Seltenes Ereignis

Blühende Titanwurz lockt Besucher in Botanischen Garten nach Göttingen

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Viele Besucher im Bitanischen Garten in Göttingen: Sie ließen es sich nicht nehmen, selbst Bilder der Blüte der Titanwurz zu machen.

Göttingen. Das wochenlange Warten hatte am heutigen Samstag ein Ende. Im Alten Botanischen Garten der Universität Göttingen blüht eine Titanwurz.

Noch bis Mitternacht ist deshalb heute die wissenschaftliche Einrichtung, Untere Karspüle 2, geöffnet. Die Blüte ist ein seltenes Ereignis, das Besucher erstmals in Göttingen erleben können. Nicht nur die Bevölkerung hat auf diesen Tag gewartet, sondern vor allem Dr. Michael Schwerdtfeger, Chef und Kustos des Gartens.

Das Hüllblatt war am Mittag weit aufgegangen und zeigte seine samtig-braunrote Innenseite. Nebeneffekt der Blüte ist ein morbider Aasgeruch, der zum Abend hin noch weiter zugenommen hat.

Freut sich über die seltene Blüte: Dr. Michael Schwerdtfeger

„Zählen kann man die Besucher nicht, aber es sind Tausende“, sagt Dr. Michael Schwerdtfeger begeistert. Am Nachmittag und Abend war die Schlange mindestens fünfzig Meter lang und reichte vom Farnhaus bis zum Cycadeenhaus, in dem der Titanwurz steht. „Ich freue mich unheimlich, dass die Besucher so begeistert sind. Es ist ein besonderer Tag heute.“

Der Göttinger Garten hatte vor drei Monaten drei Titanwurz-Pflanzen vom Frankfurter Palmgarten als kostbares Geschenk erhalten. Die Hoffnung war, dass eine der der Pflanzen in Kürze blüht, weil eine Knolle sehr groß war.

Die Titanwurz kommt eigentlich aus Sumatra (Indonesien) und gehört zur Familie der Aronstabgewächse. Sie bringt den größten unverzweigten Blütenstand im Pflanzenreich hervor. „Die Blume kann bis zu drei Meter hoch werden, unsere hat eine Höhe von 1,85 Meter“, erklärt Kustos Schwerdtfeger. „Es ist heftig, dass eine Pflanze einen Gestank produzieren kann wie eine tote Ziege. Das sind Substanzen, die sonst bei faulem Fleisch entstehen. Ich bin schwer begeistert, sagt der Blütenökologe Schwerdtfeger. Mit dem Aas-Gestank werden im Urwald Käfer angelockt, die für ihre Bestäubung sorgen.

Titanwurz: Die Blüte in voller Schönheit

Nicht nur beruflich, auch privat ist der 3. März ein besonderer Tag für Schwerdtfeger. Auf den Tag genau vor 28 Jahren hat er seine heutige Frau kennengelernt – ebenfalls im Alten Botanischen Garten in Göttingen. „Wenn ich damals gewusst hätte, dass mein Mann so eine Begeisterung für morbiden Gestank hat, dann bin ich mir nicht so sicher, ob ich ihn genommen hätte“, sagt Jutta Berle-Schwerdtfeger, Kustodengattin aus Leidenschaft. So schlimm wie erwartet war der Gestank aber nicht. „Wenn man eine Weile hier steht, nimmt man den Geruch gar nicht mehr wahr“, sagt sie.

Nach Ende des heutigen Schautages ist die Pflanze am Sonntag von 8 Uhr bis 18.30 Uhr zu sehen. „Wenn wir Glück haben, ist die Blüte dann noch offen“, sagt Schwerdtfeger. Danach gibt es wohl erst in einigen Jahren wieder die Gelegenheit dazu.

Dr. Michael Schwerdtfeger wird die Nacht auf Sonntag bei „seiner“ Titanwurz bleiben. „Ohne unser tolles Gärtner-Team wäre eine solche Leistung, wie wie sie hier in Göttingen zeigen, nicht möglich.“

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