Blue Note dicht: Offene Bühne ab sofort im Freihafen

Im Blue Note: Im April 2014 hatten die Organisatoren des Vereins Kreuzberg on KulTour zur 100. offenen Bühne eingeladen. Foto: nh

Göttingen. Die offene Bühne des Göttinger Vereins Kreuzberg on KulTour muss umziehen. Grund: Mit dem Blue Note ist seit dem Jahreswechsel eine Kult-Spielstätte dicht.

Künftig wird die offene Bühne, die einmal im Monat stattfindet, ihr Domizil im Freihafen, Nikolaistraße 1b, haben. Die erste Aktion im neuen Jahr, bei der sich Künstler ganz unkompliziert präsentieren können, findet dort am Donnerstag, 8. Januar, ab 21 Uhr statt.

Der Verein Kreuzberg on KulTour bedauert die Schließung des Blue Note am Wilhelmsplatz. Nach der Eröffnung 1974 wurde das Blue Note zum einzigen Live-Club der Göttinger Innenstadt mit internationaler Bedeutung, berichtet der Verein. Musikgrößen wie Champion Jack Dupree, Louisiana Red, Eb Davis oder Eddy C. Campbell waren neben unzähligen anderen internationalen Stars in dem Göttinger Jazzkeller zu Gast. Auf den Touren, die Deutschlands größter Konzertveranstalter Fritz Rau buchte, war das Blue Note immer eine feste Station. Blind John Davis benutzte für ein Langspielplatten-Cover sogar ein Foto, das im Blue Note aufgenommen wurde.

Hintergrund für die Schließung zum Jahreswechsel: Die alte Mensa am Wilhelmsplatz wird von der Universität zu einem Seminar- und Tagungszentrum umgebaut. Dabei soll auch das Kellergewölbe renoviert werden. „Das ist zwar zu begrüßen, doch ob es nach der Fertigstellung 2016 wieder ein Gastronomiebetrieb werden wird, in dem auch Live-Musik möglich ist, ist aus heutiger Sicht unwahrscheinlich“, so der Verein Kreuzberg on KulTour. „Eine so lange Schließung ist für einen Live-Club, der ohne finanzielle Unterstützung auskommen muss, ohnehin tödlich“, sagt Klaus Wißmann, Vorsitzender des Vereins Kreuzberg on KulTour.

Aus seiner Sicht des Vereins fehlt Göttingen ohne das Blue Note eine der wichtigsten Konzertbühnen. „Darunter leidet die Göttinger Musikszene, denn nun sind dort voraussichtlich keine Konzerte mehr möglich“, heißt es weiter. Der Verein Kreuzberg on KulTour hatte nach eigenen Angaben in den vergangenen Jahren nicht nur das Blue Note, sondern auch andere Spielstätten in Göttingen massiv unterstützt beziehungsweise neue Spielstätten geschaffen. „Doch diese nur geringfügig, zu spärlich und zu hindernisreich geförderten Anstrengungen reichen nicht, um an verschiedenen Stellen der Stadt das Spielstättensterben zu stoppen“, betont Wißmann. Und weiter: „Das Blue Note ist nun das neueste Opfer und ein unwiederbringlicher, bedeutender Verlust für die Attraktivität Göttingens.“

Unterstützung für Live-Club

Aus Sicht von Wißmann wäre eine Intervention der Politik und des Kulturdezernates wünschenswert, um das Interesse der Stadt am Live-Club Blue Note gegenüber der Universität zumindest zu artikulieren. „Der Verein Kreuzberg on KulTour würde jedenfalls auch zukünftig gerne nach Kräften einen Live-Club dort aktiv unterstützen“, versichert Wißmann. (bsc)

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