1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen
  4. Göttingen

Bomben in Göttingen: Fünf Entschärfungen am Samstag geplant

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Raphael Digiacomo, Bernd Schlegel

Kommentare

Drei Sprengmeister sind bei den Bombenentschärfungen in Göttingen am Samstag vor Ort. Fünf Bomben sollen möglichst bis zum Abend entschärft werden.

Göttingen – Mit gleich sieben Experten – drei Sprengmeistern und vier Munitions-Facharbeitern – ist am Samstag (30.07.2022) der Kampfmittelbeseitigungsdienst in der Göttinger Weststadt vor Ort, um mögliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg zu entfernen. Erklärtes Ziel der Fachleute ist es, möglichst noch am Samstagabend die Arbeiten abzuschließen.

Das machten die Fachleute am Dienstag (26.07.2022) bei einem Pressegespräch im Neuen Rathaus in Göttingen deutlich. Um dieses Ziel zu erreichen, sind aber gleich mehrere Faktoren notwendig. So ist es wichtig, dass der 1000-Meter-Radius rund um die fünf Bomben-Verdachtspunkte bis 6 Uhr am Samstag evakuiert wird, damit die Experten pünktlich um 9 Uhr mit den eigentlichen Arbeiten beginnen können.

Bombensondierungen in Göttingen: Ziel sind fünf Entschärfungen am Samstag

Hier sollen an diesem Wochenende fünf mögliche Bomben entschärft werden: Die Verdachtspunkte sind im Bereich von S-Arena (rechts oben) und Leine (unten) zu finden. Jetzt wurden Container als Schutzwände aufgebaut.
Hier sollen an diesem Wochenende fünf mögliche Bomben entschärft werden: Die Verdachtspunkte sind im Bereich von S-Arena (rechts oben) und Leine (unten) zu finden. Jetzt wurden Container als Schutzwände aufgebaut. © Stefan Rampfel

„Die Zahl von fünf Bomben an einem Tag ist eine besondere Herausforderung“, betonte Marcus Rausch vom Kampfmittelbeseitigungsdienst. Inzwischen werden im Bereich von Leineufer und S-Arena fächerförmig Wände aus Containern aufgebaut. Sie sollen dafür sorgen, dass die Kampfmittelbeseitigungsexperten effektiv arbeiten können und gleichzeitig bestmöglich geschützt sind.

In den vergangenen Tagen gab es bereits weitere Vor-Ort-Sondierungen der fünf möglichen Bomben, die in einer Tiefe von etwa sechs Metern im Boden liegen. Dabei wurde festgestellt, dass es sich vermutlich um Zehn-Zentner-Bomben handelt. Allerdings ist völlig unklar, welche Zünder verbaut wurden.

Leitet den Einsatzstab der Stadtverwaltung: Erster Stadtrat Christian Schmetz.
Leitet den Einsatzstab der Stadtverwaltung: Erster Stadtrat Christian Schmetz. © Per Schröter

Sollte es sich um sogenannte Langzeitzünder handeln, so ist in einem solchen Fall eine Sprengung vor Ort, wie Ende Januar 2021, das Mittel der Wahl. Dazu wird eine Ladung am Blindgänger angebracht, um diesen zur Explosion zu bringen. Alle Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes werden bereits spätestens am Freitag vor Ort sein, damit sie sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen können.

Große Herausforderung: Sprengexperten arbeiten an bis zu fünf Verdachtspunkten gleichzeitig

Göttingens Erster Stadtrat Christian Schmetz machte deutlich, dass die Arbeiten absolut im Zeitplan sind. „Der Einsatz ist komplex, gerade weil an mehreren Verdachtspunkten gleichzeitig gearbeitet werden wird.“ Doch habe man nach den vergangenen Jahren eine gewisse Routine bei den Sondierungen entwickelt.

Ein Experte für Blindgänger: Marcus Rausch ist einer der drei Sprengmeister.
Ein Experte für Blindgänger: Marcus Rausch ist einer der drei Sprengmeister. © Bernd Schlegel

Einwohner aus dem Evakuierungsgebiet, die sonst keinen Platz gefunden haben, können in das Ausweichquartier im Felix-Klein-Gymnasium gehen, dass auch von den Sonderfahrten der Göttinger Verkehrsbetriebe am frühen Samstagmorgen angefahren wird.

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass im Evakuierungszentrum Essen, Getränke, Betten und Platz für Haustiere zur Verfügung steht. Das Zentrum wird mindestens bis Sonntagmorgen geöffnet sein, auch wenn die Entschärfung früher abgeschlossen sein sollte. Weitere Informationen finden Sie hier. (Bernd Schlegel/Raphael Digiacomo)

1800 Einsatzkräfte sind an der Bombenentschärfungsaktion beteiligt

Um die vielen Aufgaben während der Bombenentschärfung bewältigen zu können, ist eine Vielzahl an ehren- und hauptamtlichen Einsatzkräften erforderlich. Die Stadt Göttingen gibt ihre Zahl mit etwa 1800 an. Sie kommen unter anderem von den Feuerwehren, dem Technischen Hilfswerk (THW) und den Rettungsdiensten (unter anderem Johanniter).

Wichtige Aufgaben erfüllt zudem die Polizei. Sie sperrt die Straßen zum 1000-Meter-Evakuierungsradius weiträumig ab und unterstützt die Stadt bei der Räumung der Wohnungen. Um mögliche Evakuierungs-Verweigerer aufzuspüren, wird auch ein Hubschrauber über dem Stadtgebiet kreisen. Außerdem sind mehrere Spezial-Drohnen im Einsatz. Alle diese Fluggeräte sind mit Wärmebildkameras ausgestattet.

Rainer Nolte, Chef der Polizeiinspektion Göttingen, kündigte unterdessen an, dass die Polizei bei der Evakuierung mit Augenmaß aber gleichzeitig „konsequent“ vorgehen werde. (bsc)

Auch interessant

Kommentare