersucht. Bislang wurden 25 Bereiche abschließend unter die Lupe genommen. Bei ihnen bestätigte sich der Verdacht nicht. An zwei Punkten lagen Handgranaten, die im Herbst gesperrt wurden.

In dieser Woche gehen die Arbeiten westlich des Schützenplatzes weiter. Dabei müssen insbesondere die Nutzer des Rad- und Fußweges östlich der Leine mit Behinderungen und Sperrungen rechnen. Weitere Infos gibt es hier. (Bernd Schlegel)

Zweiter Weltkrieg: Stadt Göttingen sucht Zeitzeugen

Die Göttinger Stadtverwaltung sucht mit Blick auf die laufenden Kampfmittelsondierungen Zeitzeugen. Sie werden gebeten, sich mit ihren individuellen Kenntnissen über mögliche Bombenblindgänger zu melden.

Nach den Erfahrungen des Kampfmittelbeseitigungsdienstes (KBD) Niedersachsen sind Angaben aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges und unmittelbar danach für die Ermittlungen besonders wertvoll.

Nach Angaben der Kampfmittelexperten dürfte es im Zweiten Weltkrieg 27 Luftangriffe auf Göttingen gegeben haben, dabei wurden den vorliegenden Unterlagen der Alliierten zufolge 2470 Bomben abgeworfen. Einige davon sind Blindgänger. Sie liegen möglicherweise auch an Standorten, die bisher noch unbekannt sind.

Sprengmeister Thorsten Lüdeke macht deutlich: „Hinweise von Zeitzeuginnen und -zeugen sind für unsere Arbeit sehr wertvoll. Sie haben damals den Krieg und die Zeit danach miterlebt. Sie können Ereignisse schildern und Informationen geben, die alte Dokumente oder Fotos einfach nicht vermitteln können.“ So sind die Experten in Niedersachsen schon mehrfach durch Hinweise auf im Erdboden verborgene Blindgänger aufmerksam geworden und konnten diese entschärfen oder kontrolliert sprengen. „Auch in Göttingen können Berichte von Zeitzeugen zu möglichen Blindgängern also sehr wichtig für die Sicherheit der Bewohnerinnen und Bewohner sein.“

Lüdeke appelliert deshalb an alle, die den Zweiten Weltkrieg noch miterlebt haben, sich bei der Stadt Göttingen zu melden – auch nach so vielen Jahren. „Die Weitergabe der Informationen ist sehr wichtig. Sonst gehen diese Angaben irgendwann verloren und Kampfmittel bleiben im Verborgenen. Viele stellen nach wie vor eine große Gefahr für Leib und Leben der Bewohnerinnen und Bewohner dar.“

Ein Zeitzeuge hat dies bereits getan. Er schilderte den Fachleuten die Lage eines Punktes, an dem nach seiner Erinnerung ein Blindgänger liegen müsste und zeigte ihnen später die Stelle vor Ort. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst gab daraufhin eine Luftbildanalyse in Auftrag. Diese zeigt eindeutig einen Blindgängerverdachtspunkt – genau an dieser Stelle. Dieser Punkt gehört nun zu den Bereichen, die nun vorrangig überprüft werden. (bsc)

Kontakt: Zeitzeugen, die Informationen zu möglichen Blindgängern haben, können sich montags bis donnerstags von 8 bis 15 Uhr sowie freitags von 8 bis 13 Uhr bei der Stadt Göttingen unter Tel. 0551/400-4045 oder unter E-Mail: kb@goettingen.de melden.

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