Premiere im Jungen Theater

Ein Traum verbindet: Bravo-Rufe für das Stück "Mongos"

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Mongos: Neues Jugendstück im Jungen Theater Göttingen: Es spielen Andreas Krüger (rechts) und Philip Heines (Schauspielschule Kassel).

Das Jugendstück „Mongos“ von Sergej Gössner hat Elena Breschkow im Jungen Theater inszeniert.

Die starke Leistung ist in Kooperation mit der Schauspielschule Kassel entstanden.

Gössners Stück erzählt von zwei Freunden. Ikarus ist querschnittsgelähmt. Francis leidet unter Multiple Sklerose (MS), einer degenerativen Nervenerkrankung. Beide lernen sich in einer Reha-Klinik kennen. Gemeinsam erzählen sie ihre Geschichte, lassen sie in Episoden lebendig werden.

„Ich laufe“, beginnt der Traum des querschnittsgelähmten Jungen mit dem hochtrabenden Namen Ikarus. Sonnenbeschienen führt sein Weg durch die Straße, wo er aufgewachsen ist. Schließlich lehrt der Wind ihn fliegen, doch er fliegt nicht ins Licht, sondern „der Dunkelheit entgegen“. Gänsehaut macht das Traumgedicht, das Philip Heines von der Schauspielschule Kassel als Ikarus aus seinem Notizbuch vorliest.

Mit Rollstuhl und Francis (Andreas Krüger) - mit Gehhilfen – auf dem Schoß durchbricht Ikarus die Stimmung. Die beiden Jugendlichen stellen sich dem Publikum vor – erst in der Reha-Klinik lernten sie sich kennen.

Bei der ersten Begegnung im Wartezimmer nervt Ikarus mit seinen Videospielen. Philip Heines spielt ihn als einen Typ, der nach Möglichkeit nichts an sich ranlässt. Dass er im Rollstuhl sitzt, will er nicht akzeptieren. Etwa einmal pro Woche fragt er den Arzt nach einem Ausweg aus der Lähmung. Heines gelingt es, Ikarus als Menschen zu zeigen, der viel Wert legt auf seine Außenwirkung. Geschickt stellt er sich an beim Rollstuhlfahren. Trotz unzähliger Manövriermanöver landet er nur einmal auf dem Rücken. Nicht so gewandt zeigt er sich im Wortgefecht beim Therapeuten oder mit seiner Flamme Jasmin.

Andreas Krüger verkörpert alle Nebenrollen. Mit Brille und Bleistift wird er zum „Psycho“, mit oranger Mütze spielt er Jasmin. Die rasanten Wechsel ohne Ansage gelingen: Krüger nimmt die Mütze ab, schon wird aus dem Mädchen mit Beinschiene der Junge mit der Nervenerkrankung, im weißen Kittel präsentiert er sich als Chefarzt.

In schnellem Schlagabtausch zwischen den Jungen, die nach ihrer jeweiligen Diagnose vor einem schier unüberwindbaren Berg aus Träumen stehen, trägt Musik einen Teil der Gedanken weiter. Mal sind es Geigen, mal eine Stimme. Ergreifend ist der Moment, in dem Krüger als Francis „All of me“ von John Legend anstimmt und Philip Heines als Ikarus gesanglich einsteigt.

Mit nichts wollen sich Ikarus und Francis von ihren alten Kumpeln unterscheiden; ihre Kleidung ist auf jedem Schulhof präsent. Eine Sichtblende, ein Rollstativ für Transfusionsgeräte und zwei Rollstühle vermitteln Klinikatmosphäre (Ausstattung: Elena Breschkow). Erst als Ikarus nach der Reha erfährt, dass Francis ins Koma gefallen ist, gelingt es ihm, sich – auch für diese Freundschaft – zu öffnen. Sein Traum wird schließlich auch zu dem seines Freundes.

Für den ergreifenden Nachmittag spendet das Premierenpublikum begeisterten Applaus mit lauten Bravo-Rufen. (zul)

Nächste Vorstellungen: 24. Oktober, 19 Uhr. Schulvorstellungen um 11 Uhr am 2., 14., und 24. Oktober. (Anmeldung erforderlich).

www.junges-theater.de

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