Comic-Zeichner präsentierte Buch über Flüchtlingsschicksale

Comic über Flüchtlingsdrama: Reinhard Kleist hat die Fluchtgeschichte der Läuferin Samia Yusuf Omar aus Somalia in einer Graphic Novel verarbeitet, die er im Literarischen Zentrum vorstellte. Foto: Kopietz

Göttingen. Der mehrfach preisgekrönte Comic-Zeichner Reinhard Kleist hat ein Buch über ein Flüchtlingsdrama gemacht. Er präsentierte „Mein Traum von Olympia“ im Literarischen Zentrum.

Am Mittwoch meldeten die Agenturen: Dramatischer Anstieg bei den Flüchtlingen, die den Weg vom afrikanischen auf den europäischen Kontinent suchen. Die Bilder von überfüllten Flüchtlingsbooten, von geborgenen Leichen, von verstörten, entkräfteten Menschen sind fast täglich im Fernsehen zu sehen.

Bücher zum wohl wenig populären Thema Flüchtlingsdrama gibt es wenige. Wohl auch, weil es nicht einfach ist, sich ihm zu nähern. Reinhard Kleist, bekannt geworden durch Graphic-Novel-Biografien, hat ein Buch gezeichnet und geschrieben.

Animiert wurde Kleist durch die tragisch endende Lebensgeschichte einer jungen Afrikanerin aus Somalia, die eine Berühmtheit war: Samia Yusuf Omar wird 2008 zur Olympia-Heldin, die schmächtige Frau aus dem Bürgerkriegsland Somalia kommt bei einem 200-Meter-Vorlauf im Olympiastadion von Peking als Letzte ins Ziel und wird gefeiert wie die Siegerin. Die Bilder gehen um die Welt.

Vier Jahre später bei den Olympischen Spielen in London bewegt ein Bericht des somalischen Läufers Abdi Bile die Menschen: Er erzählt vom Schicksal der Samia Yusuf Omar, die 2011 die Flucht vom afrikanischen Horn über Äthiopien, den Sudan und Libyen wagt, um ihren Traum zu leben: Olympia, London 2012. Dort kommt sie nie an: Beim Versuch der Rettung von einem Flüchtlingsboot vor Malta stürzt Samia ins Meer und ertrinkt. Die 21-Jährige kann nicht schwimmen.

Kleist hat die Geschichte der Flucht recherchiert, über die Journalistin Teresa Krug viel erfahren, hat mit Angehörigen gesprochen. Er war auch in Flüchtlingslagern, hat die Menschen kennengelernt, die Schicksale, die Verzweiflung.

Am Ende der intensiven Recherche steht eines der ersten Bücher zum Thema Flucht über das Mittelmeer. „Das war mir gar nicht so bewusst“, sagt er im Literarischen Zentrum. All diese Erfahrungen sind bei der neun Monate währenden Produktion in seine Schwarz-Weiß-Zeichnungen eingeflossen. Dramatik und Stimmungen erzeugt er mit Schwarzschattierungen und Weißflächen. So entsteht ein eindringliches Werk über die Fluchten, die Menschen, die Machenschaften der über Leichen gehenden Schleuser, aber auch über den speziellen Zahlungsverkehr des Geschäfts Fluchthilfe. Und über den Traum einer jungen Sportlerin.

Das Buch knüpft an Kleist´ legendären Biografie-Vorgänger „Der Boxer“ und „Castro“ an. Dafür hat Kleist der Comic-Biograf Preis gewonnen. „Der Traum von Olympia“ ist unzweifelhaft auch preiswürdig.

• „Der Traum von Olympia“, Reinhard Kleist, Comic, Carlsen-Verlag, 17,90 Euro.

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