Boat People: Theaterstück mit brandaktuellem Bezug und Flüchtlingen

Traumatisiert und auf der Flucht: Die jungen Schauspieler des Boat People Projekt bringen die Geschichten von Flüchtlingen auf die Bühne. Foto: Leissa

Göttingen. Das Freie Theater Boat People Projekt Göttingen steht vor der Premiere des neuen Stückes „Flutlicht“.

Doch die Aufführung am Freitag, 18. Dezember, im Flüchtlingswohnheim IWF steht unter keinem guten Stern, weil Familien abgeschoben werden sollen. Von der Entscheidung des Verwaltungsgerichts im Fall der Abschiebung zweier Göttinger Roma-Familien in den Kosovo ist einer ihrer Schauspielerinnen, die 15-jährige Anita Osmani, betroffen. „Wir werden auftreten, auf jeden Fall“, sagt Luise Rist, Regisseurin bei den Boat People. Die letzte reguläre Probe vor der Aufführung sei extrem wichtig, sagt sie, denn die Gruppe konnte aufgrund der schlechten Nachricht nicht häufig proben.

Die 23 Jugendlichen, die an dem Liederabend auf der Bühne stehen werden, leben alle in Göttingen. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan, Eritrea oder Somalia. Das Thema sei also Heimat: „Die Sehnsucht nach einem Zufluchtsort steht im Mittelpunkt der Handlung“, erläutert Rist.

Heimat ist aber nicht gleichbedeutend mit Geborgenheit: In der Anfangsszene spielt der Göttinger Komponist Hans Kaul holprig-langsame Klaviertöne ohne feste Melodie, der 18-jährige Saleh Drogba marschiert dazu wie ein Soldat. Wenig später fragt die Gruppe unisono, wem man auf der Welt vertrauen könne. Eine Debatte entsteht. Das Stück ist sowohl bedrückend als auch fröhlich, die Geschichten der Schauspieler sind traurig, aber auch herzlich – Heimat sei eben so ambivalent wie Liebe, sagt Rist.

Die nun von der Abschiebung bedrohte Anita Osmani wurde in Göttingen geboren, ihre Sorgen wurden in das Bühnenstück eingearbeitet. Sie bilde laut Sonja Elena Schröder eine Klammer, denn der Verlust der Heimat, den einige der ehemaligen Flüchtlinge der Gruppe erlebt haben, könne bald ihr widerfahren – durch die Abschiebung.

Schröder fertigte Videoaufnahmen von Orten in Göttingen an, die während des Stücks abgespielt werden. Die vier Sänger der Produktion zeigen mit Volksliedern aus ihrer Heimat und mit dem von Kaul komponierten Song „Heimat“ die Vielfalt des Themas auf.

„Sonst zeigen wir auf unserer Bühne Krisen aus anderen Ländern. Nun zeigen wir eine aus Göttingen“, sagt Rist bitter. Man wolle in Sinne Osmanis aber nicht aufgeben, sondern alles gemeinsam durchstehen.

Flutlicht wird vom 18. bis zum 20. Dezember, jeweils um 20 Uhr im IWF-Gebäude am Nonnenstieg 72, aufgeführt. Die Eintrittskarten kosten 13 Euro, ermäßigt acht Euro und können an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie über den Kartenservice www.reservix.de erworben werden. 

 Infos: www.boat-people-projekt.de

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