Linienbus wurde in die Luft katapultiert

Bombenentschärfung Göttingen: In der Nähe gab es 1998 eine folgenschwere Explosion

Ein Feuerwehrmann überprüfte die Gaskonzentration über dem Explosionskrater.
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Rückblick: Ein Feuerwehrmann überprüfte Ende 1998 die Gaskonzentration über dem Explosionskrater an der Pfalz-Grona-Breite, konnte jedoch nichts feststellen.

In der Weststadt sollen an diesem Wochenende möglicherweise vier Blindgänger entschärft werden. In unmittelbarer Nähe von zwei der vier Verdachtspunkte gab es Ende 1998 eine folgenschwere Explosion.

Göttingen – Damals wurde ein Linienbus in die Luft katapultiert, drei Menschen wurden teils schwer verletzt. Doch eine Bombe habe angeblich nie nachgewiesen werden können.

Gas oder Bombe?

Was geschah vor gut 22 Jahren? Am Morgen des 30. Dezember 1998 kam es zu der gewaltigen Explosion, als gerade ein Stadtbus an der Bushaltestelle „St.-Godehard-Kirche“ stand. Ein vier Meter breiter und rund zwei Meter tiefer Krater entstand und lief voll Wasser. Experten begannen sofort mit der Suche nach der Ursache. Gas oder eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg kamen als die wahrscheinlichsten Möglichkeiten in Betracht. Obwohl in bis zu sieben Meter tiefen Bohrungen Bombensplitter geortet werden konnten, wurde diese Variante mit folgender Begründung verworfen: Die geborgenen Splitter waren so stark korrodiert, dass sie nicht von der gerade stattgefundenen Explosion stammen könnten.

Untersuchungen

Daraufhin wurden die Ermittlungen in Richtung einer Gasexplosion gerichtet, weil direkt am Explosionsort eine Gasleitung verläuft. Nach einigen Wochen waren sich die Experten aber einig, dass auch Gas als Ursache auszuschließen sei. Vor allem das Fehlen eines unterirdischen Hohlraumes für ein explosionsfähiges Gemisch ließ damals Zweifel an einer Gasexplosion aufkommen.

Ein erneuter Versuch, mit tieferen Bohrungen nochmals nach Bombensplittern zu suchen, wurde von der Staatsanwaltschaft aus Kostengründen in letzter Minute abgesagt, wie es auf der Homepage der Göttinger Erdbebenwarte heißt.

Somit ist bis heute die Ursache für die Explosion nicht abschließend geklärt. Daher konnte auch nie jemand für die Kosten der Behandlung der Businsassen, der Beseitigung der Sachschäden und der Untersuchungen haftbar gemacht werden.

Sprengtrichter

Mitglieder der Wiechert’schen Erdbebenwarte Göttingen kommen zu dem Schluss, dass es sich bei der Explosion im Dezember 1998 um eine Bombe gehandelt haben muss. Dafür gebe es mehrere Gründe: Der Sprengtrichter hat eine ähnliche Größe wie bei einer Explosion am 21. Dezember 1992 auf dem Schützenplatz, wo eine 450 Kilogramm schwere Fliegerbombe explodierte. Damals waren rund 110 Kilogramm Sprengstoff in sieben Meter Tiefe hochgegangen.

Seismologische Daten

Auch aufgrund der Übereinstimmung der seismologischen Daten von 1992 und 1998, die der 17-Tonnen-Wiechert-Seismograph im Göttinger Stadtwald aufgezeichnet hat, deutet alles auf einen Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg hin. Die seismischen Wellenformen und Energiespektren sind sehr ähnlich. Das Fehlen von Bombensplittern könne so gedeutet werden, dass die Explosion unter der bisher beprobten Tiefe von sieben Metern stattfand.

Bleibt abzuwarten, was der Kampfmittelbeseitigungsdienst an diesem Samstag in der Erde findet. Neben den beiden Stellen vor der St.-Godehard-Gemeinde wird zudem an zwei Stellen im Bereich des Leineradweges gegraben.

Hintergrund: Mehr als 8000 Menschen werden evakuiert

Etwa 8300 Einwohner in der Göttinger Weststadt müssen am Samstag, 30. Januar, in den frühen Morgenstunden wegen einer möglichen Bombenentschärfung in einem 1000-Meter-Radius evakuiert werden. Die Stadt geht davon aus, dass die Betroffenen erst am Sonntag, 31. Januar, in den Morgenstunden wieder in ihre Wohnungen können. goe.de/bombenverdacht (Stefan Rampfel)

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