Deutsches Programm im Fernen Osten

Mit Brahms nach China: Das Göttinger Symphonie-Orchester auf Reisen

Gibt auch den Mann am Klavier: Christoph-Mathias Mueller, der Generalmusikdirektor des Göttinger Symphonie-Orchesters. Foto: Kopietz

Göttingen. Das größte Tournee-Ereignis in der 152-jährigen Geschichte des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) beginnt am 11. Dezember.

Dann brechen die 60 Musiker mit ihrem Dirigenten Christoph-Mathias Mueller zu einer knapp zweiwöchigen Konzertreise nach China auf. Dort geben die Göttinger, verstärkt durch einige Musiker des HR-Sinfonieorchesters, sechs Konzerte, je zwei in der nordwestchinesischen Hafenstadt Dalian, im zentralchinesischen Wuhan und in Schanghai.

Der Kontakt nach China kam durch eine chinesische Geigerin zustande, mit der Mueller während seines Studiums in Cincinnati zusammengearbeitet hatte. Aber das reichte noch nicht aus. „Die chinesischen Konzertveranstalter sind sehr anspruchsvoll“, hat der Dirigent erfahren. Erst nachdem man CD-Aufnahmen des GSO gehört und ein Konzert in Göttingen besuchte hatte, wurde die Tournee vereinbart.

Die Gastgeber erwarten vom Göttinger Symphonie-Orchester eine Begegnung mit der deutschen Orchestertradition. Für Mueller ist das eine schwer zu beschreibende Art, musikalische Themen zu phrasieren, eine Empfindsamkeit, die sich im Orchester herausgebildet hat und weiter „vererbt“ wird.

„Wir spielen deshalb auch ein deutsches Programm“, sagt Mueller. Etwas leichtere Muse im ersten Teil mit Sätzen aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ sowie drei Ungarische Tänze von Brahms, und nach der Pause Brahms’ zweite Sinfonie. Dazu als Verbeugung vor den Gastgebern die in China berühmte „Festival Spring Overture“ von Li Huanzhi.

Für Mueller ist die Einladung nach China nicht nur eine Bestätigung, dass die Qualität des Orchesters in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist, sondern auch „ein wichtiger Punkt im Orchesterleben“, weil die Musiker dadurch noch weiter zusammenwachsen. Darüber hinaus ist die Tournee auch gut fürs Prestige des GSO in Göttingen selbst.

„Das GSO wird in der Stadt als Selbstverständlichkeit angesehen“, sagt Mueller. Das sei zwar positiv, dennoch müsse man gelegentlich auch „ein Ausrufezeichen setzen“. Was Mueller nicht erwähnt: So erleichtert man es der Stadt, dem Landkreis, dem Land Niedersachsen und dem Landkreisverband als Trägern des GSO, auch künftig den knapp fünf Millionen Euro starken Etat des 60-köpfigen Orchesters zu garantieren. Wobei das GSO einen überdurchschnittlich hohen Anteil von 25 Prozent des Budgets selbst erwirtschaftet.

Ausrufezeichen setzen Mueller und das GSO auch mit ihren Konzertprogrammen, die das Kernrepertoire der sinfonischen Musik mit ungewöhnlichen Stücken bereichern und neuer Musik viel Raum geben (siehe Artikel unten). Mit Kooperationen wie der Gala „Sport meets Musik“ sucht das Orchester seinen Zuhörerkreis zu erweitern - immer im Bewusstsein, „dass Qualität an erster Stelle steht“, so Mueller.

Da hilft es, dass es dem GSO regelmäßig gelingt, hochkarätige Solisten zu verpflichten. Manchmal entstehen daraus langjährige Verbindungen wie zum Stargeiger Frank Peter Zimmermann oder auch zu der jungen, in Kassel lebenden Spitzengeigerin Tianwa Yang.

An Weihnachten werden die Musiker des GSO wieder zu Hause sein. Dem Namen der Stadt Göttingen wollen sie dann einen guten Klang verliehen haben. www.gso-online.de

Zur Person

Christoph-Mathias Mueller (47) wurde in Chiclayo (Peru) geboren und wuchs in der Schweiz auf. Er studierte Violine in Basel und Dirigieren in Cincinnati (USA). Er war unter anderem Assistenzdirigent von Vladimir Ashkenazy beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin und von Claudio Abbado beim Gustav Mahler Jugendorchester. Seit 2005 leitet er das Göttinger Symphonie-Orchester, seit 2007 ist er Generalmusikdirektor. Darüber hinaus ist Mueller als Gastdirigent international gefragt. Die CD „Russian Trumpet Concertos“ mit dem Trompeter Reinhold Friedrich und dem Göttinger Symphonie-Orchester unter Muellers Leitung erhielt 2013 einen Echo-Klassik-Preis. Mueller ist verheiratet und lebt in Bovenden bei Göttingen. (w.f.)

Drei ausgewählte

Programme

• 6. März 2015: „Tanzschritte“. Johann Strauß: Kaiserwalzer, Arnold Schönberg: Klavierkonzert op. 42, Ludwig van Beethoven: 7. Sinfonie. Solist: David Kadouch, Klavier. Leitung: Christoph-Mathias Mueller.

• 2. April 2015 (Gründonnerstag): „Con Passione“. Ferrucio Busoni: Berceuse élegiaque. Wolfgang Amadeus Mozart: Mauerische Trauermusik, Allan Pettersson: Sinfonie Nr. 7. Leitung: Christoph-Mathias Mueller.

• 17. April 2015: „Als die Bilder laufen lernten“. Erich Wolfgang Korngold: Die Abenteuer von Robin Hood, Miklos Rozsa: Konzert für Viola und Orchester, Russell Brower: Musik zum Computerspiel „World of Warcraft“, John Williams: Star Wars Suite. Solist: Lawrence Power, Viola. Leitung: Christoph-Mathias Mueller.

jeweils 19.45 Uhr, Stadthalle Göttingen.

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