22 Beschuldigte  

Für Bombenbau genutzt: Polizei legt Plattform "xplosives.net" lahm

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Die Polizei hat unter Führung aus Göttingen die Plattform xplosives.net lahmgelegt. Sie wurde offenbar für Sprengstoff- und Bombenbau genutzt.

Die Polizei hat unter Führung aus Göttingen die Plattform xplosives.net lahmgelegt. Sie wurde offenbar für Sprengstoff- und Bombenbau sowie Drogen- und Waffengeschäfte genutzt.

Bei Durchsuchungen bei den ausschließlich männlichen Verdächtigen im Alter zwischen 17 und 55 Jahren wurden etwa 130 Kilogramm Grundstoffe zur Sprengstoffherstellung gefunden. 1000 Beamte waren dazu ab 4.30 Uhr im Einsatz. Darauf waren beispielsweise Anleitungen für die Herstellung von Sprengstoffen und -bomben sowie Mitschnitte von Explosionen zu finden. 

Außerdem gab es laut Polizei dort Anleitungen für den Bau von Kriegswaffen und die Herstellung von synthetischen Drogen. Weiterhin wurden dort Betäubungsmittel und chemische Grundstoffe für die Sprengstoffherstellung gehandelt. 

Polizei ermittelt seit 2018 gegen Betreiber, Macher und Nutzer

Seit September 2018 ermittelten Experten der Polizeidirektion Göttingen gegen Betreiber, Macher und Nutzer der Internetseite. Durch Überprüfungen des Landeskriminalamtes war xplosives.net ins Visier der Polizei geraten, wie Polizeipräsident Uwe Lührig in Göttingen sagte. 

Die Polizei hat unter Führung aus Göttingen die Plattform xplosives.net lahmgelegt. Sie wurde offenbar für Sprengstoff- und Bombenbau genutzt.

In Baden-Württemberg habe die Polizei so viel gefunden, dass es zum Bau einer „Superbombe“ gereicht hätte, sagte Kriminaldirektor Mathias Schroweg von der Zentralen Kriminalinspektion, die ihren Sitz in Hildesheim hat. Außerdem fand die Polizei unter anderem 30 Kilogramm synthetische Drogen sowie viele digitale Speichermedien. Hinzu kommen Gewehre und Kleinkalibermunition. 

Wiederkehrende „Spreng-Conventions“ der Bombenbauer

Die Beschuldigten, die alle weiterhin auf freiem Fuß sind, haben nach Angaben der Beamten „ganz normale Berufe“, sind zum Teil Schüler oder Studenten. Eine politische Ausrichtung der mutmaßlichen Täter konnte die Polizei nicht feststellen. Polizeipräsident Lührig sprach in einer Pressekonferenz davon, dass es sogar wiederkehrende „Spreng-Conventions“ der Bombenbauer gegeben habe. Dabei traf man sich und dokumentierte die illegalen Aktionen auf Video. 

Noch ist unklar, wo diese Sprengungen genau stattfanden. Die Ermittlungen dazu dauern weiter an. „Die Plattform diente dem Austausch von Know-how“, skizzierte Lührig eine der Funktionen der Internetseite zum Thema Sprengstoffe. xplosives.net war seit 2006 öffentlich für jedermann im Internet zugänglich. 

Außerdem gab es Chat- und Shopfunktionen sowie Anleitungen, wie man sich bei Razzien der Strafverfolgungsbehörden verhalten solle beziehungsweise wie Sprengstoffe oder die gefährlichen Grundstoffe gut versteckt werden können. 

Daten wurden gesichert

Die Seite wurde am Dienstag für den Zugriff gesperrt und ist inzwischen mit einem entsprechenden Hinweis von Polizei und Staatsanwaltschaft versehen. Die Domain war in Kroatien angemeldet, der Server mit den Daten stand in Litauen. Deshalb gab es Polizeieinsätze in beiden Ländern. Außerdem sicherte die Polizei die Daten von dem Server, um diesen nach weiteren Hinweisen durchsuchen zu können. 

Insgesamt gab es auf der Seite etwa 3000 angemeldete Nutzer, darunter 360 aktive Teilnehmer im vergangenen Jahr. Die Polizei kündigte an, dass es insbesondere bei dieser Gruppe weitere Nachforschungen geben wird. Die Seite selbst wurde von fünf Moderatoren und zwei technischen Administratoren betreut. Ihre Verbindung zum Server wurde ebenfalls gekappt. 

Durchsuchungen in Niedersachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen

„Wir haben jetzt alle Daten“, sagte ein Staatsanwalt am Dienstag. In Niedersachsen gab es Durchsuchungen in Schwanewede an der Unterweser, in Cloppenburg im Nordwesten sowie in Hillerse bei Gifhorn. In Hessen wurde in Darmstadt, Frankfurt und in kleineren Ortschaften im Rhein-Main-Gebiet ermittelt. In Nordrhein-Westfalen rückten die Beamten unter anderem in Lüdenscheid an. 

Bei den Einsätzen waren auch zahlreiche Spezialisten, wie Entschärfer sowie Physiker und Chemiker vor Ort, damit niemand durch die Sprengstoffe gefährdet wurde. Die Ermittlungen der Spezialisten gehen nun weiter. Möglicherweise werden die Verfahren auf verschiedene Staatsanwaltschaften aufgeteilt.

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